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Das ältere Hochaltarretabel des Mindener Doms
Unter den Altaraufsätzen der Berliner Skulpturensammlung ist das ehemalige Hochaltarretabel des Mindener Doms das außergewöhnlichste Werk. Eine markante Besonderheit ist die einzigartige Zusammenstellung aus dem um 1425 gefertigten Schrein mit Flügeln und einem um ca. 200 Jahre älteren Untersatz, der in der bisherigen kunsttechnologischen Forschung viel zu wenig Aufmerksamkeit fand. Durch eine umfangreiche Untersuchung konnten viele Fragen zum ursprünglichen Aussehen dieses Retabels geklärt werden. Auf Basis der neu erschlossenen Architektur und des damit einhergehenden Funktionswandels ließen sich Rückschlüsse auf die Entwicklungsgeschichte früher Retabelformen ziehen.
Feminismus im Zeitschriftenformat? Visuelle Diskurse bei Marta Astfalck-Vietz, Marianne Breslauer und Hanna Nagel, 1925 bis 1944
„Wir haben viele Serien einfach versucht – nicht bloß Einzelbilder – und haben dann versucht, diese als Bildfolge, als Geschichte, den Zeitungen anzubieten.“ – Marta Astfalck-Vietz
Mutig und gewitzt, technisch versiert und von Experimentierfreude geprägt, am Puls der Moderne und dies mit deutlich feministischer Haltung – das sind die Werke der beiden Fotografinnen Marta Astfalck-Vietz und Marianne Breslauer sowie der Grafikerin Hanna Nagel. Die drei Künstlerinnen kooperierten während der Weimarer Republik eng mit der zeitgenössischen Presse und gestalteten progressive Diskurse zu Gleichstellung, Körperpolitik und Mode mit.
Feminismus im Zeitschriftenformat? bearbeitet erstmals aus kunsthistorischer Perspektive eine Auswahl dieser Presseveröffentlichungen, rückt die Künstlerinnen als zeitgenössische Kulturakteurinnen in den Fokus und scheut sich nicht davor, auch die Entwicklungen ab 1933 differenziert in den Blick zu nehmen.
Im Dazwischen: Praktiken und Materialitäten der Konservierung von Pflanzen, Tieren und Menschen im langen 19. Jahrhundert
Der Band versammelt die Beiträge der Konferenz „Pflanzen – Tiere – Menschen: Präparieren, Konservieren, Ausstellen. ‚Doing Objects‘ in historischer und aktueller Perspektive“, die im Oktober 2024 an der Georg-August-Universität Göttingen veranstaltet wurde. Die als Kooperation des Lehrstuhls für Mittlere und Neuere Geschichte der Georg-August-Universität Göttingen und des Netzwerks Provenienzforschung in Niedersachsen durchgeführte Konferenz wurde durch Mittel des Programms „zukunft.niedersachsen“ gefördert. Ziel war es, Akteur:innen mit unterschiedlichen Perspektiven, darunter Kultur- und Naturwissenschaftler:innen, Präparator:innen und Restaurator:innen, zu versammeln, um Debatten zum Umgang mit Präparationen und Modellen auf Basis menschlicher, tierischer und pflanzlicher Materialität zu diskutieren. Zudem wurden bislang kaum beachtete, thematische Überschneidungen hinsichtlich konservatorischer Praktiken wie dem „Doing Objects“ in historischer und aktueller Perspektive ausgelotet.
Colonial Objects of Natural History: Recommendations, Research, Reflections
Mit Bildern von Eran Wolff
Naturkundliche Objekte aus ehemaligen Kolonialgebieten zeugen von wissenschaftlicher Neugier, aber auch von Macht- und Gewaltverhältnissen. Häufig wurden sie zusammen mit menschlichen Überresten oder kulturellen Objekten angeeignet. Welche Verantwortung ergibt sich daraus für Naturkundemuseen?
Der Band untersucht diese Frage am Beispiel des Museums für Naturkunde Berlin. Es greift die politische Forderung auf, koloniale Sammlungen kritisch zu reflektieren, und versammelt kollektiv erarbeitet Empfehlungen, aktuelle Forschung sowie Beiträge internationaler Museumsfachleute. Er bietet neue Perspektiven für den interdisziplinären und internationalen Dialog über Kolonialismus und Naturkunde.
Deutsche Ausgabe: https://doi.org/10.11588/arthistoricum.1749
Diving into artworks interpretations through the lenses of semantic data: an Application on Panofsky’s Iconological Studies
Die Arbeit präsentiert eine Ontologie zur Beschreibung ikonografischer und ikonologischer Interpretationen, einen auf Erwin Panofskys Werk basierenden RDF-Datensatz und eine quantitative Analyse desselben. Ikonologie und Ikonografie werden oft in unstrukturierten Texten festgehalten, was ihre Nachnutzung erschwert. Eine formale Modellierung als LOD eröffnet neue Wege zur Erforschung des kulturellen Erbes. Die Ergebnisse zeigen, dass datengestützte Ansätze traditionelle kunsthistorische Fragestellungen unterstützen und neue methodische Einblicke ermöglichen.
The Paris Universal Expositions: (Re-)Productions of Art and Fashion
Die Pariser Weltausstellungen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts spielten eine zentrale Rolle als Schnittstellen von Kunst, Mode, Industrie und moderner Konsumkultur. Der Sammelband untersucht kritisch, wie diese Praktiken der Weltausstellungen die moderne visuelle Kultur geformt und die Museumssammlungen, die künstlerische Ausbildung und die Geschmacksbildung beeinflusst haben. Als Stätten des Spektakels beschleunigten die Weltausstellungen die Kommerzialisierung von Kunst und Mode und führten neue Techniken der Massenproduktion und Reproduktion ein – von illustrierten Modezeitschriften bis hin zu Kaufhausauslagen. Weit davon entfernt, neutrale Arenen des kulturellen Austauschs zu sein, dienten diese Weltausstellungen somit sowohl als Orte der Innovation als auch als Instrumente kultureller Macht, die Industrialisierung, Massenkonsum und die Ästhetik des modernen Lebens miteinander verknüpften.
Architektur als visuelle Störung: Zum Verhältnis von Bauform und Wahrnehmung im Dekonstruktivismus
Längst ist dekonstruktivistische Architektur im internationalen urbanen Alltag angekommen. Doch droht dabei vergessen zu werden, welche intellektuellen Positionen sie vertritt. Dieses Buch verfolgt ein doppeltes Ziel: Erstens analysiert es theoretische Texte sowie gebaute Werke von Peter Eisenman, Bernard Tschumi, Daniel Libeskind, Coop Himmelb(l)au und Rem Koolhaas (OMA) und zeigt, dass durch den gezielten Einsatz von Störungen kontingente, konstruierte Ordnungen im Sinne einer selbstreflexiven Kritik an der (Re-)Präsentation von Architektur sichtbar gemacht werden. Zweitens legt es dabei die intensive wie ambivalente Auseinandersetzung dekonstruktivistischer Architektur mit Jacques Derridas Dekonstruktion frei, die seit den 1980er Jahren zwar kritisch diskutiert, aber nie grundlegend analysiert wurde.
Künstlerinnen zu Gast bei Bettina Gockel
Aus Anlass eines doppelten Jubiläums, zum 20-jährigen Bestehen der Lehr- und Forschungsstelle für Theorie und Geschichte der Fotografie und zum 60. Geburtstag von Bettina Gockel, legen die Herausgeber:innen eine Anthologie mit wissenschaftlichen und auch mehr oder weniger literarischen Beiträgen zu Künstlerinnen in der Kunstgeschichte seit dem Mittelalter bis in die Gegenwart vor, die von mehr als sechzig Autor:innen beigesteuert wurden.
Beruf, Blick und Bild: Eine Professionsgeschichte der Fotografin 1890–1940
Frauen kommen in der tradierten Fotografiegeschichte selten vor. Ihre Spuren verlieren sich in der Rezeptionsgeschichte, sie werden quasi ‚ausgeblendet‘ oder bekommen den Status einer Ausnahme zugewiesen. Anhand von Biografien rekonstruiert die Autorin die Entwicklung des Berufs der Fotografin. Beleuchtet werden auch die sozialen, bildungspolitischen und medientechnischen Bedingungen, die Frauen ab Ende des 19. Jahrhunderts vorfanden. Das junge und offene Berufsfeld Fotografie ermöglichte solide ausgebildeten Frauen schöpferisches Arbeiten und ökonomische Unabhängigkeit. Nathalie Dimic leistet mit der Studie Pionierarbeit, indem sie die Sozialfigur der Fotografin erstmals inter- und multidisziplinär konturiert.
Warum die Akademie das Porträt nicht liebte: Versuche zum Bildnis im Frankreich des 17. Jahrhunderts
Das Porträt war sicherlich die fruchtbarste Kunstgattung der Frühen Neuzeit, auch wenn ihr künstlerischer Gehalt mitunter in Frage gestellt wurde. So schwieg sich die 1648 gegründete Pariser Académie Royale de Peinture et de Sculpture nahezu vollkommen zum Porträt aus und leugnete damit die Bedeutung, die es nicht nur in künstlerischer Hinsicht besaß. Konzentriert sich die Kunstgeschichte im Allgemeinen auf das Porträt in Malerei, Skulptur oder Graphik, wird hier auch gefragt, welche Bedeutung Literatur, Geschichtsschreibung, Theologie, Diplomatie, Kriminalistik, die staatliche Administration, Verhaltensnormen und selbst die Zahnheilkunde für das künstlerischen Porträt besaßen. So zeichnet die vorliegende Studie eine erstaunlich lebhafte Diskussion im Frankreich des 17. Jahrhunderts nach, in der auch überlegt wurde, ob nicht dem Porträt – statt der Historienmalerei – der erste Platz unter den künstlerischen Gattungen gebühre.
Genie Idol Star: Verehrung im 19. Jahrhundert
Katalog zur Ausstellung: Genie, Idol, Star. Verehrung im 19. Jahrhundert, GNM Nürnberg, 14.05.2026 – 06.09.2026
Die Zeit vom Ende des 18. Jahrhunderts bis um 1910 war eine Blütezeit des Personenkults. Politische Umbrüche, Krisen, gesellschaftlicher und kultureller Wandel nährten Sehnsüchte nach außergewöhnlichen Menschen, Vorbildern, potenziellen „Rettern“ und Visionären. Der Ausstellungskatalog stellt verschiedene, sich teils neu entwickelnde Typen von Genies und Idolen vor – von den klassischen Dichtergenies über das ‚Tatengenie‘, das ‚Wissenschaftsgenie‘, verehrte Frauen, bis hin zu den „Bühnenstars“ der Zeit. Er geht den Fragen nach, was an diesen Persönlichkeiten faszinierte, welchen Nutzen die Verehrenden aus ihrer Bewunderung zogen und beleuchtet die Nähe von Genie- und Starkult zu religiösen Formen der Verehrung.
GLOBAL Nuremberg 1300-1600
Katalog zur Ausstellung: Nürnberg GLOBAL 1300-1600, GNM Nürnberg, 25.09.2025 - 22.03.2026
Nürnberg entwickelte sich zwischen 1300 und 1600 zu einem global vernetzten Handelszentrum. Wirtschaft, Politik, Kunst und Kultur waren eng miteinander verwoben. Anhand faszinierender künstlerischer Objekte zeichnet der Katalog die expandierenden Netzwerke der Stadt vom späten Mittelalter bis zur Renaissancezeit nach.
Der Erfolg als internationales Wissenszentrum und innovativer Industriestandort ermöglichte die kulturelle Blüte Nürnbergs zur Zeit Albrecht Dürers. Doch auch die Ausbeutung von Ressourcen im Bergbau, der Boom des Waffenhandels und frühe koloniale Aktivitäten bildeten zentrale Voraussetzungen dieses Aufstiegs. Der Katalog beleuchtet diese wenig erforschten Facetten der Stadtgeschichte und reflektiert kritisch die Rolle Nürnbergs in einer zunehmend globalisierten Welt.
Deutsche Ausgabe: Nürnberg GLOBAL 1300-1600
Bewegte Museen: Bedarfe an und Erfahrungen mit Organisationsentwicklung in öffentlichen Museen in Deutschland
Museen der öffentlichen Hand in Deutschland stehen in einem Spannungsfeld zwischen gesellschaftlichem Auftrag und begrenzten Ressourcen, weshalb Organisationsentwicklung zunehmend an Bedeutung gewinnt. Die qualitative Studie untersucht anhand leitfadengestützter Expert:inneninterviews Bedarfe, Ressourcen, Erfahrungen und Wirksamkeit professioneller Organisationsentwicklung in öffentlichen Museen. Die Auswertung von Interviews mit Museumsleitungen zeigt, dass der Bedarf an begleiteter Organisationsentwicklung die bisherigen Erfahrungen deutlich übersteigt. Neben Veränderungsbedarfen im Bereich der Betriebsorganisation gewinnen Agilität und Employer Branding an Relevanz. Fehlende finanzielle und personelle Ressourcen hemmen den Wandel, während Qualifizierung in Management, Führung und Organisationsentwicklung als zentraler Erfolgsfaktor gilt.
Bildpolemischer Künstlerstreit: Von Leonbruno bis Hogarth
Wie lässt sich erkennen, dass Gemälde, Reliefs oder Grafiken im Zusammenhang mit einem Streit zwischen Künstlern oder mit deren Auftraggebern entstanden sind? Die Monografie zum DFG-Projekt „Streitstrategien bildender Künstler in der Neuzeit“ zeigt dies anhand von 18 Fällen, die zwischen 1525 und 1763 datiert sind. Beispiele u.a. von Leonbruno, Lelio Orsi, Stradanus, Federico Zuccari, Leone Leoni, Rembrandt, Piranesi und William Hogarth zeigen den kreativen Umgang mit Verleumdung, Zensur und moralischen Verboten beleidigender Personendarstellungen. Der vergleichende Überblick entlarvt Traditionen bildpolemischer Codes: Emotionsfreier Künstlerstreit ist eine Fiktion wirkmächtiger Legenden.
Japan Inside/Out: Transcultural, Historiographical, and Institutional Perspectives on Japanese Art History
Das Buch dokumentiert die Beiträge zu der Eröffnungssektion «Gastland Japan» der Jahreskonferenz der VKKS (Vereinigung der Kunsthistorikerinnen und Kunsthistoriker in der Schweiz) im Jahr 2022, die am Kunsthistorischen Institut der Universität Zürich stattfand. Ein breites Fachpublikum erhielt ausgewählte Einblicke in die Museumsgeschichte Japans, in die Wissenschaftsgeschichte des Faches Kunstgeschichte und in Forschungsthemen vom Mittelalter bis zur Moderne, vom Farbholzschnitt bis zur Fotografie. Dabei wurden komplexe Perspektiven von Innen nach Außen zwischen «Ost» und «West» in globalen Netzwerken eingenommen. – Mit Beiträgen von Bettina Gockel, Ikeda Yuko, Susanne Pollack, Judith Rauser, Christian Rümelin, Satō Naoki, Shimizu Minoru, Hans Bjarne Thomsen, Yamamoto Satomi.
Umgang mit kolonialen Objekten der Naturkunde: Empfehlungen, Forschung, Reflexionen
Mit Bildern von Eran Wolff
Naturkundliche Objekte aus ehemaligen Kolonialgebieten zeugen von wissenschaftlicher Neugier, aber auch von Macht- und Gewaltverhältnissen. Häufig wurden sie zusammen mit menschlichen Überresten oder kulturellen Objekten angeeignet. Welche Verantwortung ergibt sich daraus für Naturkundemuseen?
Der Band untersucht diese Frage am Beispiel des Museums für Naturkunde Berlin. Es greift die politische Forderung auf, koloniale Sammlungen kritisch zu reflektieren, und versammelt kollektiv erarbeitet Empfehlungen, aktuelle Forschung sowie Beiträge internationaler Museumsfachleute. Er bietet neue Perspektiven für den interdisziplinären und internationalen Dialog über Kolonialismus und Naturkunde.
Englische Version: https://doi.org/10.11588/arthistoricum.1756
Der Blick des Pan: Cornelis Floris und die ‚Heemskerck‘-Skizzenbücher. Textband
Die Studie begründet eine neue These zum Berliner Zeichnungskonvolut mit den berühmten Romzeichnungen. Ihr Autor war nicht, wie traditionell angenommen, Maarten van Heemskerck, sondern Cornelis Floris (1514–1575), Schöpfer zahlreicher figürlicher Grabmäler, Architekt des Antwerpener Rathauses und Erfinder der niederländischen Groteske. Floris’ Auseinandersetzung mit den Werken der Antike und der Renaissance – sie ist in drei zwischen 1535/6 und 1538 in Mantua und Rom entstandenen Skizzenbüchern dokumentiert – war für sein späteres Schaffen zentral.
Der Blick des Pan: Cornelis Floris und die ‚Heemskerck‘-Skizzenbücher
Die Studie begründet eine neue These zum Berliner Zeichnungskonvolut mit den berühmten Romzeichnungen. Ihr Autor war nicht, wie traditionell angenommen, Maarten van Heemskerck, sondern Cornelis Floris (1514–1575), Schöpfer zahlreicher figürlicher Grabmäler, Architekt des Antwerpener Rathauses und Erfinder der niederländischen Groteske. Floris’ Auseinandersetzung mit den Werken der Antike und der Renaissance – sie ist in drei zwischen 1535/6 und 1538 in Mantua und Rom entstandenen Skizzenbüchern dokumentiert – war für sein späteres Schaffen zentral.
Die Kunststadt Darmstadt 1933–1945: Erwerbungspolitik, Netzwerke und Akteure
Die Suche nach NS-Raubgut in Sammlungsbeständen ist eine bedeutsame und herausfordernde Aufgabe aller kulturgutbewahrenden Institutionen. In Darmstadt wird seit mehreren Jahren an verschiedenen Häusern Provenienzforschung betrieben: Herkunft und Geschichte von Sammlungsobjekten werden systematisch erforscht und dokumentiert. Über die Klärung der Objektbiografien und der Erwerbungskontexte hinaus, erweitern diese Recherchen auch die Kenntnisse zur jeweiligen Sammlungs- und Institutionsgeschichte. Die Beiträge der Expert*innen verschiedener Disziplinen auf dem Gebiet der Provenienz- und Sammlungsforschung bieten erstmals einen Überblick über Strukturen und Netzwerke einiger bedeutender kommunaler, staatlicher Darmstädter und Mainzer Kulturinstitutionen in der Zeit des Nationalsozialismus.
EVA Berlin 2023. Elektronische Medien & Kunst, Kultur und Historie: 27. Berliner Veranstaltung der internationalen EVA-Serie
'Game-changing'-Technologien stehen im Zentrum der Konferenz EVA-Berlin 2023. Machine-Learning, Künstliche Intelligenz, Blockchain-, NFT-und XReality-Applikationen sind die innovativen Impulsgeber in den Ökosystemen des Kulturbetriebs, der Kreativwirtschaft und in der künstlerischen Produktion. Haptische Komponenten eines Werks können greifbar gemacht und bildliche Darstellungen in passende Worte gefasst werden. Ein Landschaftsgemälde gewinnt als Klanglandschaft einen neuen akustischen Erlebnishorizont, oder es wird als animierte Wetterkulisse in ein Gaming-Setting eingebunden.
Nachdenken über Sinne, Bildwahrnehmung und Materialität: Silke Tammens Forschungen auf der Spur
Silke Tammen (1964–2018) hat die Erforschung mittelalterlicher Kunst wesentlich geprägt. Ihr besonderes Verdienst liegt in einer Sensibilisierung für ungewöhnliche Gegenstände und Themen. Im Horizont einer die Vielfalt der Bildkulturen betonenden Kunstgeschichte hat sie neue theoretisch-methodische Zugänge zur Bildwahrnehmung erschlossen. Dem Gedenken Silke Tammens ist nun eine zweiteilige Publikation gewidmet. Band 1 umfasst die kommentierten Schriften Silke Tammens. Band 2 enthält Beiträge von Weggefährt:innen aus verschiedenen Disziplinen, die Tammens Ideen, Themen und Ansätze in ihren eigenen Forschungen aufgreifen.
Bildpraktiken des Klimaprotests: Perspektiven auf aktivistisch geprägte Bildstrategien
Bildpraktiken des Klimaprotests erzeugen Sichtbarkeit in einem hochgradig politisierten und von Interessen bestimmten Umfeld. Häufig folgen sie bekannten Bildtraditionen und erprobten Erzählungen. Mithilfe bildwissenschaftlicher und mediensoziologischer Beobachtungen lassen sich Zugänge zu den aktivistisch geprägten Bildveröffentlichungen und den darin sichtbaren Kategorien der Zeitlichkeit und Personalisierung finden. Von zentraler Bedeutung sind dabei die Bildstrategien der Zeugenschaft, das In-Beziehung-Setzen von Tätern und Opfern, ziviler Ungehorsam sowie Landschaftsdarstellungen. Ihre Analysen lassen sowohl verschiedene Bildpolitiken der Klimabewegung als auch visuelle Leerstellen sichtbar werden.
EVA Berlin 2025. Electronic Media and Visual Arts: 28th Issue of the EVA Berlin Conference
Die 28. EVA Berlin Konferenz befasst sich mit den aktuellen disruptiven Veränderungen in Kultur und Digitalisierung. Zu den behandelten Themen gehören der Aufstieg der künstlichen Intelligenz, digitale Projekte im Kultursektor, webbasierte Forschung, Kommunikationskooperationen sowie Informationstechnologie und Multimedia-Dienste für Bibliotheken, Archive, Museen und Einrichtungen der darstellenden Künste. Seit 1994 ist die Berliner Veranstaltung Teil des internationalen EVA-Konferenznetzwerks, zu dem auch Veranstaltungsorte in London, Florenz und Paris gehören. Sie dient als Plattform für einen breiten internationalen Austausch und europäische Zusammenarbeit.
Alexander der Große und sein Wunderpferd Bucephalus: Spätmittelalterliche Buchmaler gestalten eine Wesensverwandtschaft zwischen Mensch und Tier
Das Wunderpferd Bucephalus, das redet, Ereignisse voraussieht, Tränen vergießt und über unglaubliche Kräfte verfügt, führt Alexander den Großen siegreich durch seine Erfolge. In der mittelalterlichen Ritterkultur sind enge Beziehungen zwischen Ross und Reiter selbstverständlich. Die Wesensverwandtschaft, das Spiel mit Grenzen und Verschmelzungen zwischen Mensch und Tier, wie es in der Alexander-Literatur geschildert wird, bedarf allerdings der Erklärung. Insbesondere in den spätmittelalterlichen Illustrationen, in denen Alexander der Große den Rezipienten als Vorbild, nicht selten sogar Urahn dient, muss diese ungewöhnliche Überblendung zweier Wesen mit mysteriöser Abkunft in vertraute kulturelle Muster eingebunden werden. Mit faszinierender Kreativität debattieren die Buchmaler im frühhumanistischen Augsburg und im höfischen Paris das Unerklärliche dieses Ausnahmepaars.
Photographic Thought Pieces II: Kenneth C. & Sabina R. Korfmann-Bodenmann: “Through Different Lenses”, Eight Portfolios, 2021–2023
»Nichts ist ohne das Wort«: Das Durchdenken der Fotografie gehört für das Künstlerpaar Korfmann-Bodenmann in ihrem langfristig angelegten Projekt «Through Different Lenses» zu den zentralen Arbeitsprinzipien. Dabei nehmen die praktischen Interaktionen, die intellektuellen Dialoge und last but not least die pure Freude am Denken eine zentrale Bedeutung ein. Es geht in den gemeinsam durchgeführten Fotoprojekten stets darum, das Selbst in Beziehung zum Anderen zu verstehen und zu verwirklichen, anstatt sich zu isolieren und den Anderen auszuschliessen. – Die dezidiert wissenschaftlich konzipierte Publikation präsentiert und analysiert acht Portfolios aus den Jahren 2021 bis 2023 mit 192 Fotografien.




