Alexandra Pesch

Die Kraft der Tiere
Völkerwanderungszeitliche Goldhalskragen und die Grundsätze germanischer Kunst

Kataloge Vor- und Frühgeschichtlicher Altertümer, Band 47

Winzige goldene Tierfiguren, Mischwesen, menschliche und göttliche Gestalten: Um 450 n. Chr. kursierte in Nordeuropa eine ausgefeilte Bildersprache. Die Dechiffrierung dieses Codes gestattet tiefe Einblicke in eine vielfach rätselhafte Vergangenheit.
Als exquisite Schmuckstücke von höchster Qualität bilden die drei schwedischen Goldhalskragen in technischer und ikonographischer Hinsicht die Spitzenprodukte ihrer Zeit. Obwohl sie schon im 19. Jahrhundert gefunden worden sind und seitdem Forscher wie Laien gleichermaßen fasziniert haben, ist dies die erste große wissenschaftliche Monographie mit herausragendem Abbildungsmaterial über diese »Reichskleinodien«. Das Augenmerk liegt auf Fragen zu ihrer Herstellung, ihren Trägern und ihrem Zweck. Vor allem aber wird die Bedeutung der vielen Hundert figürlichen Miniaturen erläutert und damit der Zugang zu den Vorstellungswelten der Germanen in vorchristlicher Zeit erschlossen.

Sebastian Olschok

Der »Wirtschaftskomplex« im Deir Anba Hadra (Assuan / Ägypten)
Lebensmittelverarbeitung in einem oberägyptischen Kloster

Byzanz zwischen Orient und Okzident, Band 26

Das koptische Kloster Deir Anba Hadra liegt gegenüber der südägyptischen Stadt Assuan am Westufer des Nils. Dieses größte und am besten erhaltene Kloster der Region wird seit 2013 durch ein interdisziplinäres Projekt im Rahmen einer DAI-Konzession erforscht. Der »Wirtschaftskomplex« auf der Oberen Terrasse wurde im Rahmen dieses Projektes bauhistorisch und archäologisch untersucht. In der Auswertung wurden 16 Bau­phasen erkannt, die mit verschiedenen Funktionen in Verbin­dung gebracht werden können, und es ist möglich, diesen Gebäudekomplex als Standort für Lebensmittelproduktion zu identifizieren. Hier wurden Brot, Rizinusöl, Wein und Garum hergestellt.
Durch die bauhistorischen Untersuchungen wurde festgestellt, dass der Kern des Komplexes ursprünglich als Oratorium für die Stundengebete der Mönche errichtet wurde. Durch den Anbau meh­rerer Funktionsräume wurde er nach dem 6./7. Jahrhundert großflächig umgestaltet. Durch diese Umgestaltung konnte eine Bäckerei eingerichtet werden, deren Kapazitäten nach und nach erweitert wurden. Mit der Errichtung eines Kollerganges konnte im nördlichen Teil des Gebäudekomplexes Rizinusöl hergestellt werden. Weiter nördlich wurde eine Weinkelter angesetzt; zwei Tanks in der direkten Umgebung der Kelter dienten wahrscheinlich der Her­stellung von Garum. Neben dem bewussten Abbau einzelner Mauern belegen Feuerstellen und Futtertröge eine Verwendung ver­schiedener Bereiche auch nach dem Ende der Nutzung des Deir Anba Hadra als Kloster.
Die im Deir Anba Hadra identifizierten Produktionsanla­gen wurden mit Installationen im (spät-)antiken Mittelmeer­raum verglichen. Durch diese Gegenüberstellungen können nicht nur technische Details erklärt werden, sondern vielmehr auch Produktionsprozesse.

Jochen Sauer (Hrsg.)

Antike Konzepte neu denken bei Augustinus
Transformationen klassischer Texte in De civitate Dei und weiteren Werken

Acta Didactica – Bielefelder Beiträge zur Didaktik der Alten Sprachen in Schule und Universität, Band 5

Augustinus’ Schriften lassen sich schwer verstehen, ohne die Texte, Konzepte und Modelle seiner Vorgänger zu kennen. Dies gilt besonders für De civitate Dei. Die Autoren dieses Bandes richten den Blick vornehmlich auf die paganen Autoren Cicero, Ovid, Livius und Seneca und nehmen exemplarisch fünf Konzepte und Theorien in den Blick: die stoische Emotionslehre, die römische Staatstheorie, Geschichtskonzepte, römische Exempla-Ethik und antikes Freundschaftsdenken. Neben fachwissenschaftlichen Zugängen bietet der Band auch didaktisches Material für den Einsatz in der gymnasialen Oberstufe. Der Band richtet sich gleichermaßen an Lehrende und Studierende aus Universität und Schule.

Julian Hollaender

Der fließende Gott
Bilder von Flüssen und ihren Göttern in der römischen Kaiserzeit

Im Zentrum der Untersuchung stehen Fragen zu den Aspekten der ästhetisch-semantischen Konzeption, Ikonographie, Narratologie und bildlichen Darstellung kaiserzeitlicher Flussgottbilder. Die bildwissenschaftliche Analyse ermöglicht so Identifikationsebenen, Handlungsräume und Rollen von Flussgottbildern in antiken Bildmedien zu erkennen und auf diese Weise das Desiderat einer ganzheitlichen, kontextuellen Betrachtung von Flussgottdarstellungen zu füllen.
In den Fallstudien liegt das Augenmerk besonders auf der Ausarbeitung unterschiedlicher Möglichkeiten der Einbindung von Flussgöttern in narrative Szenen. Die Breite der Einsatzmöglichkeiten von Natur- und Ortsgottheiten in Bildkontexten spiegelt so auch die beobachtete Vielzahl der Assoziations- und Rezeptionsmöglichkeiten wieder.

Andrew W. Kandel, Miriam N. Haidle, Christian Sommer (Hrsg.)

Human Origins – Digital Future
An International Conference about the Future of Archaeological and Paleoanthropological Databases

Dieses eBook enthält die Ergebnisse der Online-Konferenz "Human Origins - Digital Future", die vom 27. bis 31. Juli 2020 stattfand. Hauptziel der Konferenz war es, integrative Aspekte und Ansätze für die Entwicklung, Nutzung und Sicherung großer wissenschaftlicher Datenbanken in der Zukunft zu erörtern, insbesondere im Kontext der archäologischen und paläoanthropologischen Forschung. Im Mittelpunkt der Konferenz stand die Frage, wie Datenbanken mit neuartigen Informationstechnologien genutzt werden können, um durch die Verknüpfung, Abfrage und Analyse archäologischer, paläoanthropologischer, paläobiologischer und geographischer Informationen neue Erkenntnisse zu gewinnen. Neben grundlegenden Fragen der Digitalisierung und von Open Science wurden auf der Konferenz auch Ansätze mit innovativen Methoden untersucht. Angesichts des digitalen Charakters der Konferenz haben wir das Format dieser Publikation so gestaltet, dass Multimedia und interaktive Funktionen zum Einsatz kommen. Daher enthält dieser Band die Zusammenfassungen der Vorträge mit jeweils einem Link, über den die Lesenden das auf der Konferenz präsentierte Video ansehen können. Darüber hinaus schließt der Band mit einer Diskussion am runden Tisch, die über Links zu Interviews über ausgewählte Themen im Zusammenhang mit der Zukunft von Datenbanken zugänglich ist.

Staatliche Schlösser und Gärten Hessen, Claus Kropp, Lena Zoll (Hrsg.)

Draft Animals in the Past, Present and Future

Jahrtausende lang spielten Zugtiere eine Schlüsselrolle für das Fortbestehen vieler Kulturen. Auch heute noch sichern sie den Lebensunterhalt von Millionen von Menschen weltweit. Ob im Transportwesen, in der Land- oder Forstwirtschaft: Zugtiere können nachhaltige, umweltfreundliche und wirtschaftlich wertvolle Formen der Landnutzung bieten. Dennoch gibt es viele Herausforderungen, sei es der Druck gewinnorientierter Märkte oder der Politik, im Bereich des Tierwohls, der Zucht und der Nutztierhaltung. Außerdem ist die Gesamtzahl der Zugtiere rückläufig. 2021 hat sich eine internationale, digitale Konferenz mit diesen Herausforderungen befasst. Teilnehmende aus der ganzen Welt diskutierten über die Geschichte, den Erhalt, die Ausbildung und die Zukunft von Zugtieren. Der Tagungsband stellt ein umfassendes Ergebnis dieser Bemühungen dar.

Celia Krause

Vox ex imagine
Formen des Zusammenwirkens von Bild und ›sprechender‹ Beischrift in der antiken Flächenkunst

Als ‚Beischriften‘ werden alle schriftlichen Zusätze bezeichnet, die in Zusammenhang mit Bildern stehen. In der antiken Kunst fallen vor allem Benennungen aller Art darunter. ‚Sprechende‘ Beischriften sind ein Sonderfall, denn sie bieten Einblick in die Welt des Akustischen und bereichern die figürlichen Darstellungen um die material fassbare Dimension der gesprochenen Sprache. Die Zusätze verlebendigen die Bilder nicht nur, sondern schreiben ihnen auch neue Inhalte zu, welche ohne Beschriftung nicht in derselben Weise hätten vermittelt werden können.
Dieses Buch beschreibt das Phänomen der ‚sprechenden‘ Beischriften erstmals exklusiv und ausführlich und nimmt dabei unterschiedliche Blickwinkel ein. Viele konkrete Fallbeispiele veranschaulichen, wie Bild und Text speziell auf Mosaiken und Wandbildern zusammenwirken können. Es gelingt, z. T. auch mit Hilfe von Parallelen in der Keramik, die praktischen Aufgaben der Stimmen in den Bildern herauszuarbeiten.

Ergänzende Materialien finden Sie unter nachstehendem Open Data-Link: https://doi.org/10.11588/data/0QQVJK

Norbert Zimmermann, Thomas Fröhlich (Hrsg.)

The Economy of Death: New Research on Collective Burial Spaces in Rome from the Late Republic to the Late Roman Time
Panel 7.2

Archaeology and Economy in the Ancient World – Proceedings of the 19th International Congress of Classical Archaeology, Cologne/Bonn 2018, Band 38

Die Beiträge dieses Bandes diskutieren wirtschaftliche Aspekte römischer Grabanlagen, die für eine größere Anzahl von Bestattungen ausgelegt sind, also etwa Kolumbarien, große Hypogäen oder Katakomben. Zugleich wird nach den Besitzern und Nutzern gefragt. Es wird untersucht, inwieweit wirtschaftliche Gründe bei der Erfindung, der Entwicklung und der Nutzung der großen Grabmonumente in Rom eine Rolle spielten und wie diese Bauten die religiösen und sozialen Bedürfnisse ihrer Auftraggeber bzw. der Bestatteten erfüllten, insbesondere in der Zeit des Übergangs von der römischen zur frühchristlichen Zeit. Jüngste Detailstudien zu den römischen Grabbauten lassen interessante Spuren des dynamischen Prozesses der Vorbereitung und Nutzung des Grabraumes dokumentieren, und speziell bei größeren Grabanlagen für weit mehr als eine einzige Familie ist der wirtschaftliche Aspekt von Besitz und Nutzung vielversprechend. Wer plante ein Bauvorhaben, wie und warum wurden ein bestimmter Ort und eine spezifische Architektur gewählt? Wie und wo im ursprünglichen Grabbau sah der Eigentümer für sich und seine Familie den eigenen Bestattungsplatz vor, und wo und auf welche Art und Weise wurden weitere Gräber verkauft oder sogar verschenkt? In den letzten Jahrzehnten mussten sich eine Reihe allgemeiner Studien zu römischen Bestattungen und Bestattungsbräuchen notwendigerweise auf ältere Dokumentationen stützen, während neue und detailliertere Analysen einzelner Monumente oft neue Erkenntnisse liefern und neue Interpretationen nahelegen.

Walter Berschin, Dieter Geuenich, Heiko Steuer (Hrsg.)

Mission und Christianisierung am Hoch- und Oberrhein (6. - 8. Jahrhundert)

Archäologie und Geschichte – Freiburger Forschungen zum ersten Jahrtausend in Südwestdeutschland, Band 10

Mit der Konversion des Frankenkönigs Chlodwig, der nach dem Bericht des Geschichtsschreibers Gregor von Tours in einer Schlacht gegen die Alemannen 496/97 seine Bekehrung zum christlich-katholischen Glauben gelobte, begann die Christianisierung der germanischen Völker Westeuropas. Dieses Ereignis von »weltgeschichtlicher Bedeutung« wurde 1996/97, 1500 Jahre nach der legendären Alemannenschlacht, in zahlreichen Veranstaltungen, Ausstellungen und Publikationen in Erinnerung gerufen und gewürdigt. In Bad Säckingen trafen sich im März 1997 auf Einladung der Stadt Historiker, Theologen und Archäologen zu einem Wissenschaftlichen Kolloquium, um die - wohl erst Jahrzehnte nach der Taufe Chlodwigs einsetzende – Missionierung und Christianisierung der Alemannen in den Blick zu nehmen. Die Konzentration auf den Raum zwischen Hoch- und Oberrhein und der interdisziplinäre Dialog führten zu neuen Erkenntnissen und Ergebnissen, die mit diesem Band vorgelegt werden.

Markus C. Blaich

Werla 4: Curtem nostram nomine Werla – Architektur und Struktur einer ottonischen Königspfalz

Monographien des RGZM, Band 138

Die Gesamtanalyse Werlas verknüpft die Auswertung der Altgrabungen von 1934-1939 und 1957-1964 mit gezielten Nachgrabungen und minimal-invasiven Sondagen.
Werlas gestaffelte Befestigungsanlagen sind Kennzeichen militärischer Stärke, und durch ihre monumentale Architektur wird königliche Macht in Szene gesetzt. In den Vorburgen dominieren einfache, der handwerklichen Produktion dienende Grubenhäuser und Speicherbauten, die Werla als Wirtschaftszentrum im Sinne der Elitenökonomik ausweisen.
Die Analyse der Kleinfunde bietet eine andere Perspektive als die Architektur. Sie ermöglicht Aussagen zu Gründungszeit, Blütephase und Aufgabe der Pfalz. Zudem lassen sich berittene, hochrangige Besucher der Königspfalz und ihr engeres Gefolge und sogar die selten anwesende königliche Hofhaltung erkennen.
Im mittleren 11. Jahrhundert wurde Werla aufgegeben, ihre Pfalzfunktionen sind nach Goslar übertragen worden. In einer überregionalen Betrachtung kann dies mit dem ökonomischen und politischen Strukturwandel in Zusammenhang gebracht werden, den der ostsächsische Raum erfuhr, als das Königtum von den Ottonen auf die Salier überging.
Als ein herausragendes Beispiel für die ottonische Herrschaftsarchitektur und mit seiner Einbindung in das weitere Umland und dessen Strukturierung als eigener Reichsbezirk steht Werla zugleich für die veränderte Rolle, die der Harz im politischen Konzept des 10. und 11. Jahrhunderts spielte.

Ergänzende Materialien finden Sie unter nachstehendem Open Data-Link: https://doi.org/10.11588/data/SZSS58

Raimon Graells i Fabregat (Hrsg.)

La colección de objetos protohistóricos de la Península Ibérica. 2
Armas y elementos para el gobierno del caballo

Kataloge Vor- und Frühgeschichtlicher Altertümer, Band 49.2

Die Sammlung von Fundmaterial der Iberischen Halbinsel im RGZM besteht aus ca. 150 Objekten, die in zwei Komplexen mit besonderen Merkmalen und Problemen unterteilt sind: der Kleidungsschmuck (2018 im ersten Band dieses Katalogs veröffentlicht, Kat. 49, 1) und die Waffen, die Gegenstand dieses Bandes sind.
Dieser zweite Band präsentiert die Waffen und Pferdegeschirre, eine umfassende Analyse der Ensembles, zu denen sie gehörten, und – nicht minder wichtig – die zahlreichen Ensembles und Kriegerausrüstung, die dem RGZM im Laufe des 20. Jahrhunderts zum Erwerb angeboten wurden, aber nicht in seine Sammlung gelangten.
Wir haben einen Teil der im ersten Band angewandten Methodik wiederholt, die darin bestand, die Materialien nach Kategorien und Typen zu untersuchen und mit 3D-Nachbildungen zu bereichern, um die Klarheit der Darstellung zu verbessern und die Diskussion der untersuchten komplexen Ausarbeitungen verständlicher zu machen. Im Unterschied zur Dokumentation der Verzierungen werden hier viele der Waffen als Teil von Fundkomplexen verzeichnet, die sicher aus Bestattungen stammen. Diese Informationen wurden nicht unterschätzt, haben aber nicht den ursprünglichen Ansatz der Studie bestimmt. Wir haben uns die Mühe gemacht, jedes einzelne Stück intensiv zu untersuchen und zu vergleichen. Im Anschluss daran haben wir in einem letzten Kapitel die Kohärenz der einzelnen vorgeschlagenen Fundgruppen bewertet. Auf diese Weise sind wir dem Ziel nähergekommen, Forschung und Lehre mit der Wiederherstellung des kulturellen Erbes und der Kenntnis von Abläufen und Auswirkungen des Antiquitätenhandels zu verbinden.
Das Projekt zur Erforschung der hispanischen Sammlung des RGZM, das 2012 in Mainz auf Initiative der Institutsleitung begonnen wurde, endet nun zehn Jahre später mit der Veröffentlichung aller Metallobjekte und festigt, wenn möglich, das Interesse und die internationale Reichweite dieser Art von Projekten. Kurzum, ein fruchtbares Ende der Forschungszusammenarbeit zwischen dem RGZM und der Universität Alicante.

Noé David Michael

Settlement Patterns in the Northern Negev from the Hellenistic through the Early Islamic Periods

Diese Forschungsarbeit befasst sich mit der langjährigen Siedlungsgeschichte der nördlichen Negev, am Rande des Römischen Reiches gelegen. Beginnend bereits vor der Zeit des Römischen Reiches in der hellenistischen Periode, führt die Arbeit weiter zur Zeit der höchsten Besiedlung während der byzantinischen Periode bis hin zum Bevölkerungsrückgang am Ende des ersten Jahrtausends n. Chr. Die ökologischen Einschränkungen der Halbwüstenregion werden ebenso untersucht wie Fragen der geografischen Variabilität und des Klimawandels. Das Buch stützt sich auf das große Potenzial von Geoinformationssystemen, um die zahlreichen Prospektionen in der Region zu synthetisieren, chronologisch kalibriert mittels Referenzierung auf Ausgrabungen mit größerer chronologischer Auflösung.

Mechthild Schulze-Dörrlamm (Hrsg.)

Byzantinische Goldschmiedearbeiten im Römisch-Germanischen Zentralmuseum

Kataloge Vor- und Frühgeschichtlicher Altertümer, Band 42

Das Römisch-Germanische Zentralmuseum in Mainz besitzt eine Sammlung byzantinischer Goldschmiedearbeiten, die bisher nur zu einem kleinen Teil publiziert wurde und deshalb weithin unbekannt ist. Da diese Kollektion von Schmuckstücken und Rangabzeichen neben Einzelfunden auch bemerkenswerte Ensembles und zudem einige Kopien von wertvollen, leider zerstörten Originalen enthält, wird sie nun erstmals einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Objekte sind in 49 Katalognummern erfasst. Sie stammen überwiegend aus den Kerngebieten des Byzantinischen Reiches, vereinzelt aber auch aus Regionen jenseits seiner Grenzen und überdies aus einem langen Zeitraum, der sich vom späten 5. bis zum 14./15. Jahrhundert erstreckt.
Besonders hervorzuheben sind zwei Schatzfunde, darunter sogar ein münzdatierter aus Kleinasien oder dem syro-palästinensischen Raum, mehrere Kettengehänge aus kunstvoll durchbrochenen Goldmedaillons, ein ebenfalls mit feinstem opus interrasile und zudem mit wertvollsten Edelsteinen verzierter Goldarmring aus Syrien, der einzige erhaltene Zierstreifen einer Frauenkronhaube, der reich ziselierte Taschendeckel eines Mannes von mutmaßlich königlichem Rang sowie ein Ensemble römischer Glasgefäße, die wohl in Konstantinopel im 8./9. Jahrhundert mit ziselierten Goldfolien beklebt worden sind und Antiquitäten aus dem dortigen Kaiserpalast sein könnten.
Außer einem Kurzkatalog mit knappen Angaben zu jedem Sammlungsobjekt enthält das Buch eine antiquarische Würdigung dieser Goldschmiedearbeiten und die numismatische Bearbeitung des münzdatierten Schatzfundes. Darüber hinaus findet man eine detaillierte Beschreibung aller angewandten Goldschmiedetechniken, die zwei erfahrene Goldschmiedinnen und Restauratorinnen in den Werkstätten des RGZM untersucht haben. Insgesamt ist der Katalog mit neuen Meisterfotos aller Preziosen und zahllosen Detailaufnahmen sowie mit Zeichnungen sehr viel reicher bebildert als vergleichbare Publikationen.

Frank Moseler

Brandstrukturen im späten Magdalénien
Betrieb, Nutzung und Funktion

Monographien des RGZM, Band 151

Die Nutzung des Feuers war einer der entscheidenden Meilensteine in der Evolution des Menschen und seines Verhaltens. Im Laufe der Jahrhunderttausende gewann das Element Feuer immer mehr an Bedeutung. Bis heute kommt ihm eine zentrale Rolle im Leben der Menschen zu – eine Rolle, die weit über die handwerkliche und kulinarische Nutzung hinausgeht: Das Feuer wurde immer mehr zum Mittelpunkt des sozialen Lebens und bildet letztendlich die Grundlage unserer Zivilisation.
Die vielschichtige Auswertung paläolithischer Brandstrukturen und ihrer näheren Umgebung liefert wichtige Beiträge zum Verständnis des räumlichen und sozialen Verhaltens der Jäger und Sammler-Gruppen, nicht zuletzt im Kontext der Entstehung überregionaler Regelwerke, die insbesondere im späten Jungpaläolithikum archäologisch greifbar werden.
Eine vergleichende, diachrone Auswertung von Brandstrukturen bedarf eines standardisierten und allgemein anwendbaren Methodenapparates. Mit der vorliegenden Arbeit wurde ein Ausgangspunkt geschaffen, basierend auf den teils hervorragend konservierten Feuerstellenbefunden aus dem späten Magdalénien. Auf dieser Grundlage konnte ein umfangreicher Methodenapparat entwickelt und gleichzeitig auf seine Anwendbarkeit und Aussagekraft hin überprüft werden. So entstand ein detailliertes Bild zur Nutzung und zur Bedeutung des Feuers nach dem Höhepunkt der letzten Kaltzeit.

Alfons Zettler, Thomas Zotz (Hrsg.)

Die Burgen im mittelalterlichen Breisgau
I. Nördlicher Teil. Halbband A-K

Archäologie und Geschichte – Freiburger Forschungen zum ersten Jahrtausend in Südwestdeutschland, Band 14

Von den einst zahlreichen mittelalterlichen Burgen im Markgräflerland und im Breisgau überdauerten nur wenige die bewegten und kriegerischen Jahrhunderte der frühen Neuzeit am Oberrhein. Einem kleinen Bestand von mehr oder minder gut erhaltenen Ruinen steht eine beträchtliche Anzahl von verschwundenen Burgen gegenüber, von denen nur noch schriftliche Aufzeichnungen und Flurnamen Zeugnis geben. Das Burgenbuch, das in der Abteilung Landesgeschichte im Historischen Seminar der Universität Freiburg i. Br. erarbeitet worden ist, enthält einen reich illustrierten Katalog sämtlicher Burgen und Burgstellen des Breisgaus in dessen mittelalterlicher Erstreckung und bietet damit erstmals eine vollständige Bestandsaufnahme der dortigen hoch- und spätmittelalterlichen Burgenlandschaft. Es wird in vier Teilbänden erscheinen, die ersten beiden Teile umfassen den nördlichen Breisgau, zwei weitere sind für den südlichen Breisgau vorgesehen.

Tommaso Spinelli

The Diachronic Frequency of Latin Words: A Computational Dictionary
(A/AB–AZYMVS)

Digital Classics Books, Band 6.1

The Diachronic Frequency of Latin Words ist eine neue Form eines Nachschlagewerkes, in dem statistische Informationen über die chronologische Entwicklung der Verwendung lateinischer Wörter in der Geschichte der Sprache vom vierten Jahrhundert v. Chr. bis zum frühen sechsten Jahrhundert n. Chr. geliefert werden. Als Grundlage dient die computergestützte Analyse der Werke von 309 lateinischen Autoren, fragmentarischen und anonymen Texten und über 520.000 Inschriften. So ist das Nachschlagewerk eine Unterstützung für Wissenschaftler:innen, den Gebrauch lateinischer Wörter in verschiedenen Zeiträumen und Sprachebenen zu untersuchen. Zusätzlich bietet es statistische Erkenntnisse zur Unterstützung philologischer, linguistischer und literarischer Analysen.

Béla Miklós Szőke

Die Karolingerzeit in Pannonien

Monographien des RGZM, Band 145

Der vorliegende Band geht detailliert auf eine bisher überhaupt nicht oder nur kaum bekannte Periode des Karpatenbeckens ein: die östliche Expansion des Karolingerreiches – jene knapp 100 Jahre, die zwischen dem Untergang des Awarenkhaganats und der Entstehung des ungarischen Fürstentums liegen.
Pannonia, die neue östliche Provinz des Karolingerreiches, umfasste den Großteil Transdanubiens und des Save-Drau-Zwischenstromlandes, wo sich ab der Mitte des 9. Jahrhunderts kleinere Grafschaften etablierten. Die bekannteste unter ihnen war die Grafschaft in Unterpannonien mit dem Zentrum Mosaburg, das Priwina und sein Sohn Chezil ab den 840er Jahren in Zalavár-Vársziget (Burginsel) ausbauten. In Unterpannonien, das zum Missionssprengel des Salzburger Erzbistums gehörte, wurden zwischen 840 und 870 bis zu 30 Kirchen errichtet, von denen heute bereits fünf als archäologisch identifiziert gelten. Konstantin (Kyrill) und sein Bruder, der zum Erzbischof Pannoniens ernannte Method, waren kurz in Mosaburg tätig. Ende der 880er Jahre stand hier eine Königspfalz Arnolfs von Kärnten, des ostfränkischen Königs. Er überließ Mosaburg 896 Herzog Braslav, der die Siedlung mit einer starken Wallkonstruktion umgab.
Den seit über 70 Jahren fortwährenden Ausgrabungen ist zu verdanken, dass wir heute über ein zuverlässiges Bild der Siedlungsgeschichte, der Bau- und Kunstdenkmäler, der gesellschaftlichen Hierarchie, der ethnischen Zusammensetzung und der kulturellen Verbindungen der Mosaburger Grafschaft verfügen.

Raimon Graells, Alberto J. Lorrio und Fernando Quesada

Cascos hispano-calcídicos
Símbolo de las elites guerreras celtibéricas

Kataloge Vor- und Frühgeschichtlicher Altertümer, Band 46

Der hispano-chalkidische Helm ist ein autochthon spanischer Typus des 4. bis 2. Jhs. v. Chr., hauptsächlich verbreitet im celtiberischen Gebiet. Die spanischsprachige Publikation untersucht die morphologischen und dekorativen Charakteristiken, um sich Produktion und Bedeutung dieser Waffen anzunähern: als Schutzelemente sowie gleichzeitig als Vehikel verschiedener Botschaften der Macht, des militärischen Ranges oder von Einflüssen durch Handelsaktivitäten mit dem Süden Italiens.

Markus Scholz

Grabbauten in den nördlichen Grenzprovinzen des Römischen Reiches zwischen Britannien und dem Schwarzen Meer, 1.-3. Jahrhundert n. Chr.

Monographien des RGZM, Band 103.2

Grabbauten dienten nicht nur dem Gedächtnis an eine Person, sondern auch der Familienrepräsentation. Die Übernahme bzw. Transformation römischer Statussymbole durch Einheimische in den Provinzen ist daher ein Gradmesser der Romanisierung. Die Adaption mediterraner Formen kann ein Bruch mit indigenen Traditionen bedeuten oder – im Gegenteil – in bestimmter Auswahl ein Instrument sein, um traditionelle Werte und Muster in einem zeitgemäßen Präsentationsrahmen zu kommunizieren.
Die Studie zeigt auf, woher die Vorbilder stammten, welche gesellschaftlichen Gruppen sie vermittelten und welche sie aufgriffen und sogar weiterentwickelten. Denkmal­topo­graphie und Architekturtypen werden dabei ebenso berücksichtigt wie die durch sie zur Wirkung gebrachten Medien Grabinschrift bzw. Skulptur. Hierbei zeigen sich aufschlussreiche Unterschiede zwischen den Rhein- und Donauprovinzen.

Markus Scholz

Grabbauten in den nördlichen Grenzprovinzen des Römischen Reiches zwischen Britannien und dem Schwarzen Meer, 1.-3. Jahrhundert n. Chr.

Monographien des RGZM, Band 103.1

Grabbauten dienten nicht nur dem Gedächtnis an eine Person, sondern auch der Familienrepräsentation. Die Übernahme bzw. Transformation römischer Statussymbole durch Einheimische in den Provinzen ist daher ein Gradmesser der Romanisierung. Die Adaption mediterraner Formen kann ein Bruch mit indigenen Traditionen bedeuten oder – im Gegenteil – in bestimmter Auswahl ein Instrument sein, um traditionelle Werte und Muster in einem zeitgemäßen Präsentationsrahmen zu kommunizieren.
Die Studie zeigt auf, woher die Vorbilder stammten, welche gesellschaftlichen Gruppen sie vermittelten und welche sie aufgriffen und sogar weiterentwickelten. Denkmal­topo­graphie und Architekturtypen werden dabei ebenso berücksichtigt wie die durch sie zur Wirkung gebrachten Medien Grabinschrift bzw. Skulptur. Hierbei zeigen sich aufschlussreiche Unterschiede zwischen den Rhein- und Donauprovinzen.