Stephan Nicolussi-Köhler (Hrsg.)

Change and Transformation of Premodern Credit Markets
The Importance of Small-Scale Credits

Kreditmärkte zur Mobilisierung großer Kapitalmengen sind kein modernes Phänomen. Schon im Mittelalter und Früher Neuzeit gab es gut funktionierende Kreditmärkte, die allerdings mehrheitlich dem Bedarf nach Kleinkrediten von Handwerkern, Bauern und Stadtbürgern – also dem Großteil der gesamten historischen Bevölkerung – dienten. Die in diesem Buch vorgestellten Studien konzentrieren sich auf Kreditmärkte in verschiedenen Regionen (England, Wales, Tirol, Norditalien, Deutschland, Niederlande). Die einzelnen Beiträge diskutieren, wie der Wandel der Akteure und die Transformation der Institutionen auf vormodernen Kreditmärkten den Zugang zu Kapital und die Praxis der Geldvergabe beeinflusst haben.

Adrian Kuhl, Silke Leopold, Dorothea Redepenning (Hrsg.)

Über das Marionettentheater (hinaus)
Musik und Puppen

Ausgehend von einem Symposium thematisiert der Band in verschiedenen Beiträgen das in seiner langen Historie vielfältige Verhältnis von Musik und Figurentheater. Einerseits steht die Aufführung von Oper mit Puppen im 18. Jahrhundert sowie musikalisiertes Figurentheater in der Mitte des 20. Jahrhunderts im Fokus, andererseits nimmt der Band die Integration von Figurenthematik in Sujet, Ästhetik und Inszenierung von Oper mit realen Sängerinnen und Sängern in den Blick. Ergänzt wird dieser Fokus durch einen historischen Rundgang zum Verhältnis von Puppen und Musik sowie durch einen Blick auf die Institutionalisierung von Puppenspiel in internationalen Organisationen am Beispiel der UNIMA und der UNESCO.

Benjamin Held, Frederike van Oorschot (Hrsg.)

Digitalisierung: Neue Technik – neue Ethik
Interdisziplinäre Auseinandersetzung mit den Folgen der digitalen Transformation

FEST Forschung, Band 1

Neue Technik – neue Ethik? Der vorliegende Band, der im interdisziplinären Dialog an der FEST entstanden ist, fragt vor diesem Hintergrund in unterschiedlichen Wissenschafts- und Handlungsfeldern nach dem „Neuen“ in und durch digitale Technologien: Was ist das wirklich Neue? Entstehen neuartige Gegenstände, Werkzeuge, Wahrnehmungsformen, Erkenntnismittel, Fragestellungen, Akteure und/oder Kommunikationsformen? Ist überhaupt „Neues“ erkennbar oder setzen sich bestehende Fragestellungen in anderen Medien fort?

Zwischen den Beiträgen zeigen sich dabei vernetzende Linien, die – ähnlich wie Hashtags – einzelne Aussagen zu Fäden (Threads) miteinander verweben und so eine netzförmig verbundene Kartierung einer Debatte um Begriffe oder Phänomene ermöglichen. Dabei haben sich insbesondere drei thematische Verdichtungen herauskristallisiert:

 

  • #Berechenbarkeit #Überwachung #Steuerung #Freiheit #Demokratie
  • #Medienwandel #Wahrnehmung #Hermeneutik
  • #Anthropologie #Ethik #Theologie

Der Band stellt einen Beitrag zur notwendigen Debatte um die Gestaltung der digitalen Transformation dar und soll zum weiteren Nachdenken, Forschen und Diskutieren über neue Techniken und neue Ethiken im Kontext der Digitalisierung anregen.

Susan Richter (Hrsg.)

Amo te solo
Briefe der Kurfürstin Elisabeth Augusta an den Herzog Clemens Franz in Bayern 1743–1770

Im Jahr 2021 jährt sich der 300. Geburtstag von Elisabeth Augusta (1721–1794), Kurfürstin von der Pfalz. Als älteste Enkelin des Kurfürsten Carl Philipp wurde sie an ihrem 21. Geburtstag im Schloss Mannheim mit dem Erben der Kurwürde, Carl Theodor, verheiratet. Ihre jüngere Schwester, Maria Anna, wurde am gleichen Tag mit Clemens Franz von Paula, Herzog in Bayern, getraut. Elisabeth Augusta und Clemens Franz hatten sich im Vorfeld der Eheschließungen ineinander verliebt und über viele Jahre ein enges, vertrautes und auch erotisches Verhältnis gepflegt. Ihr Briefwechsel spiegelt die enge Bindung, reflektiert Pflichten und Grenzen, Langeweile und Hoffnungen, zeitweiligen Überdruss am Hofleben sowie ihr fürstliches Rollenverständnis. Es handelt sich dabei nicht um einen Austausch über gelehrte Inhalte oder ernste Kommentare zu politischen Entwicklungen, sondern um einen Blick in den fürstlichen Alltag, ein Stück Normalität. Dennoch erscheint gerade dieser umso spannender, da sich hier auch die privaten Handlungsspielräume fürstlicher Personen und die versteckte Sprache der Liebe und Leidenschaften offenbaren.   

Klaus Lieberz, Lucie Adamek, Bertram Krumm (Hrsg.)

Die Richtlinien-Psychotherapie
Expeditionen in einem dunklen Kontinent

Das Buch beschäftigt sich mit den bis heute ungelösten Fragen der Therapeutenwahl, der psychosomatisch-psychotherapeutischen/psychiatrischen Diagnostik, der Indikationsstellung und Differentialindikation hinsichtlich verschiedener psychotherapeutischer Verfahren, der Einschätzung der Krankheitsschwere und der prognostischen Aussichten unter den naturalistischen Bedingungen der psychotherapeutischen Praxis im Rahmen der Richtlinien-Psychotherapie. Das Buch berührt insbesondere die Interessen ärztlicher und psychologischer Psychotherapeuten. Die Verknüpfung von psychotherapeutischer Praxis und Forschung beinhaltet die Frage nach Art und Ausmaß der Qualitätssicherung in diesem Bereich.

Susanna Werger

Le Caractère destructeur dans l'art
Poétique, musique et performance des mouvements d'avant-garde autour de la première guerre mondiale

Die vorliegende Arbeit sucht nach Wiederholungen in der Geistesgeschichte der Avantgarde, um Momente der Kontinuität oder des Bruchs zu finden. Die Konzentration auf den gemeinsamen Nenner der Destruktivität dient dazu, eine zentrale Facette des Stils jener Zeit zu erkennen. Dass es dabei von Interesse ist, gleich mehrere verschiedene künstlerische Bereiche der Avantgarde in den Blick zu nehmen, liegt in der künstlerischen Praxis selbst begründet: Die Ausdrucksformen der Avantgarde prallen aufeinander und beginnen zunehmend miteinander zu kommunizieren. Die mitreißende Parole der Destruktivität vereint die schöpferischen Grundlagen der Avantgardekunst und berührt ihr unvermeidliches Paradox: Die Zerstörung impliziert in der Tat schöpferische Aspekte; der frei gewordene Raum will bald wieder gefüllt werden.

Klaus-Peter Schroeder

Die Heidelberger Universität auf dem Weg in das „Dritte Reich“
Arnold Paul Ruge, Philipp Lenard – Emil Julius Gumbel

„Kommilitonen - der Pesthauch der Judenherrschaft weht Euch entgegen!“ – So lautete die Überschrift eines 1920 erschienenen Flugblatts aus der Feder des Heidelberger Philosophiedozenten Arnold Ruge. Ruge wie auch Philipp Lenard, erster Nobelpreisträger für Physik der Ruperto Carola, stehen exemplarisch für eine keineswegs kleine Gruppe akademischer „Brandstifter“, welche schon in den ersten Jahren der Weimarer Republik eine antisemitische Sturmflut entfesselten. Ein Opfer der gleichfalls von der Heidelberger Studentenschaft weithin begeistert aufgenommenen, von Lenard und Ruge unterstützten Hetzjagd wurde Emil Julius Gumbel. Das vom NSDStB organisierte Kesseltreiben gegen Gumbel endete mit der Entziehung der Venia legendi. An prominenter Stelle stand er auf der ersten Liste von 34 Deutschen, die am 23. August 1933 „ausgebürgert“ wurden. Vor dem Hintergrund dieser weit über Heidelberg hinaus Aufsehen erregenden Geschehnisse soll der Weg der Ruperto Carola in die Katastrophe des Dritten Reiches beispielhaft dargestellt werden.

Detlef Junker

Deutschland und die USA 1871–2021

Deutschland und die USA 1871–2021 ist die erste Gesamtdarstellung zu 150 Jahren transatlantischer Beziehungen zwischen dem 1871 gegründeten deutschen Nationalstaat und den USA. Das Buch ist eine Sammlung von Aufsätzen, Artikeln und Vorträgen, die der Autor zum 19. Jahrhundert, zum Ersten Weltkrieg und zum Zweiten Weltkrieg sowie zum Kalten Weltkrieg veröffentlicht hat, ergänzt um einen neuen Essay, der bis an die unmittelbare Gegenwart und das Ende der Präsidentschaft Donald Trumps führt.

Dietrich Harth

José Rizals Kampf um Leben und Tod
Facetten einer kolonialismuskritischen Biografie

José Rizal (1861–1896) studierte Medizin in Manila und Madrid, absolvierte eine Fachausbildung als Augenarzt in Paris, Heidelberg und Berlin, schrieb Gedichte und sozialkritische Romane, attackierte mit spitzer Feder die kolonialistische Willkürherrschaft der Spanier über seine philippinisch-tagalische Heimat und wurde – obwohl er ein Partisan der gewaltlosen Dekolonisierung war – von einem spanischen Militärgericht wegen Anstiftung zum Aufruhr zum Tode verurteilt und hingerichtet. Die Biografie des Kulturwissenschaftlers Dietrich Harth nähert sich Leben und Werk des philippinischen Intellektuellen in vier Schritten. In einem ersten Teil resümiert sie die wichtigsten Phasen der mehr als 300 Jahre währenden Kolonialherrschaft der spanischen Krone und skizziert die vom unmittelbar anschließenden amerikanischen Regime ausgehenden Veränderungen, die auch zu Rizals Idolisierung beigetragen haben. Der zweite Teil erzählt, der Chronik folgend, die Herkunfts-, Bildungs- und Verfolgungsgeschichte Rizals, während ein darauf folgender dritter Teil sich seinen vielseitigen, wissenschaftlich inspirierten, in zahlreichen Essays behandelten Forschungsinteressen und nicht zuletzt seiner damit eng verbundenen kolonialismuskritischen Polemik widmet. Der letzte Teil gilt der Analyse des sowohl politisch als auch literarisch bemerkenswerten Romandyptichons (Noli me tángere und El Filibusterismo), das Rizals Ruhm in der südostasiatischen Welt begründet hat und zur staatlich verordneten Lektüre in allen Bildungseinrichtungen der Philippinen gehört. Die vorliegende Biografie ist die erste umfassende Darstellung in deutscher Sprache, die sich auf direktem Weg, nämlich aus dem philippinischen Spanisch übersetzend, Rizals Denkart zu nähern sucht.

Sarah Jäger

Jenseits des Patriarchats
Ansätze feministischer Theologie

FEST kompakt – Analysen – Stellungnahmen – Perspektiven , Band 2

„Wenn Gott männlich ist, muß das Männliche Gott sein“ – so formulierte die amerikanische feministische Theologin Mary Daly 1973. Seitdem ist viel geschehen: Unterschiedliche Konzepte feministischer Theologie haben zentrale Zusammenhänge christlicher Theologie neu gedacht und von einer gerechteren Welt für Männer und Frauen geträumt.

Dieses Buch stellt die zentralen Entwicklungslinien feministischer Theologien von ihren Anfängen bis in die Gegenwart dar. Zugleich skizziert es einen eigenen Ansatz, der die Möglichkeiten einer gegenwärtigen queeren geschlechterbewussten Theologie auslotet.