Andreas Winkelmann, Holger Stoecker, Sarah Fründt und Larissa Förster

Interdisziplinäre Provenienzforschung zu menschlichen Überresten aus kolonialen Kontexten
Eine methodische Arbeitshilfe des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste, des Berliner Medizinhistorischen Museums der Charité und von ICOM Deutschland

Beiträge zur Museologie, Band 11

Die Arbeitshilfe bietet eine praktische Einführung in die Provenienzforschung zu menschlichen Überresten aus kolonialen Kontexten. Sie fokussiert auf deutsche Institutionen mit einem Appendix zur Situation in Österreich. Die Arbeitshilfe bezieht sich auf biologisch-anthropologische, anatomische und medizinhistorische Sammlungen menschlicher Überreste vor allem an Universitäten und Museen. Die Interdisziplinarität und das Zusammenspiel der Methoden stehen im Vordergrund. Sie enthält ausführliche Hinweise zu historischen und anthropologisch-naturwissenschaftlichen Methoden der Provenienzforschung, sowie zur Dokumentation der Rechercheergebnisse. Erörtert werden ebenso die transkulturellen und transnationalen Dimensionen von Provenienzforschung.

Nino Nanobashvili

Die Ausbildung von Künstlern und Dilettanti
Das ABC des Zeichnens

Die Zeichenkunst gehörte in der Frühen Neuzeit zu einer grundlegenden künstlerischen Arbeitspraxis. Seit dem 16. Jahrhundert begannen in Italien zunehmend auch Kunstliebhaber damit, sich das Zeichnen anzueignen. Nanobashvili stellt erstmals in der Studie die Lerntechniken von Künstlern und Dilettanti gegenüber. Auf diesem Weg werden entscheidende Erkenntnisse zur Kunsttheorie und Zeichenpraxis in den Jahren von 1560 bis 1630 erlangt. Dies erlaubt eine Neubewertung von Alessandro Alloris Ragionamenti delle regole del disegno, der Carracci-Akademie in Bologna sowie der Praxis des Aktzeichnens, ausgehend von den Werkstattbeständen des venezianischen Künstlers Filippo Esengren.

Gudrun Knaus, Angela Kailus und Regine Stein

LIDO-Handbuch für die Erfassung und Publikation von Metadaten zu kulturellen Objekten
Band 2: Malerei und Skulptur

Deutsches Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte – Bildarchiv Foto Marburg, Christian Bracht (Hrsg.)
LIDO-Handbuch, Band 2

Band 2 des LIDO-Handbuchs widmet sich Objekten der Gattungen Malerei und Skulptur. Es handelt sich dabei um ein Anwendungsprofil des international etablierten Metadatenstandards LIDO (Lightweight Information Describing Objects), das als Anleitung für die schlüssige Strukturierung von Informationen in lokalen Sammlungsmanagement-Systemen dient. Jedes Datenfeld enthält eine Definition, Tipps für die Erfassung, Beispiele sowie Hinweise, die beim Datenexport gemäß des LIDO-XML-Schemas zu beachten sind. Sämtliche Empfehlungen dienen dem Ziel, Daten aus unterschiedlichen Quellen so aufzubereiten, dass möglichst umfassende und präzise Suchergebnisse erzielt und Wege zur weiteren Informationsvernetzung eröffnet werden können.

Christopher Manuel Galler, Jochen Meiners (Hrsg.)

Regionaler Kunsthandel
Eine Herausforderung für die Provenienzforschung?!

Veröffentlichungen des Netzwerks Provenienzforschung in Niedersachsen, Band 3

Der Band versammelt die Beiträge der gleichnamigen Online-Tagung am 1. März 2021, veranstaltet vom Bomann-Museum Celle. Die Quellenlage für die Provenienzforschung zum regionalen Kunsthandel ist oft schwierig, weil Geschäftsunterlagen oder Auktions- und Verkaufskataloge meistens nicht erhalten sind. Daher stand im Zentrum der Tagung die Frage, wie dennoch eine bestmögliche Provenienzforschung gelingen kann. Die einzelnen Beiträge gehen dem anhand von Beispielen aus verschiedenen Museen und Forschungsprojekten in Norddeutschland nach.

Andreas Diener, Marlene Kleiner, Charlotte Lagemann, Christa Syrer (Hrsg.)

Entwerfen und Verwerfen
Planwechsel in Kunst und Architektur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit. Festschrift für Matthias Untermann zum 65. Geburtstag

Matthias Untermann hat sich im Laufe seiner vielseitigen Tätigkeit als Kunsthistoriker, Mittelalterarchäologe und Bauforscher insbesondere um die Erforschung mittelalterlicher Architektur und deren Semantik verdient gemacht. Dabei sind nicht nur die Objekte seiner Forschung häufig von Planwechseln gekennzeichnet, sondern auch seine eigene Karriere: Im Jahr 2000 wechselte Matthias Untermann nach 15 Jahren in der Denkmalpflege an die Universität Heidelberg. Zu seinem 65. Geburtstag ehren ihn Freund:innen, Kolleg:innen und Weggefährt:innen mit der vorliegenden Sammlung von 55 Aufsätzen, die von diesem Planwechsel zeugen und dabei ganz im Zeichen der interdisziplinären Zusammenarbeit stehen.

Julia Drost, Hélène Ivanoff, Denise Vernerey-Laplace (Hrsg.)

Arts et politiques
Le marché de l'art entre France et Allemagne de l'Entre-deux-guerres à la Libération

Passages online, Band 13

Kunst und Politik zwischen Deutschland und Frankreich vom Beginn der Zwischenkriegszeit bis 1945. Eine Serie von sechzehn Fallstudien über die Akteure des Kunstmarkts. Ein zur Zeit noch nie erforschter Blick über Handelsnetzwerke, Künstlerlaufbahnen und -sammlungen, über die transnationalen Verhältnisse zwischen Kunst und Politik.

Qui sont les acteurs du marché de l’art entre la France et l’Allemagne ? Quelle lecture politique peut-on faire de l’histoire des collections ? Alors que le début des années 1920 témoigne, après la rupture de la guerre, d’une reprise dynamique des échanges entre les deux États, ces derniers furent modifiés par l’instauration du nazisme à partir de 1933, puis l’Occupation de la France. À partir d’études de cas concernant des institutions culturelles, des réseaux marchands, ainsi que des parcours et collections d’artistes, les 15 contributions de cet ouvrage se consacrent aux réseaux transnationaux du marché de l’art de l’Entre-deux-guerres aux années suivant la Libération. Elles donnent à voir les enjeux et les implications politiques des transactions commerciales relatives aux œuvres d’art, mettant en lumière la complexité des rapports, encore largement inédits à ce jour, entre arts et politiques.

Florian Dölle

Paris und Versailles in Reisebeschreibungen deutscher Architekten um 1700
Pitzler, Corfey und Sturm

Passages online, Band 14

Die vorliegende Arbeit untersucht die Architekturrezeption in Reisebeschreibungen von drei deutschsprachigen Architekten zu Paris und Versailles um 1700: Christoph Pitzler, Lambert Friedrich Corfey und Leonhard Christoph Sturm. Dafür wurde eine in der kunsthistorischen Quellenanalyse neuartige quantitativ-qualitative Methode angewandt, bei der die Ermittlung der erwähnten Inhalte, das Vorgehen der Architekten bei der Beschreibung und die dafür verwendeten Quellen im Fokus stehen. Die umfangreichen Datenerhebungen und -interpretationen liefern zahlreiche neue Ergebnisse zur Architekturrezeption in den bislang kaum bearbeiteten Frankreichteilen sowie zur Genese der Reiseberichte.

Cette étude examine la réception de l'architecture dans les descriptions de voyage de trois architectes germanophones sur Paris et Versailles autour de 1700 : Christoph Pitzler, Lambert Friedrich Corfey et Leonhard Christoph Sturm. À cette fin, une méthode quantitative-qualitative, nouvelle dans l'analyse des sources de l'histoire de l'art, a été appliquée, qui se concentre sur la détermination des contenus mentionnés, l'approche des architectes à la description et les sources utilisées pour celle-ci. La collecte et l'interprétation approfondies des données fournissent de nombreux résultats nouveaux sur la réception de l'architecture dans les sections françaises qui n'ont guère été abordées jusqu'à présent, ainsi que sur la genèse des carnets de voyage.

Amalia Barboza, Markus Dauss (Hrsg.)

Konzept Campus
Transformationen des universitären Feldes

Die Räume, in denen Forschung und Lehre stattfinden, gelten häufig als Nebensache. Zumeist erfahren sie erst bei einschneidenden Veränderungen Aufmerksamkeit. Dabei wird dann deutlich, dass der Campus stets Raum für ganz unterschiedliche Entwürfe geboten hat.
Die Beiträge dieses Bandes thematisieren historische und gegenwärtige Transformationen des Konzepts Campus. Diskutiert werden markante architektonische Beispiele aus Deutschland, aber auch aus dem angelsächsischen und französischen Kontext. Sichtbar gemacht werden politische Programme, ideologische Aufladungen und kritische Wahrnehmungen von modernen Hochschulräumen. Untersucht wird auch die mediale Dimension des Gebauten. Was vermag die Rolle künstlerischer Forschungen und Interventionen dabei zu sein? Können Sie die dominanten Logiken des Konzepts Campus aufdecken, unterlaufen oder gar brechen und es damit für neue Aneignungen öffnen?

Klaus Bulle, Ellen Euler und Paul Klimpel

Open Access Policy
Ein Leitfaden für Kulturerbe-Einrichtungen in Hessen

Deutsches Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte – Bildarchiv Foto Marburg, Christian Bracht (Hrsg.)

Kultureinrichtungen verfügen über umfangreiche Kulturgüter, die einen universellen und überzeitlichen Wert haben. Die Digitalisierung vereinfacht den Zugang und erweitert und vervielfacht die Nutzbarkeit des von diesen Einrichtungen verwalteten Kulturschatzes. Der offene Zugang wird jedoch häufig durch rechtliche, technische oder finanzielle Beschränkungen stark behindert.
Daher haben sich im Jahr 2021 die wichtigsten Kulturerbe-Einrichtungen des Landes Hessen zu einer gemeinsamen Open Access Policy verpflichtet. Der vorliegende Leitfaden erläutert diese Policy und gibt Mitarbeitenden in Kulturerbe-Einrichtungen – nicht nur in Hessen – praktische Hinweise, wie sie umgesetzt werden kann.

Arnulf von Ulmann

Der Prager Georg im Germanischen Nationalmuseum
Virtuelle 3D-Rekonstruktion – kunsttechnologische Untersuchung – kulturhistorische Einordnung

Seit der Diskussion zum hl. Georg auf dem Kunsthistorikertreffen zur Ausstellung der Kunst der Luxemburger 1979 in Köln hat diese Skulptur keine grundlegende Betrachtung gefunden, durch die die Singularität der Fassung kulturhistorisch und kunsttechnisch hätte eingeordnet werden können. Die Rekonstruktion der Polychromie und die kunsttechnische Untersuchung mündet in eine kulturhistorische Betrachtung, in der, in Verbindung zur Geschichte von Applikationen auf Skulpturen bis 1400, starke Einflüsse aus der Schatzkunst und der norditalienischen Tafelmalerei aufgezeigt werden.

Rami Alafandi

Timeline of Selected Historical Building Facades in Aleppo
Syrian Heritage Archive Project (SHAP) – Aleppo Built Heritage Documentation

Eva Al-Habib Nmeir (Hrsg.)

Diese „Zeitleiste ausgewählter historischer Gebäudefassaden in Aleppo“ zeigt vor allem Außenfassaden mit besonderem Schwerpunkt auf Türen und Fenstern von der Seldschukenzeit bis zur Neuzeit. Die Elemente wurden aus 60 historischen Gebäuden ausgewählt, darunter religiöse Bauten, Geschäfts- und Wohngebäude. Der Schwerpunkt liegt auf der Darstellung einer allgemeinen chronologischen Abfolge. Alle Bilder sind aus den Sammlungen des Syrian Heritage Archive Project (SHAP) ausgewählt. Viele dieser Denkmäler wurden durch den Konflikt in Syrien, dessen Kämpfe in Aleppo von 2012 bis 2016 andauerten, beschädigt oder zerstört; die Wiederaufbauarbeiten sind im Gange. Daher erscheint es besonders wichtig, die Vielfalt und den Detailreichtum des baulichen Erbes von Aleppo in Erinnerung zu rufen und zu dokumentieren, die von den traditionellen, handwerklichen Fertigkeiten und der Kompetenz der Baumeister, Architekten und Handwerker zeugen. Sie tragen maßgeblich zur lokalen Identität Aleppos und seiner Stellung als bedeutende und schöne Stadt bei.

Romina Dümler, Barbara Könches (Hrsg.)

Meeting the Monochrome. ZERO and Dansaekhwa

In den 1950er und 1960er Jahren arbeiten sowohl Künstler*innen in Europa als auch in Asien radikal abstrakt und verknüpften eine Reduzierung von Sujet und Farbpalette mit einer Reflexion über Materialien und Techniken. In Westdeutschland gingen wesentlichen Impulse von der Düsseldorfer Gruppe um Heinz Mack, Otto Piene und Günther Uecker sowie dem internationalen ZERO-Netzwerk aus. In Südkorea waren die sogenannten Dansaekhwa- („monochrome Malerei“) Künstler wie Park Seo-Bo, Ha Chong-Hyun, Lee Ufan und Kwon Young-Woo zentral für die koreanische Moderne.

Der Sammelband eröffnet ein bisher unerschlossenes Forschungsfeld, in dem durch einführende Überblicksdarstellungen sowie dezidierte Analysen von Werken und Ausstellungen, die Kunst von ZERO und Dansaekhwa zum ersten Mal zusammengedacht wird.

Katrin Dolle, Semjon Aron Dreiling (Hrsg.)

Space Oddities
Die homerische Irrfahrt in Bildkünsten und Populärkultur 1800–2021 (Europa – USA – Südamerika)

In der von Mobilität und Migrationsbewegungen geprägten globalisierten heutigen Welt, der Suche nach dem stets Neuen, aber auch nach Spiritualität und Heimat, erfährt die unbestimmte Fahrt des in der homerischen Odyssee zunächst namenlos bleibenden ἀνήρ (Mensch), der als Οὔτις (Niemand) scheitert und reüssiert, als ein zeitloses, für unterschiedliche Bereiche adaptierbares Konstrukt eine neue Hochkonjunktur.

Der vorliegende Band liefert einen weitreichenden Überblick über die Rezeption des Sujets in den Bildenden Künsten und der Populärkultur aus verschiedenen kulturellen Kontexten von Europa bis Nord- und Südamerika und möchte zu weiterer interdisziplinärer und transmedialer Forschung anregen.

Stefania Girometti

In Italien Karriere machen
Der flämische Maler Michele Desubleo zwischen Rom, Bologna und Venedig (ca. 1624-1664)

Der flämische Maler Michele Desubleo (* 1601, Maubeuge; † 1676, Parma) machte in Italien Karriere. In Rom, Bologna und Venedig knüpfte er Kontakte zu einigen der renommiertesten Maler sowie Kunstsammler seiner Zeit und sicherte sich ehrenvolle Aufträge. Er stellt damit einen besonderen Fall eines immigrierten Malers („immigrant painter“) dar. Die künstlerische Anerkennung zu seinen Lebzeiten verhinderte jedoch nicht, dass Desubleos Name nach seinem Tod aus der kunsthistorischen Literatur rasch verschwand.

Diese Monografie erforscht zum ersten Mal die komplexen Mechanismen, die zu Erfolg und Vergessen eines ausländischen Malers im Italien des 17. Jahrhunderts führten. Die Studie enthüllt das facettenreiche Bild eines begabten Künstlers und verfolgt seinen ungewöhnlichen Aufstieg fernab der offiziellen Karrierewege.

Laura Puritani, Martin Maischberger, Birgit Sporleder (Hrsg.)

Konstantinopel – Samos – Berlin
Verpfändung, Fundteilung und heimliche Ausfuhr von Antiken am Vorabend des Ersten Weltkrieges

Schriften zur Geschichte der Berliner Museen, Band 7

Die Jahre vor dem Ersten Weltkrieg waren im östlichen Mittelmeerraum von politischen Umwälzungen und Unsicherheiten geprägt. 1910–1914 fand die Grabung der Königlichen Museen zu Berlin auf der Insel Samos statt. Zahlreiche Funde aus der Grabung gelangten nach Berlin, nur ein Teil davon auf dem Wege der offiziellen Fundteilung. 1913–1914 verhandelte Deutschland außerdem mit der Hohen Pforte über die Verpfändung von Antiken des Archäologischen Museums von Konstantinopel/Istanbul, mit dem Ziel der dauerhaften Inbesitznahme seitens der Berliner Museen. Die hier versammelten Beiträge beleuchten die intensive Verstrickung zwischen Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur in der Spätphase des Deutschen Kaiserreichs.

Tina Öcal

Gefälschte Zeit
Das Phänomen der Fälschung (in) der Kunstgeschichte seit dem Florentiner Ottocento

Bisher wurden Kunstfälschungen lediglich als ein Schatten der Kunstgeschichte wahrgenommen. Tatsächlich sind sie jedoch nicht nur vielschichtig mit dieser verwoben, sondern auch ein Teil des (globalen) Kulturtransfers. Die Fälschungen Giovanni Bastianinis und Wolfgang Beltracchis etwa entstehen vor dem Hintergrund einer sich wandelnden europäischen Kunstgeschichte von ihrer Entwicklung als wissenschaftliche Disziplin im 19. Jahrhundert und einem nationalen Kunstbegriff bis zu ihrer Erosion im 21. Jahrhundert durch einen verstärkt globalisierten Kunstbegriff. Im Rahmen dieser Geschichte der Kunstgeschichte werden Fälschungen sowohl als Teil der Rezeptionsgeschichte eines Kunstwerkes als auch in ihrer Wechselwirkung mit der Kunstgeschichte analysiert.

Malena Rotter

Unsichtbares sichtbar machen
Strategien zur Darstellung des überirdischen Raumes in der italienischen Malerei im 14. und 15. Jahrhundert

Der göttliche Himmel ist ein komplizierter, wenngleich allgegenwärtiger Bildgegenstand, dessen theologisch begründete ‚Nicht-Darstellbarkeit‘ besondere Ansprüche an die Visualisierung stellt. Obwohl keiner der Maler seinen Bildgegenstand kannte, lassen sich wiederkehrende Prinzipien erkennen, mit denen Lösungsansätze für die Problematik der Darstellung des ‚Unschaubaren‘ formuliert wurden und dem Betrachter so das Jenseits nähergebracht werden konnte. Aus der Analyse heraus abstrahierte Bildmodi ermöglichen eine systematische Erfassung der Himmelsbilder. Hierbei stehen sich traditionelle Gestaltungen und Neuinventionen gegenüber, die es in diesem Rahmen zu bewerten und zu kontextualisieren gilt.

Michael Hofbauer

Corpus Cranach
Lucas Cranach I und Lucas Cranach II Verzeichnis der Gemälde unter Berücksichtigung von Werkstattumfeld und Epigonen

Seit 2006 sammelt der Autor systematisch Abbildungen von Werken sowie digitale Daten zu Lucas Cranach und seinem Umfeld. Im Januar 2010 wurde innerhalb der Datenbank cranach.net eine Übersicht der Tafelwerke veröffentlicht, die zum Zeitpunkt der Katalogveröffentlichung etwa 3060 Werke umfasste. Sämtliche Einzelwerke werden in Dossiers mit ständig wachsendem Datenvolumen unter Berücksichtigung des wissenschaftlichen Diskurses ausführlich dokumentiert. Mit über 11000 Gemäldeabbildungen, 6100 Dokumenten, 21000 Dateien und 3000 erfassten Publikationen stehen der Wissenschaft bislang nicht gekannte Möglichkeiten zur Verfügung. Die Datenbankstruktur bildet als Werkzeug digitaler Kunstgeschichte die Voraussetzung für einen sich beschleunigenden Erkenntnisgewinn.
CORPUS CRANACH zeigt eine Übersicht aller Werke, die zur Identifizierung mit persistenten Werknummern versehen und motivisch katalogisiert sind. Damit wird es erstmals möglich, das Oeuvre der Cranach-Werkstätten und ihrer Epigonen systematisch auszuwerten.

Ulrich Pfisterer

»Wie man Skulpturen aufnehmen soll«
Der Beitrag der Antiquare im 16. und 17. Jahrhundert

FONTES – Text- und Bildquellen zur Kunstgeschichte 1350-1750, Band 93

Seit den Jahren um 1500 gibt es druckgraphische Reproduktionen von antiken Statuen und anderen Monumenten des Altertums. Nachdem lange Zeit vor allem untersucht wurde, welche Werke diese Graphiken darstellen, richtet sich das Interesse nun zunehmend darauf, wie sie dies tun.
Dieser Beitrag untersucht, wann und in welchen Zusammenhängen im 16. und 17. Jahrhundert begonnen wurde, antiken Werke systematisch aus mehreren Ansichten wiedergegeben. Dabei lieferte die antiquarische, nicht allein die künstlerische Beschäftigung mit antiken Skulpturen einen entscheidenden Beitrag zu ‚Vielansichtigkeit‘ und 'dokumentierendem Darstellungsmodus'. Gerade auch ungewöhnliche antike Werke etwa aus Ägypten oder aber nicht-europäische Götterfiguren und ‚Idole‘ erforderten innovative Abbildungen aus mehreren Blickwinkeln.
Erst im 19. Jahrhundert sollte dann mit neuen Reproduktionsformen von Skulptur experimentiert und deren Einsatz diskutiert werden - bis hin zu den auf die Fotografie ausgerichteten Überlegungen Heinrich Wölfflins, "wie man Skulpturen aufnehmen soll".

Sarah Fraser, Mio Wakita, Lianming Wang (Hrsg.)

Women Cross Media
East Asian Photography, Prints, and Porcelain from the Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Der vorliegende Band befasst sich mit bisher kaum erforschten künstlerisch-ästhetischen Phänomenen der ostasiatischen Kunst: den medienübergreifenden Wechselbeziehungen zwischen Bildern auf Porzellan, in der Malerei sowie bei Holzschnittillustrationen und Souvenirphotographie aus China und Japan im Zeitraum vom 18. bis zum frühen 20. Jahrhundert. Anhand der Objekte aus den drei Sammlungen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden werden vielfältige Aspekte dieses transmedialen Bilderflusses sowohl aus der Perspektive des Konzepts der Femininität als auch unter dem Gesichtspunkt ihrer transkulturellen Tragweite auf den Rezeptionsprozess untersucht.