Ulrike Schröer

Die Thuner Hochtrottoirs im städtebaulichen Kontext
Eine Studie zur Entstehungsgeschichte im Vergleich mit Bern, Burgdorf und Erlach

Schweizer Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters, Band 41

Die Obere Hauptgasse in Thun erhält ihren spezifischen Charakter durch ein ungewöhnliches Strassenprofil. Beidseitig hervorspringende untere Geschosse, Hochtrottoirs, Lauben oder Terrassen genannt, bilden eine zweigeschossige Ladenzeile. Planung, Bautypologie oder Zufall, die Ursachen dieses ungewöhnlichen Strassenprofils im anonymen Städtebau sind trotz der originären und pittoresken Situation bisher nicht untersucht worden. Städtebauliches Kuriosum oder Typus, dahinter steht die Frage, ob die zwei Erschliessungsebenen Elemente frühester Zeit, die Folge einer späteren Entwicklung oder gar Produkte einer Planung sind.
Die Entstehungsgeschichte der Hochtrottoirs in Thun lässt sich aufgrund unvollständiger Baubefunde und lückenhafter Quellenlage bisher nicht zweifelsfrei nachvollziehen. Die Untersuchung der Thuner Verhältnisse lässt zwar eine Steigungskorrektur der Gasse vermuten, bietet aber noch zu wenig gesicherte Belege für diese These. Selbst der Zeitraum für die Entstehung des Hochtrottoirs ist nur relativ vage mit dem 16./17. Jh. zu bestimmen. Sicher ist, dass komplexe Ursachen und Entscheidungen zum heutigen homogenen Erscheinungsbild führten.

Jakob Obrecht, Fabian Küng und Waltraud Hörsch

Die Burg Kastelen bei Alberswil
Prähistorische Siedlung, Adelsburg und patrizischer Landsitz im Luzerner Wiggertal

Schweizer Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters, Band 43

Die archäologischen Spuren auf dem Burghügel von Kastelen reichen weit in die Prähistorie zurück: Bereits in der Bronzezeit vor 3000 Jahren bestand auf dem Kastelenhügel eine dörfliche Siedlung. Im Hochmittelalter wurde der markante Hügel zum Standort einer hölzernen Burganlage. An ihrer Stelle liessen die Grafen von Kyburg zwischen 1249 und 1253 eine ausgedehnte Burg errichten, von welcher heute noch die Ruine des Wohnturms sowie der Sodbrunnen erhalten sind. Der beeindruckende Wohnturm ist ein beredter Zeuge der hochstehenden mittelalterlichen Bautechnik. Zusammen mit den archäologischen Funden lässt die Ruine einen unmittelbaren Einblick in die Wohnkultur und das Leben auf einer mittelalterlichen Adelsburg zu.
Die historischen Schriftquellen zur Burg Kastelen erzählen von der geschichtlichen Entwicklung der gesamten Region: Sie zeigen nicht nur den gesellschaftlichen Wandel in der herrschenden Oberschicht während des Mittelalters und der Neuzeit, sondern werfen auch ein Schlaglicht auf die sozialen Verhältnisse beispielsweise zur Zeit des Bauernkriegs von 1653.
Weitere Kapitel sind den bautechnischen und denkmalpflegerischen Aspekten einer Burgenrestaurierung gewidmet. Abgerundet wird die Publikation durch eine Untersuchung zu den Sagenerzählungen rund um die Ruine Kastelen.

 

Armand Baeriswyl, Peter Niederhäuser (Hrsg.)

Zeugen vergangener Macht und Herrschaft
Schweizer Burgen und Schlösser vom Mittelalter bis heute

Schweizer Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters, Band 45

Die Spiezer Tagung 2016 gibt Einblick in den aktuellen Stand der Burgenforschung. Dabei werden sozial-, macht- und kulturgeschichtliche Aspekte beleuchtet. Der Überblick beginnt mit einer Einführung in den Themenkomplex vom mittelalterlichen Adel und Burgenbau (Thomas Biller). Danach folgen Betrachtungen zum zähringischen Burgenbau (Heinz Krieg) und den Burgen auf dem Gebiet der ehemaligen Diözese Genf (Matthieu de la Corbière), greifen die Burg Colombier NE exemplarisch heraus (Ferdinand Pajor) und geben einen Überblick über den frühen Burgenbau in der heutigen Schweiz (Armand Baeriswyl). Einen Fokus erhält auch die habsburgische Wehrgrenze nach 1499 (Peter Niederhäuser). Den zeitlichen Bogen bis zur Gegenwart schlagen die Beiträge zur Schlossbau (Jürg Schweizer) und der Burgenrenaissance (Elisabeth Crettaz) sowie der heutigen Nutzung von Burgen und Schlössern (Thomas Pauli-Gabi). Ergänzt wird die Publikation mit Kurzmonographien und Abbildungen zu 25 forschungsgeschichtlich und typologisch wichtigen Burgen der Schweiz.

Simon Hardmeier

Eine Stadtwüstung im Kanton Solothurn
Altreu im Mittelalter

Schweizer Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters, Band 46

In Altreu, diesem zur Gemeinde Selzach gehörenden Weiler an der Aare, war es der Fluss, der die archäologische Substanz verschwinden liess. Seit 1949 wurden in zahlreichen Baugruben Teilbefunde einer ehemaligen Siedlungen gesammelt; diese sind nun in dieser vorliegenden Publikation zu einem Gesamtbild zusammen gesetzt worden Das Resultat ist für die Mittelalterforschung im Kanton Solothurn, aber auch für die Mittelalterarchäologie der ganzen Schweiz von grosser Bedeutung. Dank der Tatsache, dass hier vieles zusammenhängend überliefert ist, was andernorts aus Splittern mühsam rekonstruiert werden muss, ergeben sich wertvolle Einblicke in das Leben einer mittelalterlichen Kleinstadt. Mit der Stadtbefestigung, der Stadtburg und den zur Gasse hin orientierten Wohnbauten verfügt Altreu über alle Elemente einer mittelalterlichen Stadt. Nach einer Brandkatastrophe in der zweiten Hälfte des 14. Jh. wurde das Städtchen aufgegeben und geriet in Vergessenheit. Eine grosse Hinterlassenschaft hat aber im Boden überdauert: über 20'000 Artefakten sind geborgen worden und werden im umfangreichen Fundkatalog nach den verschiedensten Bereichen aufgegliedert vorgestellt.

Caroline M. Rocheleau, Tom Hardwick (Hrsg.)

Offerings to Maat: Essays in Honour of Emily Teeter
CIPEG Journal: Ancient Egyptian & Sudanese Collections and Museums no. 5 (2021). Special issue

Die Festschrift ehrt Emily Teeter, ehemalige Kuratorin am Museum des Oriental Institute der Universität Chicago. Kollegen und Freunde haben sich an dieser Publikation mit wissenschaftlichen Beiträgen zu altägyptischen Sammlungen sowie auch archäologischen Feldforschungen beteiligt. Die Artikel gruppieren sich in dabei in die Bereiche Ägyptologie und Museologie wobei das Spektrum von der Publikation einzelner Objekte bis hin zu sammlungsgeschichtlichen Forschungen, museumspädagogischen Projekten oder auch neuen Vermittlungsangeboten reicht.

Beate Schmid und Birgit Kulessa

Von Stadtmauern und Salbtöpfen
Archäologie zur Siedlungs- und Apothekengeschichte in Biberach

Forschungen und Berichte zur Archäologie in Baden-Württemberg, Band 13

Die Stadt Biberach bewahrte über Jahrhunderte einen weitgehend ungestörten Stadtkern mit einem beachtlichen Bestand an spätmittelalterlicher Bausubstanz. Im vorliegenden Band werden die Ergebnisse von zwei Ausgrabungen an ganz unterschiedlichen Standorten im mittelalterlichen Stadtgefüge vorgestellt. Bei der Auswertung der Grabung auf dem Viehmarktplatz stehen die Fragen nach dem Siedlungsbeginn und der Entwicklung in Stadtrandlage und damit verbunden nach der ersten Stadtbefestigung im Mittelpunkt. Die Untersuchung des Gebäudes Marktplatz 7 dagegen befasst sich mit der Baugeschichte und Nutzung eines spätmittelalterlichen Bürgerhauses in zentraler Lage zwischen Kirche und Markt, das im Laufe seiner langen Geschichte unter anderem von einem Apotheker genutzt wurde. Durch die Vorlage und Interpretation der Befunde und des Fundmaterials aus beiden Ausgrabungen wird ein facettenreiches Bild vom Alltagsleben in einer mittelalterlichen Stadt entworfen.

Christof Berns, Sabine Huy (Hrsg.)

The Impact of Rivers on Ancient Economies
Panel 2.2

Archaeology and Economy in the Ancient World – Proceedings of the 19th International Congress of Classical Archaeology, Cologne/Bonn 2018, Band 4

Das gewachsene Forschungsinteresse an den Verflechtungen von soziokulturellen und physischen Räumen hat u. a. dazu geführt, Wasserläufe als gestaltende Faktoren von Gesellschaften und ihren Wirtschaftssystemen wahrzunehmen. Flusslandschaften weisen spezifische Bedingungen auf, die das Leben von Menschen vielfach beeinflusst haben. Flüsse bieten als natürliche Ressourcen besondere Möglichkeiten für wirtschaftliche Aktivitäten. Sie können beispielsweise sowohl als Verbindungsadern als auch als Grenzlinien fungieren. Die Beiträge unseres Panels beschreiben Flüsse als dynamische Faktoren antiker Lebenswelten. Die Aufsätze dieses Bandes konzentrieren sich auf die Wechselbeziehung zwischen Flusslandschaften und den wirtschaftlichen Gewohnheiten ihrer Bewohner. Die Fallstudien decken ein breites zeitliches wie geographisches Spektrum ab und diskutieren Phänomene wie geomorphe und anthropogene Veränderungen von Flüssen, die Rolle von Flüssen als Transport- und Handelswege und ihre Auswirkungen auf Siedlungsmuster.

Ursina Jecklin-Tischhauser, Lotti Frascoli und Manuel Janosa

Die Burg Marmels
Eine bündnerische Balmburg im Spiegel von Archäologie und Geschichte

Schweizer Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters, Band 40

Rund hundert Meter über dem Stausee Marmorera liegen unter einem gewaltigen Felsvorsprung die Ruinen der Burganlage Marmels (Gemeinde Marmorera im Tal Oberhalbstein/Sursés, Kanton Graubünden). Die Burg gehörte im hohen und späten Mittelalter den Herren von Marmels, Ministerialen des Churer Bischofs. Zur Anlage in schwindelerregender Höhe gehörte einst eine Kapelle mit zwei angrenzenden Gebäuden, ein Tortrakt und ein repräsentativer, mindestens viergeschossiger Wohnturm.
Eine umfassende Sanierung der Burgruine ermöglichte es dem Archäologischen Dienst Graubünden in den Jahren 1987 und 1988, bauhistorische Untersuchungen an den erhaltenen Gebäuderesten und Ausgrabungen auf dem Gelände durchzuführen. Dass auf einem Burgareal gegraben wird, hat im Kanton Graubünden Seltenheitswert. Doch gerade die Grabungsresultate von Marmels sind für die schweizerische Burgenforschung in verschiedener Hinsicht von Bedeutung.
Dank der Lage der Burg unter einem riesigen Felsvorsprung war ein Grossteil der Anlage stets vor der Witterung geschützt – ein Glücksfall für die Forschung, lagen die Funde doch so über all die Jahrhunderte mehrheitlich im Trockenen. Neben dem grossen Umfang des Fundmaterials ist dessen Bandbreite und Erhaltungszustand aussergewöhnlich. Insbesondere die in mittelalterlichen Ausgrabungen sonst nur marginal vorhandenen organischen Funde waren auf Marmels zahlreich: an die 1000 Hölzer, darunter Geräte, Möbelteile, Bauhölzer und Abfallhölzer, die vom Bauvorgang zeugen, lagen in den ergrabenen Schichten, ferner kamen Lederfragmente und Schuhe, Pergamentreste, zum Teil sogar beschrieben, mehr als 21 000 Tierknochen und 18 000 einzelne Pflanzenreste zutage. Zum organischen Material hinzu kommen Metallgegenstände sowie zahlreiche Schlacken, die von der Metallgewinnung und -verarbeitung zeugen, etwas Keramik und ein grosses Ensemble an Lavezgefässen. Diverse Holzobjekte (Bauhölzer und Geräte) konnten mithilfe der Dendrochronologie sicher datiert werden.
Dadurch gelang es, die Entstehung der Anlage um 1140 und deren Auflassen gegen Ende des 14. Jh. beziehungsweise zu Beginn des 15. Jh. zu datieren. Aber auch Ereignisse während der Burgenzeit konnten mit dieser Methode zeitlich näher bestimmt werden.

Ludwig Wamser

Mauenheim und Bargen
Zwei Grabhügelfelder der Hallstatt- und Frühlatènezeit aus dem nördlichen Hegau

Forschungen und Berichte zur Archäologie in Baden-Württemberg, Band 2

Die Monografie behandelt das hallstattzeitliche Gräberfeld von Immendingen-Mauenheim (Kr. Tuttlingen) mit 23 Grabhügeln und mindestens 10 kleinen Brandgräbern zwischen den Hügeln sowie die fünf Tumuli umfassende Nekropole von Engen-Bargen (Kr. Konstanz). Beide Fundorte liegen etwa 700 m voneinander entfernt im nördlichen Hegau wenige Kilometer südlich der Donau, zwischen Alpen und Schwarzwald. Die Arbeit basiert auf einer Dissertation der 1970er Jahre und  wird ergänzt durch neue Untersuchungen, die sich ausgesuchten Fundstücken und sozialen wie wirtschaftlichen Aspekten widmen. Tierbeigaben aus den Gräbern wurden achäozoologisch ausgewertet. Anthropologische Untersuchungen der hallstattzeitlichen Skelette sowie Forschungen zur Mobilität und zum Ernährungsstatus von Menschen und Tieren vervollständigen die Beiträge zur Rekonstruktion eisenzeitlicher Lebensverhältnisse in Südwestdeutschland.

Monica Berti

Digital Editions of Historical Fragmentary Texts

Digital Classics Books, Band 5

Dieses Buch beschreibt ein neues Modell für digitale Editionen historischer fragmentarischer Texte, d.h. Texte, die in ihrer ursprünglichen Form verloren gegangen sind und nur durch Zitate und Wiederverwendungen in späteren Werken überleben. Dieses Buch beschreibt den aktuellen Stand der digitalen Bibliotheken fragmentarischer Texte und stellt zwei neue verwandte Projekte vor: das Projekt „Digital Fragmenta Historicorum Graecorum“, das die digitale und erweiterte Version der Fragmenta Historicorum Graecorum (FHG) ist, und das Projekt „Digital Athenaeus“, das ein Inventar von Autoren und Werken, die in den Deipnosophisten des Athenaeus von Naucratis zitiert werden, mit einem Datenmodell zu deren Identifizierung und Analyse bereitstellt.

Dimitri van Limbergen, Devi Taelman (Hrsg.)

The Exploitation of Raw Materials in the Roman World: A Closer Look at Producer-Resource Dynamics
Panel 4.4

Archaeology and Economy in the Ancient World – Proceedings of the 19th International Congress of Classical Archaeology, Cologne/Bonn 2018, Band 27

Im Vergleich zu anderen vormodernen Volkswirtschaften zeichnet sich die römische Welt durch die Entwicklung eines hochspezialisierten und sehr produktiven Produktionssektor aus. Diese Entwicklung führte zur grossflächigen Ausbeutung von Rohstoffen. Sogar in einem Gebiet von der Grösse des römischen Reiches übten diese Aktivitäten großen Druck auf die Natur aus. Strategien der Ressourcennutzung und -erhaltung waren daher unerlässlich, um mit der mittel- oder langfristigen begrenzten Verfügbarkeit dieser Ressourcen erfolgreich umzugehen und die Nachhaltigkeit des römischen Nutzungsmodells zu sichern. Dieser Band befasst sich mit den verschiedenen Arten der Ausbeutung und Bewirtschaftung natürlicher Ressourcen in der römischen Welt. Er konzentriert sich darauf, ob, wann, wo und wie die Römer ein harmonisches Gleichgewicht zwischen der begrenzten Verfügbarkeit einer bestimmten Ressource und dem Gesetz von Angebot und Nachfrage anstrebten. Die Fallstudien in diesem Band decken verschiedene Schlüsselbereiche der weströmischen Welt ab - von Italien und der Insel Elba, über das Küstenland Kroatien bis hin zu Zentral-Ost-Gallien und dem pannonischen Limes - und diskutieren insbesondere die Fischindustrie, die Eisenverhüttung, die Abholzung und Waldbewirtschaftung, den Steinhandel und die Ausbeutung thermomineralischer Ressourcen.

Grégory Mainet, Thomas Morard (Hrsg.)

Roman Street and Urban Economy
Panel 8.12

Archaeology and Economy in the Ancient World – Proceedings of the 19th International Congress of Classical Archaeology, Cologne/Bonn 2018, Band 47

Straßen spielten eine Schlüsselrolle bei der Gestaltung des antiken wirtschaftlichen Stadtbildes. Normalerweise betrachten wir Straßen lediglich als Durchgangswege für den Verkehr, aber diese Idee entspricht nicht den Tatsachen, wie sie von antiken Autoren wie Martial oder Juvenal beleuchtet wurden. Der "Straßenraum" wurde in drei Dimensionen angelegt und war ein wichtiger Ort für die sozialen und wirtschaftlichen Interaktionen, die das städtische Sozialleben in der Antike ausmachten. Eine solche Funktion zeigt sich deutlich in der Architektur der Straße, die durch zahlreiche tabernae, die in Atriumhäusern, Ladenzeilen oder mehrstöckigen Gebäuden errichtet wurden, und durch die Aktivitäten, die sich dort abspielten. Mit anderen Worten, die Wirtschaft der antiken Städte beschränkte sich nicht auf bestimmte Gebäude wie etwa die macella. Im Gegenteil, die wirtschaftlichen Aktivitäten erstreckten sich über die Mauern solcher Gebäude hinaus und drangen entlang der Straßen in das gesamte Stadtgefüge ein. Die Beiträge des Panels "Antike Straßen und städtische Wirtschaft" wollen ein neues Licht auf die Rolle des Straßenraums in der städtischen Wirtschaft der antiken Gesellschaften werfen, zeitlich fokussiert auf den Zeitraum zwischen dem 2. Jahrhundert v. Chr. und dem 3. Jh. n. Chr. Um unser Verständnis zu vertiefen, unter suchen die verschiedenen Autoren einige Fallstudien z.B. aus Alba Fucens, Athen, Lugdunum, Norba, Ostia und Pompeji.

Rainer Nickel

Semantische und pragmatische Aspekte des Übersetzens lateinischer Texte

Ars Didactica – Alte Sprachen lehren und lernen, Band 7

Die vorliegende Beschreibung semantischer und pragmatischer Aspekte des Interpretierens und Übersetzens basiert auf einer zweisprachig-kontrastiven Präsentation zahlreicher Textbeispiele. So wird der Leser ohne Umwege mit dem Problem der Abweichungen und Übereinstimmungen zwischen Ausgangs- und Zielsprache konfrontiert und darin geübt, die sich daraus ergebenden Schwierigkeiten bei der Auseinandersetzung mit lateinischen Texten zu meistern. Die sprachlichen Äußerungen, die wir heute als Schreibakte durch historische Kommunikation zu verstehen versuchen, waren in ihrer ursprünglichen Kommunikationssituation Sprechakte und sind als solche vom heutigen Leser zu rekonstruieren. Dazu bietet die vorliegende Textgrammatik Anregungen und Anleitungen.

Miklós Takács

Byzantinische oder byzantinisierende Raumgestaltungen kirchlicher Architektur im frühárpádenzeitlichen Ungarn
Eine vergleichende Analyse auf Grundlage von Parallelen aus dem Balkan

Monographien des RGZM, Band 138

Die Frage der »byzantinischen« Kirchen im frühárpádischen Königreich Ungarn gehört zu den zentralen Problemen der Archäologie und Historiographie Ungarns und all der Balkanstaaten, die auf dem Gebiet des ehemaligen Árpádenreichs entstanden sind. Eine sorgfältige Durchsicht der Kirchen unter Berücksichtigung ihrer Forschungsgeschichte zeigt jedoch, dass nur ein geringer Teil der aus teilweise nationalistischen Gründen als byzantinisch bezeichneten Kirchen tatsächlich Vorbilder in Byzanz hatten.

Michael von Albrecht

SERMONES. Satiren zur Gegenwart
Lateinisch und Deutsch

Hans-Joachim Glücklich (Hrsg.)
Ars Didactica – Alte Sprachen lehren und lernen, Band 8

Michael von Albrecht stellt in seinen „Sermones“ Satiren über Gegenwartsprobleme und die moderne Gesellschaft in einer lateinischen und einer deutschen Version vor. Die Themen sind: Neugier, Lebensmittelverschwendung, Hundehaltung, Zukunftsforschung, Umweltschutz, Corona, Kriege, Wahrheit, alte Leute, Reklame. Immer stehen dem sowohl enzyklopädisch gebildeten als auch humanen Autor die Vergleiche mit antiken und modernen Ereignissen und Denkweisen zur Verfügung. Die Sermones werden so zu einem ebenso ästhetischen wie menschlichen Erlebnis. Sie sind Kunst und Vergnügen, sie sind belehrend und aufklärend, sie sind menschlich und aktivierend: eine Ars Didactica Humana. Die Beiträge von Michael Lobe und Hans-Joachim Glücklich versuchen, die Freude des Lesens zu erhöhen, geben Hintergrundinformationen und machen Vorschläge, wie man auch ohne umfassende Lateinkenntnisse die deutsche und die lateinische Version genießen kann.

Lore Benz, Jochen Sauer (Hrsg.)

Rhetorik, Politik, Propaganda
Cicero und die Macht des Wortes

Acta Didactica – Bielefelder Beiträge zur Didaktik der Alten Sprachen in Schule und Universität, Band 1

Die fünf Beiträge dieses Bandes stellen Ciceros rednerisches Wirken in unterschiedlichen Facetten vor Augen  und zeigen Wege auf, wie Cicero und das Thema Rhetorik an die Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler herangeführt werden können. Textbasis aller Beiträge stellen drei im Schulunterricht zentrale Reden bzw. Redencorpora Ciceros dar: die Reden gegen Catilina, die Rede für Sestius und die Philippischen Reden. Eine ausführliche Bibliographie mit Besprechungen einschlägiger didaktischer Publikationen schließt die Beiträge ab. Ein umfassender Anhang bietet Material für die Umsetzung im Unterricht.

Jan Weidauer

Männlichkeit verhandeln
Von Lüstlingen, Kriegern und wahren Römern (1./2. Jh. n. Chr.)

Mainzer Althistorische Studien (MAS), Band 9

Diese Untersuchung analysiert antike Männlichkeitsdiskurse des 1./2. Jh. n. Chr., in denen die Praxis römisch-elitärer Männlichkeit verhandelt wird. Die Konzepte der Performativität und des Habitus steuern theoretisch die Auslotung der Grenzen zulässiger Konfigurationen römischer Männlichkeit. Zum einen werden literarische Repräsentationen sexuell devianter Männer, deren Normtransgressionen entlarvt werden, in den Epigrammen Martials und den Satiren Juvenals untersucht. Zum anderen wird die Darstellung hypermaskuliner germanischer Barbaren sowie hyperzivilisierter und effeminierter Griechen in den Texten des Tacitus und Quintilians analysiert. Der Kontrast zu diesen aus römischer Perspektive defizienten Männer ermöglicht einen präziseren Blick auf „echte“ römische Männlichkeit.

Stefan Wenzel

Behausungen im Späten Jungpaläolithikum und im Mesolithikum in Nord-, Mittel- und Westeuropa

Monographien des RGZM, Band 81

Wo in der Zeit von 15000-5000 v. Chr. Jäger und Sammler in den Steppen und Wäldern Europas ihr Lager aufschlugen, blieben meist in großer Zahl Steinartefakte und Herdsteine zurück. Nur selten aber sind Wohnbauten anhand von erhaltenen Konstruktionselementen direkt nachweisbar.
In diesem Buch werden sechs Fundkonzentrationen daraufhin untersucht, ob es Indizien dafür gibt, daß ehemals Zeltwände einer diffusen Verteilung der Steinabfälle nach außen hin als Hindernis im Weg standen: Orp Ost und Rekem 10 in Belgien, Cepoy im Pariser Becken, Geldrop 3-2 in den südlichen Niederlanden, Berlin-Tegel IX sowie Hartmannsdorf 26 in Brandenburg. Bei diesen Siedlungsstrukturen wie bei den zum Vergleich herangezogenen Wohnbauten und nicht überdachten Lagerplätzen dieses Zeitabschnitts lassen sich ferner Arbeitsbereiche rekonstruieren, die Aussagen zur Organisation der jeweiligen lokalen Gruppen erlauben.

Beatrice Baragli et al. (Hrsg.)

Distant Worlds and Beyond
Special Issue Dedicated to the Graduate School Distant Worlds (2012‒2021)

Distant Worlds Journal Special Issues, Band 3

Diese Sonderausgabe des Distant Worlds Journal beendet die Zeitschriftenreihe in Form einer Festschrift für die namensgebende Institution. In diesem Band wurden wissenschaftliche Texte von ehemaligen Mitgliedern der Graduiertenschule Distant Worlds gesammelt. Es werden neue Ideen, Methoden und Denkweisen, die während der Zeit an der Graduiertenschule gesammelt wurden, sowie durchgeführte Forschungen oder laufende Projekte vorgestellt. Das Themenspektrum dieser Ausgabe spiegelt den Facettenreichtum wider, für den die Graduiertenschule in München bekannt war. Die zahlreichen Disziplinen und der ständige interdisziplinäre Diskurs prägten das Denken und Arbeiten aller Beteiligten.

Caris-Beatrice Arnst, Regine Schulz (Hrsg.)

Typen, Motive, Stilmittel

Beiträge zur Altägyptischen Kunst, Band 1

Kunst- und Bildforschung stellt in der Ägyptologie heute mehr denn je ein Randgebiet dar. Besonders an deutschen Universitätsinstituten, an denen die archäologische und philologische Ausbildung im Vordergrund steht, wird Kunst meist nur im Rahmen der Denkmäler- und Objektkunde oder in vereinzelten Seminaren vermittelt.
So soll der Sammelband den einen zur wissenschaftlichen Verständigung dienen, den anderen zum Selbststudium.
Vor allem soll er zu eigenen Betrachtungen anregen – möglichst vor den besprochenen Kunstwerken in Ägypten oder in den jeweiligen Museen. Die Beiträge demonstrieren unterschiedliche Verfahren, die überwiegend in der Praxis, als Resultat geschärfter, forschender Wahrnehmung, gereift sind. Besonderes Anliegen war es, das Wahrgenommene präzise, mit adäquaten Begriffen zu beschreiben und nachvollziehbar zu analysieren, dabei auch über angewandte Termini und Methoden zu reflektieren.
Der Band eröffnet eine neue, in loser Folge erscheinende Reihe, die im Auftrag des Roemer- und Pelizaeus-Museums Hildesheim herausgegeben wird. Die „Beiträge zur altägyptischen Kunst“ (BAK) widmen sich speziell der lange vernachlässigten ägyptologischen Kunst- und Bildforschung.