Mainzer Althistorische Studien (MAS)

Mainzer Althistorische Studien (MAS)

Die Schriftenreihe Mainzer Althistorische Studien wird seit 1998 vom Arbeitsbereich Alte Geschichte der Johannes Gutenberg-Universität Mainz herausgegeben. In ihr erscheinen altertumswissenschaftliche Monographien, deren thematisches Spektrum sich von der Religions-, Kultur- und Sozialgeschichte, über die Literatur- und Sprachgeschichte bis hin zur Wirtschaftsgeschichte der griechisch-römischen Antike erstreckt. Publiziert werden vorrangig herausragende, an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz entstandene Qualifikationsschriften. Die Reihe erscheint unregelmäßig und wird seit Band 9 (2020) in Kooperation mit der Universitätsbibliothek Heidelberg im Print-on-Demand-Verfahren erscheinen sowie zeitgleich auch im Open Access frei zum Download bereitgestellt. Die Bände 1-6 erschienen beim Scripta-Mercaturae-Verlag, die Bände 7 und 8 beim Verlag Dr. Kovač. Die älteren Bände werden digitalisiert und nach Einholung der Nutzungsrechte schrittweise über Propylaeum eBooks online bereitgestellt.

Bibliographische Angaben

Herausgeber
Marietta Horster
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
E-Mail: horster@uni-mainz.de

ISSN
ISSN (online): 2700-9114
ISSN (Print): 2567-1030

Bisher erschienen

Florian Groll

Sieg und Familie im frühen Prinzipat: Eine Studie zur militärischen Repräsentation der Verwandten des Augustus

In diesem Buch wird untersucht, inwieweit und mit welchen Darstellungsstrategien die Familie des ersten römischen princeps Augustus im stadtrömischen Kommunikationsraum militärisch inszeniert wurde. Die Arbeit bedient sich dazu einer breiten Quellenbasis. Im Vordergrund stehen zeitgenössische Schriftquellen – insbesondere Texte der Dichter Vergil, Horaz und Ovid. Daneben werden auch die stadtrömische Monumentalarchitektur sowie Berichte über in Rom veranstaltete Feierlichkeiten der Familie des Augustus in den Blick genommen. Auf dieser Grundlage zeichnet die Arbeit ein facettenreiches, polyphones Bild des stadtrömischen Diskurses um Roms neue erste Familie und ihre militärischen Leistungen.

Oliver Schipp

Den Kolonat neu denken: Zur Aktualität eines Forschungsproblems

Die Untersuchung widmet sich der Frage nach der Entstehung und der Entwicklung des Kolonats. Dazu werden erstmals strukturelle Rahmenbedingungen und kontingente Faktoren untersucht, welche mittels der Gesetzgebung den Kolonat bedingten, etwa der politisch-legislative Rahmen, innere wie äußere Kriege sowie Veränderungen der klimatischen Bedingungen. Die Kolonengesetze der Spätantike sind nach der hier vertretenen Ansicht nicht das Ergebnis einer progressiven Entwicklung, die zum Kolonat führte, sondern der Anfang eines Prozesses, in dessen Verlauf sich der Kolonat herausbildete. Mit der Regierung Konstantins des Großen, so die These, begann für die Kolonen die verhängnisvolle Entwicklung ihres personenrechtlichen Status.

Jan Weidauer

Männlichkeit verhandeln: Von Lüstlingen, Kriegern und wahren Römern (1./2. Jh. n. Chr.)

Diese Untersuchung analysiert antike Männlichkeitsdiskurse des 1./2. Jh. n. Chr., in denen die Praxis römisch-elitärer Männlichkeit verhandelt wird. Die Konzepte der Performativität und des Habitus steuern theoretisch die Auslotung der Grenzen zulässiger Konfigurationen römischer Männlichkeit. Zum einen werden literarische Repräsentationen sexuell devianter Männer, deren Normtransgressionen entlarvt werden, in den Epigrammen Martials und den Satiren Juvenals untersucht. Zum anderen wird die Darstellung hypermaskuliner germanischer Barbaren sowie hyperzivilisierter und effeminierter Griechen in den Texten des Tacitus und Quintilians analysiert. Der Kontrast zu diesen aus römischer Perspektive defizienten Männer ermöglicht einen präziseren Blick auf „echte“ römische Männlichkeit.

Isidor Brodersen

Lukians „Wie man Geschichte schreiben soll“: … und andere Geschichten über Redlichkeit

Lukian von Samosata (2. Jh. n.Chr.) ist vor allem als Autor humoristischer Werke und Satiren bekannt. In seinem Œvre findet sich allerdings auch die einzige Schrift der Antike, die sich ausführlich und explizit mit der Geschichtsschreibung und ihren Regeln befasst. Sie ist damit eine wichtige Quelle für die Erforschung antiker Historiographie.

Gerade bei Lukian muss allerdings gefragt werden, ob seine Schrift tatsächlich in erster Linie die Belehrung in Geschichtsschreibung zum Ziel hat. Diese Studie möchte sich dieser Frage widmen, indem die Schrift „Wie man Geschichte schreiben soll“ nicht im Kontext des historiographischen Diskurses gelesen wird, sondern als Teil von Lukians literarischem Spiel. Als Autor der Zweiten Sophistik gelingt es Lukian, unter dem Deckmantel historiographischer Belehrung vor allem für das Amüsement seines Publikums zu sorgen.

In Verbindung mit zwei anderen Schriften Lukians wird das Bild eines Autors deutlich, der sich nicht nur sicher auf dem Boden der Klassiker bewegt, sondern auch in der Lage ist, durch die Inszenierung des Klassischen und Vorführung von Zeitgenössischem auf amüsante Weise Kritik zu üben. Geschichtsschreibung in „Wie man Geschichte schreiben soll“, Erzählkunst in den „Wahren Geschichten“ und die Orakelgläubigkeit der Zeitgenossen in „Alexander“ werden damit für Lukian zu Mitteln, sich selbst und seine Leser von Scheingebildeten und Hochstaplern abzusetzen. Das literarische Spiel wird somit vornehmlich zu einem Mittel der Selbstvergewisserung und der Distinktion innerhalb der Zweiten Sophistik.

 

Die Online-Bereitstellung des Bandes erfolgt mit freundlicher Unterstützung des Verlag Dr. Kovač.
Der Titel steht unter der Lizenz Creative Commons Licenz 4.0 (CC BY-NC- ND 4.0) und damit ausschließlich als Gesamtdatei zum Download zur Verfügung.

Florian Battistella

Pelagius I. und der Primat Roms: Ein Beitrag zum Drei-Kapitel-Streit und zur Papstgeschichte des 6. Jahrhunderts

Der (ost-)römische Kaiser Justinian I. (527–565) ist für seine Wiedereroberung Italiens und seine Rechtskodifikationen bekannt. Wie viele seiner Vorgänger war auch er um die religiöse Einheit der Christenheit bemüht. In diesem Zusammenhang verurteilte er die sogenannten Drei Kapitel, was allerdings zu langanhaltenden theologischen Auseinandersetzungen führte.

Die kaiserliche Maßnahme wurde vom Zweiten Konzil von Konstantinopel (553) bestätigt und vom römischen Bischof Vigilius (537–555) übernommen. Vigilius hätte die kaiserliche Position im Westen vertreten, doch er verstarb auf der Rückreise von Konstantinopel. Somit war die Kontroverse im Westen nicht beendet. Viele Christen lehnten die Verurteilung der sogenannten Drei Kapitel weiterhin ab. Pelagius I. (556–561), Vigilius‘ Nachfolger als Bischof von Rom, war ursprünglich ein Gegner der Verurteilung, vertrat aber nun den justinianischen Standpunkt.

Die Studie sucht nach Gründen für Pelagius‘ überraschend wirkende Nachfolge und fragt danach, wie er seine Position legitimieren und sichern konnte angesichts der theologischen Differenzen, die gerade auf der italienischen Halbinsel besonders ausgeprägt scheinen.

Durch eine eingehende Analyse zahlreicher Briefe Pelagius’ I. zeigt Florian Battistella die Vielschichtigkeit der Kontroverse auf. Er macht deutlich, dass der Drei-Kapitel-Streit mehr ist als eine bloße theologische Auseinandersetzung zwischen griechischem Osten und lateinischem Westen. Pelagius I. und der Primat Roms ist somit ein Aufruf, die theologischen Entwicklungen des sechsten nachchristlichen Jahrhunderts aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

 

Die Online-Bereitstellung des Bandes erfolgt mit freundlicher Unterstützung des Verlag Dr. Kovač.
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