Susanna Werger

Le Caractère destructeur dans l'art
Poétique, musique et performance des mouvements d'avant-garde autour de la première guerre mondiale

Die vorliegende Arbeit sucht nach Wiederholungen in der Geistesgeschichte der Avantgarde, um Momente der Kontinuität oder des Bruchs zu finden. Die Konzentration auf den gemeinsamen Nenner der Destruktivität dient dazu, eine zentrale Facette des Stils jener Zeit zu erkennen. Dass es dabei von Interesse ist, gleich mehrere verschiedene künstlerische Bereiche der Avantgarde in den Blick zu nehmen, liegt in der künstlerischen Praxis selbst begründet: Die Ausdrucksformen der Avantgarde prallen aufeinander und beginnen zunehmend miteinander zu kommunizieren. Die mitreißende Parole der Destruktivität vereint die schöpferischen Grundlagen der Avantgardekunst und berührt ihr unvermeidliches Paradox: Die Zerstörung impliziert in der Tat schöpferische Aspekte; der frei gewordene Raum will bald wieder gefüllt werden.

Klaus-Peter Schroeder

Die Heidelberger Universität auf dem Weg in das „Dritte Reich“
Arnold Paul Ruge, Philipp Lenard – Emil Julius Gumbel

„Kommilitonen - der Pesthauch der Judenherrschaft weht Euch entgegen!“ – So lautete die Überschrift eines 1920 erschienenen Flugblatts aus der Feder des Heidelberger Philosophiedozenten Arnold Ruge. Ruge wie auch Philipp Lenard, erster Nobelpreisträger für Physik der Ruperto Carola, stehen exemplarisch für eine keineswegs kleine Gruppe akademischer „Brandstifter“, welche schon in den ersten Jahren der Weimarer Republik eine antisemitische Sturmflut entfesselten. Ein Opfer der gleichfalls von der Heidelberger Studentenschaft weithin begeistert aufgenommenen, von Lenard und Ruge unterstützten Hetzjagd wurde Emil Julius Gumbel. Das vom NSDStB organisierte Kesseltreiben gegen Gumbel endete mit der Entziehung der Venia legendi. An prominenter Stelle stand er auf der ersten Liste von 34 Deutschen, die am 23. August 1933 „ausgebürgert“ wurden. Vor dem Hintergrund dieser weit über Heidelberg hinaus Aufsehen erregenden Geschehnisse soll der Weg der Ruperto Carola in die Katastrophe des Dritten Reiches beispielhaft dargestellt werden.

Detlef Junker

Deutschland und die USA 1871–2021

Deutschland und die USA 1871–2021 ist die erste Gesamtdarstellung zu 150 Jahren transatlantischer Beziehungen zwischen dem 1871 gegründeten deutschen Nationalstaat und den USA. Das Buch ist eine Sammlung von Aufsätzen, Artikeln und Vorträgen, die der Autor zum 19. Jahrhundert, zum Ersten Weltkrieg und zum Zweiten Weltkrieg sowie zum Kalten Weltkrieg veröffentlicht hat, ergänzt um einen neuen Essay, der bis an die unmittelbare Gegenwart und das Ende der Präsidentschaft Donald Trumps führt.

Dietrich Harth

José Rizals Kampf um Leben und Tod
Facetten einer kolonialismuskritischen Biografie

José Rizal (1861–1896) studierte Medizin in Manila und Madrid, absolvierte eine Fachausbildung als Augenarzt in Paris, Heidelberg und Berlin, schrieb Gedichte und sozialkritische Romane, attackierte mit spitzer Feder die kolonialistische Willkürherrschaft der Spanier über seine philippinisch-tagalische Heimat und wurde – obwohl er ein Partisan der gewaltlosen Dekolonisierung war – von einem spanischen Militärgericht wegen Anstiftung zum Aufruhr zum Tode verurteilt und hingerichtet. Die Biografie des Kulturwissenschaftlers Dietrich Harth nähert sich Leben und Werk des philippinischen Intellektuellen in vier Schritten. In einem ersten Teil resümiert sie die wichtigsten Phasen der mehr als 300 Jahre währenden Kolonialherrschaft der spanischen Krone und skizziert die vom unmittelbar anschließenden amerikanischen Regime ausgehenden Veränderungen, die auch zu Rizals Idolisierung beigetragen haben. Der zweite Teil erzählt, der Chronik folgend, die Herkunfts-, Bildungs- und Verfolgungsgeschichte Rizals, während ein darauf folgender dritter Teil sich seinen vielseitigen, wissenschaftlich inspirierten, in zahlreichen Essays behandelten Forschungsinteressen und nicht zuletzt seiner damit eng verbundenen kolonialismuskritischen Polemik widmet. Der letzte Teil gilt der Analyse des sowohl politisch als auch literarisch bemerkenswerten Romandyptichons (Noli me tángere und El Filibusterismo), das Rizals Ruhm in der südostasiatischen Welt begründet hat und zur staatlich verordneten Lektüre in allen Bildungseinrichtungen der Philippinen gehört. Die vorliegende Biografie ist die erste umfassende Darstellung in deutscher Sprache, die sich auf direktem Weg, nämlich aus dem philippinischen Spanisch übersetzend, Rizals Denkart zu nähern sucht.

Sarah Jäger

Jenseits des Patriarchats
Ansätze feministischer Theologie

FEST kompakt – Analysen – Stellungnahmen – Perspektiven , Band 2

„Wenn Gott männlich ist, muß das Männliche Gott sein“ – so formulierte die amerikanische feministische Theologin Mary Daly 1973. Seitdem ist viel geschehen: Unterschiedliche Konzepte feministischer Theologie haben zentrale Zusammenhänge christlicher Theologie neu gedacht und von einer gerechteren Welt für Männer und Frauen geträumt.

Dieses Buch stellt die zentralen Entwicklungslinien feministischer Theologien von ihren Anfängen bis in die Gegenwart dar. Zugleich skizziert es einen eigenen Ansatz, der die Möglichkeiten einer gegenwärtigen queeren geschlechterbewussten Theologie auslotet.

Sebastian Starystach, Kristina Höly (Hrsg.)

The Silence of Organizations
How Organizations Cover up Wrongdoings

Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche, Manipulationen von Transplantationslisten oder die aktuelle Dieselgate-Affäre: Immer wieder erschüttern Skandale unser Vertrauen in Organisationen. Vor dem Hintergrund der verheerenden Folgen, die Regelverstöße in und durch Organisationen in unserer Gesellschaft hinterlassen, ist es notwendig, sich damit auseinanderzusetzen, wie und warum Regelverletzungen und Verbrechen regelmäßig unter den organisationalen Teppich gekehrt werden. Zu diesem Zweck führt der vorliegende Sammelband Beiträge internationaler Forscher aus unterschiedlichen Disziplinen zusammen, um zu erklären, wie organisationales Fehlverhalten trotz verschärfter Vorschriften, verstärkter Compliance-Bemühungen und Strafverfolgung im Schatten organisationalen Schweigens gedeihen kann.

Christine Nawa, Christoph Meinel (Hrsg.)

Von der Forschung gezeichnet
Instrumente und Apparaturen in Heidelberger Laboratorien, skizziert von Friedrich Veith (1817–1907)

In der Blütezeit der Universität Heidelberg im 19. Jahrhundert wirkten hier Forscher wie der Chemiker Robert Bunsen, der Physiker Gustav Kirchhoff und der Physiologe Hermann Helmholtz. Sie alle ließen ihre wissenschaftlichen Instrumente und Versuchsaufbauten vom Universitätszeichenlehrer Friedrich Veith (1817–1907) im Bild festhalten. Eine gut 50 Blätter umfassende Mappe seiner Zeichnungen aus den Jahren 1856 bis 1891 ist eine einzigartige Quelle für die Experimentalkultur jener Zeit. Sie verdeutlicht zugleich die Bedeutung der visuellen Kommunikation in den Wissenschaften und die Rolle der vielen ‚unsichtbaren Hände‘, auf die Forschung angewiesen ist.

Ladislaus Ludescher

Vergessene Welten und blinde Flecken
Die mediale Vernachlässigung des Globalen Südens. Quantitative geografische Mediendiskursanalyse über die Berichterstattung der "Tagesschau" und ausgewählter Leitmedien

"Wie realistisch bilden Medien die Welt ab?“ ist eine der Kernfragen der Medienwissenschaften und auch eine Frage, die sich wohl jeder Zuschauer oder Leser irgendwann einmal gestellt hat. Die Langzeitstudie Vergessene Welten und blinde Flecken hat unter anderem etwa 5.100 Sendungen der Hauptausgabe der Tagesschau aus den Jahren 1996 und 2007 bis 2019 sowie Berichte ausgewählter Leitmedien (Deutschlandfunk, Süddeutsche Zeitung, Der Spiegel, Brennpunkt, Anne Will, Hart aber Fair, Maischberger, Maybrit Illner, CBS Evening News, The Washington Post, Time, The Guardian und Le Monde) ausgewertet und gelangt zu dem Schluss, dass die Länder des Globalen Südens (die sogenannten Entwicklungsländer bzw. Staaten der sogenannten Dritten Welt) in der Berichterstattung massiv vernachlässigt werden.

Gernot Burkhardt

Minor Planet Names with Ties to Heidelberg

Dieser Auszug aus der Datenbank Dictionary of Minor Planet Names (DMPN) mit Stand August 2020 listet 169 Namen kleiner Planeten mit einem gewissen Bezug zu Heidelberg aus der Gesamtzahl von 22.129 Namen. Es ist eine Aktualisierung des Wissenschaftsatlas der Universität Heidelberg, der anlässlich der 625-Jahr-Feier der Universität im Jahre 2011 erschien und in dem 97 Namen kleiner Planeten aufgeführt sind.

Ernst G. Jung

Haut
Kultur und Geschichte

Die Geschichte und die Kultur unserer Haut sind, getrieben vom wachsenden Interesse, bedeutsam, viel diskutiert und gelegentlich auch missbraucht worden. Haut und Hautpflege wandelten sich mit der Zeit. Schönheit und Hässlichkeit ergänzen sich zur neuen Qualität der Attraktivität. Unsere Haut spielt eine große Rolle bei der Selbstdarstellung und sie gestaltet unsere Außenwirkung mit.  Eine facettenreiche Entwicklung, welche aus der frühen Epoche der Mythen bis in die Gegenwart reicht. Und historische Reminiszenzen bereichern das Geschehen und belegen, unsere Haut ist lebensnotwendig, hochinteressant und wahrlich von besonderer Bedeutung.