Eva Cichy

Der Siedlungsplatz Hamm-Westhafen
Teil II: Katalog und Tafeln

Bodenaltertümer Westfalens, Band 46.2

Im Bereich des Westhafens von Hamm wurden auf einer Fläche von 4,2 ha Spuren aus der vorrömischen Eisenzeit, der römischen Kaiserzeit und dem Frühmittelalter freigelegt. Ihre herausragende Bedeutung erlangt die Grabung aber durch die hochmittelalterlichen Siedlungsbefunde. Nicht allein das Hauptgebäude des Hofes erreicht mit über 35 m Länge Ausmaße, die es aus der Masse zeitgleicher Häuser hervorhebt, sondern auch die Nebengebäude, Keller und Brunnen weisen Dimensionen auf, die über normale bäuerliche Bedürfnisse weit hinausgehen. Das Fundmaterial bestätigt dies eindrucksvoll. Der Hof muss eine zentrale Bedeutung in seiner Region gehabt haben. Durch überregionale Vergleiche konnte wahrscheinlich gemacht werden, dass die Anlage als Ober- oder Meierhof genutzt wurde. Gleichwohl gibt es keine Anzeichen, dass sich hier ein Übergang zu einem adeligen Anwesen vollzieht.
Die Arbeit wurde 2005 an der Ruhr-Universität Bochum als Dissertation angenommen.

Eva Cichy

Der Siedlungsplatz Hamm-Westhafen
Teil I: Text

Bodenaltertümer Westfalens, Band 46.1

Im Bereich des Westhafens von Hamm wurden auf einer Fläche von 4,2 ha Spuren aus der vorrömischen Eisenzeit, der römischen Kaiserzeit und dem Frühmittelalter freigelegt. Ihre herausragende Bedeutung erlangt die Grabung aber durch die hochmittelalterlichen Siedlungsbefunde. Nicht allein das Hauptgebäude des Hofes erreicht mit über 35 m Länge Ausmaße, die es aus der Masse zeitgleicher Häuser hervorhebt, sondern auch die Nebengebäude, Keller und Brunnen weisen Dimensionen auf, die über normale bäuerliche Bedürfnisse weit hinausgehen. Das Fundmaterial bestätigt dies eindrucksvoll. Der Hof muss eine zentrale Bedeutung in seiner Region gehabt haben. Durch überregionale Vergleiche konnte wahrscheinlich gemacht werden, dass die Anlage als Ober- oder Meierhof genutzt wurde. Gleichwohl gibt es keine Anzeichen, dass sich hier ein Übergang zu einem adeligen Anwesen vollzieht.
Die Arbeit wurde 2005 an der Ruhr-Universität Bochum als Dissertation angenommen.

Ulrich Hofstätter, Andrea Schmölder-Veit, Nele Schröder-Griebel (Hrsg.)

Das antike Olympia in München
1972–2022

Das 50jährige Jubiläum der Olympischen Sommerspiele 1972 in München nehmen wir am Museum für Abgüsse Klassischer Bildwerke zum Anlass, um an die damalige Sonderausstellung „100 Jahre deutsche  Ausgrabung in Olympia“ im Deutschen Museum anzuknüpfen. Der vorliegende Band rückt diese Präsentation und deren Prunkstücke in den Fokus, wie die Rekonstruktion des Westgiebels des Zeus-Tempels mitsamt dem architektonischen Rahmen. Weitere Schwerpunkte sind die Geschichte des Heiligtums, die antiken Olympischen Spiele und die wissenschaftliche Erforschung von Olympia mit besonderer Berücksichtigung der Abformungen. Schließlich werden auch neue wissenschaftliche und museumspädagogische Ansätze vorgestellt, die auf 3D-Scans und 3D-Drucken basieren.

David Wengrow (Hrsg.)

Image, thought, and the making of social worlds

Freiburger Studien zur Archäologie und visuellen Kultur , Band 3

Welche Bedeutung und welchen Status haben Bildersysteme in menschlichen Kulturen? Das komplexe Zusammenspiel zwischen Bildern, Vorstellungen, mentalen Prozessen und der Konstruktionen des Sozialen vom prä-kolumbischen Amerika bis zum antiken Mittelmeerraum und China ist das Thema der in diesem Band vereinten Originalbeiträge. Sie wenden sich gegen die Vorstellung, Bildern seien nicht mehr als illustrative Ausdrücke des in Sprache oder Schrift Artikulierten. Im Blick auf Kulturen Amazoniens, Ozeaniens und Zentralafrikas machen wird die Autonomie von Bildsystemen als intellektuelle Mittel eigenen Rechts deutlich. Sie spielen eine beständige Rolle in der Entwicklung und Transformation menschlicher Gesellschaften jenseits der traditionellen Unterscheidung von ‚mündlichen‘ und ‚schriftlichen‘ Kulturen.

Mechthild Schulze-Dörrlamm

Die Einwanderung von Angelsachsen ins Frankenreich aus archäologischer Sicht.
Zu den Spuren der »angelsächsischen Mission« im ausgehenden 7. bis mittleren 9. Jahrhundert

Monographien des RGZM, Band 158

Im 8. Jahrhundert lag der Höhepunkt einer geistigen Bewegung, die viele hoch gebildete Männer sowie einige Frauen aus Angelsachsen dazu veranlasst hatte, auf den Kontinent auszuwandern. Deren Ziel war es, die heidnische Bevölkerung – insbesondere Friesen und die stammesverwandten Altsachsen – für das Christentum zu gewinnen oder deren religiöse Bildung zu verbessern. Vor allem im nördlichen und östlichen Frankenreich arbeiteten sie zeitlebens als Missionare, Priester, Mönche und Nonnen, Lehrer oder Lehrerinnen, teils auch als Gelehrte. Von den Teilnehmern an der „angelsächsischen Mission“ sind heute nur wenige allgemein bekannt, z. B. der in Friesland ermordete Erzbischof Bonifatius und der Missionar Willibrord von Echternach, weil es bisher fast unmöglich war, sich ein umfassendes Bild dieses Personenkreises zu verschaffen.
In dem reich illustrierten Buch werden erstmals 70 Männer und 15 Frauen, die nachweislich aus Angelsachsen eingewandert sind, mit ihren Namen und Lebensdaten vorgestellt. Es enthält überdies Grundrisspläne der von ihnen gegründeten Kirchen und Klöster, zeigt die heute noch erhaltenen Gegenstände aus ihrem Besitz und dokumentiert ihre Gräber sowie das einzigartige Bonifatius-Grabmal in Mainz. Fünf neue Verbreitungskarten zeigen nicht nur die Lage von Wirkungsstätten und Begräbnisplätzen der Einwanderer, sondern auch der heutigen Aufbewahrungsorte von Werken der angelsächsischen Kunst und des Kunsthandwerks sowie der Fundorte archäologischer Gegenstände angelsächsischer Herkunft im Frankenreich.

Jochen Sauer (Hrsg.)

Lateinische Grammatik unterrichten
analog und digital in Theorie und Praxis

Acta Didactica – Bielefelder Beiträge zur Didaktik der Alten Sprachen in Schule und Universität, Band 3

Lateinischer Grammatikunterricht erhebt den Anspruch, sprachfördernd und heterogenitätssensibel zu sein und sich in digitalen Settings ebenso wie im traditionellen Unterricht organisieren lassen. In letzter Zeit stellt sich vermehrt die Frage nach dem richtigen Stoffpensum und den Kriterien für dessen zweckmäßiger Auswahl. Stets wichtig ist dabei die angemessene Wahl des Einführungsprinzips (induktiv/deduktiv). Die Beiträge dieses Bandes nehmen sich der genannten Herausforderungen an und zeigen Wege auf, wie lateinische Grammatik wirkungsvoll und motivierend vermittelt werden kann. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Lernen auf Distanz.

Nicholas J. Conard et al. (Hrsg.)

The Homotherium Finds from Schöningen 13II-4
Man and Big Cats of the Ice Age. Contributions of the scientific workshop at the paläon (Schöningen) from 05.06 to 07.06.2015

Forschungen zur Urgeschichte aus dem Tagebau Schöningen, Band 4

Säbelzahnkatzen und andere große Raubkatzen sind für viele Menschen das Sinnbild eines gefährlichen Raubtiers. Nach der Entdeckung der ältesten Holzwaffen der Menschheit sind in der etwa 300 000 Jahre alten Fundstelle von Schöningen 2012 erstmalig auch die Überreste der europäischen Säbelzahnkatze (Homotherium latidens) entdeckt, dokumentiert und ausgegraben worden. In Folge dieser Entdeckung wurde in Schöningen 2015 ein zweitägiger wissenschaftlicher Workshop mit dem Titel »The Homotherium finds from Schöningen 13II-4 and big cats of the Ice Age« abgehalten. Dieser Band basiert auf den Vorträgen und gibt einen Überblick über ein für die Entwicklung des Menschen entscheidendes Thema – unser Zusammenleben mit großen Raubkatzen. Ziel ist es, die vielfältigen Themen vom fossilen Beleg der europäischen Säbelzahnkatze, der Frage ihres Aussterbens, aktualistische Vergleiche zu heutigen Raubkatzen und die Rezeption und Beziehung von Menschen zu Raubkatzen zu thematisieren. 

Andrea Sinclair

Outlooks on the International Koiné Style
Hybrid Visual Idiom from New Kingdom Elite Iconography

Ägyptologische Studien Leipzig, Band 3

Die Spätbronzezeit des Nahen Ostens ist bekannt für eine verstärkte politische und wirtschaftliche Interkonnektivität, da die Könige reicher Staaten wie Ägypten und Hatti bei der Jagd nach wertvollen Rohstoffen und Technologien miteinander konkurrierten. Ein Ergebnis dieser Interaktion soll die Schaffung einer gemeinsamen visuellen Kultur der Elite sein, ein Idiom des Königtums, das in der Forschung als "Internationaler Stil" bezeichnet wurde. Diese Dissertation kritisiert das Modell und untersucht Beweise für diesen sogenannten Stil aus Ägypten, insbesondere in Bezug auf Artefakte aus dem Grab von Tutanchamun, die in der Vergangenheit mit diesem Stil in Verbindung gebracht wurden. Sie stellt das Modell für einen gemeinsamen Stil aus Ägypten in Frage und schlägt stattdessen einen internen Wert innerhalb der königlichen Rhetorik der 18. Dynastie vor.

Heiko Steuer, Ulrich Zimmermann (Hrsg.)

Montanarchäologie in Europa
Berichte zum Internationalen Kolloquium »Frühe Erzgewinnung und Verhüttung in Europa« in Freiburg im Breisgau vom 4. bis 7. Oktober 1990

Archäologie und Geschichte – Freiburger Forschungen zum ersten Jahrtausend in Südwestdeutschland, Band 4

Ausgehend von den Vorträgen eines internationalen und interdisziplinär angelegten Symposiums (Oktober 1990) in Freiburg/Br. bietet der Band einen Überblick über die neuesten montanarchäologischen Untersuchungen in fast ganz Europa. Der Bogen der über 40 Beiträge spannt sich zeitlich vom urgeschichtlichen bis hin zum frühneuzeitlichen Bergbau. Berücksichtigt ist die Gewinnung von Gold und Silber, von Buntmetallen sowie von Eisen, wobei der Weg vom Erzabbau über die Verhüttung bis zur Weiterverarbeitung der Rohmetalle aufgezeigt wird und Schlagworte wie Arbeitsverhältnisse und Umwelteinflüsse die thematische Vielfalt des Bandes andeuten. Das mit einem umfangreichen Ortsregister und mit über 300 Abbildungen ausgestattete Buch zeigt anschaulich die Forschungsansätze, Methoden und bisherigen Ergebnisse der Montanarchäologie auf.

Kristina Nowak-Klimscha

Die früh- bis hochmittelalterliche Wüstung Twesine im Hochsauerlandkreis
Siedlungsentwicklung an der Grenze zum Frankenreich

Bodenaltertümer Westfalens, Band 54

Am Fuße des Bergplateaus der Eresburg – dem heutigen Obermarsberg – befindet sich die früh- bis hochmittelalterliche Wüstung Twesine. Für die Geschichte Westfalens hat diese Siedlung eine besondere Bedeutung, da hier frühe Relikte der Kupferverhüttung entdeckt wurden. Die Abfallprodukte der Kupfer- und Eisengewinnung finden sich in Twesine in einer bis zu 60 cm hohen und 3000 m2 großen Halde. Sie zeugen von allen Stufen der Metallverarbeitung, für die die Lagerstätten am Obermarsberg ausgebeutet wurden. Kristina Nowak-Klimscha geht der Frage nach, ob die Siedlung mit den hier vorhandenen metallurgischen Kenntnissen zusammen mit der Eresburg zum Spielball der macht- und wirtschaftspolitischen Interessen Karls des Großen in den Sachsenkriegen wurde.
Die vorliegende Arbeit wurde 2014 an der Ruhr-Universität Bochum als Dissertation angenommen.

Hans Ulrich Nuber, Karl Schmid, Heiko Steuer, Thomas Zotz (Hrsg.)

Archäologie und Geschichte des ersten Jahrtausends in Südwestdeutschland

Archäologie und Geschichte – Freiburger Forschungen zum ersten Jahrtausend in Südwestdeutschland, Band 1

Der 1984 ins Leben gerufene Forschungsverbund »Archäologie und Geschichte des ersten Jahrtausends in Südwestdeutschland« hat sich zum Ziel gesetzt, im interdisziplinären Gespräch die frühe Geschichte des deutschen Südwestens zu ergründen. Der erste Band der gleichnamigen Reihe enthält 15 Beiträge renommierter Historiker, die aus ihren Tätigkeitsbereichen - der provinzialrömischen und frühgeschichtlichen Archäologie sowie der mittelalterlichen Landesgeschichte - die neuesten Ergebnisse der Forschung präsentieren. Den geographischen Schwerpunkt der Untersuchungen bildet das Gebiet zwischen oberem Rhein und oberer Donau, zwischen Schweizer Jura und Schwäbischer Alb, Burgundischer Pforte und Fränkischem Ries. Der zeitliche Bogen erstreckt sich von der Keltenzeit und der römischen Besetzung des Landes bis zur Epoche der Formierung hochmittelalterlicher Adelshäuser und landesherrlicher Territorien. Dabei gilt die besondere Aufmerksamkeit des Forschungsverbunds den Perioden des Umbruchs in der Geschichte, dem Wechsel von Bevölkerungen und dem Wandel gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Strukturen ebenso wie der Einführung technischer Innovationen. Das mit einem umfangreichen Register und vielen Abbildungen ausgestattete Buch führt anschaulich in die Methodik und Arbeitsweise der altertumskundlichen Wissenschaften ein. Es ist daher ein unerläßliches Kompendium für Studierende und Fachgelehrte, aber auch für den an Landeskunde interessierten Laien.

Ute Kelp, Wolf-Rüdiger Teegen (Hrsg.)

Wealthy and Healthy? Methodological Approaches to Non-Élite Burials
Panel 1.2

Archaeology and Economy in the Ancient World – Proceedings of the 19th International Congress of Classical Archaeology, Cologne/Bonn 2018, Band 1

Die Analyse antiker Gesellschaften jenseits politischer Systeme, Hauptakteure und Eliten ist in hohem Maße auf archäologische Hinterlassenschaften angewiesen. Zahlreich erhalten sind Gräber und Grabdenkmäler, die als Primärzeugnisse eine aussagekräftige antike Quellengattung darstellen. Allerdings können Nekropolen und Bestattungen weder als Spiegel sozialer Verhältnisse gewertet werden, noch ist eine dichotomische Darstellung der Gesellschaft als Gegensatz zwischen reichen Eliten und einer Masse von mehr oder weniger Armen angemessen. Stattdessen ist eine Kombination verschiedener Kriterien für eine weiterführende Gräberanalyse notwendig. Insbesondere menschliche Skelette sind erstklassige bio-historische Quellen, denn Wohlstand und Gesundheit stehen auch in der Antike in unmittelbarem Zusammenhang und menschliche Überreste verraten anhand der Untersuchung von Ernährung und Gesundheit viel über den Status der Verstorbenen.

Die Beiträge in diesem Band thematisieren das Verhältnis zwischen materieller Kultur, Gesundheit und gesellschaftlichem Status, wobei in der Funeralarchäologie verschiedene methodische Ansätze aus den archäologisch-historischen Wissenschaften sowie den Sozial- und Naturwissenschaften zur Anwendung kommen. Die Gräber nicht zur Elite zählender Bevölkerungsgruppen werden zum einen mit Blick auf das soziale Gefüge und den Lebensstil der Verstorbenen erforscht, zum anderen hinsichtlich der Vorstellungen und Ideologien der Hinterbliebenen, die im Bestattungsvorgang und durch die Praktiken am Grab zum Ausdruck kommen. Der Band vereinigt eine Reihe von Fallstudien, die als Kontextanalysen deutlich über den Grabbereich hinausweisen.

 

 

Matylda Gierszewska-Noszczyńsk, Lutz Grunwald (Hrsg.)

Zwischen Machtzentren und Produktionsorten
Wirtschaftsaspekte von der römischen Epoche bis in das Hochmittelalter am Rhein und in seinen Nachbarregionen

RGZM – Tagungen, Band 45

Am 12. November 2018 wurde in Ingelheim am Rhein ein Kooperationsabkommen zwischen der dort ansässigen Forschungsstelle Kaiserpfalz und dem Römisch-Germanischen Zentralmuseum, Leibniz-Forschungsinstitut für Archäologie, unterzeichnet. Damit wurden jene engen Verbindungen schriftlich verstetigt, die schon seit der Mitte des 19. Jahrhunderts zwischen den Mainzer Wissenschaftlern und den Erforschern der Ingelheimer Kaiserpfalz bestanden hatten. Im Fokus der zukünftigen Kooperation stehen besonders europäische Wirtschaftsaspekte und Themen der überregionalen Materialforschung. Erste Früchte dieser Zusammenarbeit konnten bei interdisziplinär angelegten Tagungen am 12. und 13. November 2018 in Ingelheim sowie am 28. und 29. November 2019 in Mayen vorgestellt werden. Diese Veranstaltungen dienten zugleich dem intensiven Austausch mit Wissenschaftlern aus dem In- und Ausland. Die Resultate beider Tagungen sind in diesem Tagungsband zusammengeführt. In 25 Fachbeiträgen werden die Grundlagen des Handels im Rheinland und seinen Nachbarregionen sowie die Vorgänge des Warenaustausches zwischen Machtzentren, ländlichen Regionen und Produktionsstätten im Zeitraum von der römischen Epoche bis in das Hochmittelalter aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet. Sowohl für die großräumigen Entwicklungstendenzen und die Beziehungen zwischen unterschiedlichen Wirtschaftsregionen als auch für die Produktionsstätten und die Vermarktungsrouten bieten die Beiträge richtungsweisende Ausführungen, grundlegende Darstellungen und außergewöhnliche Beschreibungen. Sie bilden die Basis für zukünftige Forschungen in an das Rheinland anschließenden Teilen Europas, die im Rahmen der Kooperation geplant sind und in weiteren Tagungen ihren Niederschlag finden sollen.

Johannes Preiser-Kapeller, Taxiarchis G. Kolias, Falko Daim (Hrsg.)

Seasides of Byzantium
Harbours and Anchorages of a Mediterranean Empire

Byzanz zwischen Orient und Okzident, Band 21

In den letzten Jahren hat das Interesse an der Erforschung maritimer Anlagen und Netzwerke im römischen und byzantinischen Mittelmeerraum stark zugenommen, was durch verschiedene Projekte und Publikationen dokumentiert wird.
Die Tagung »Seasides of Byzantium. Harbours and Anchorages of a Mediterranean Empire«, aus der die im vorliegenden Band versammelten Beiträge hervorgegangen sind, fand 2017 in Athen im Rahmen einer Kooperation zwischen dem DFG-geförderten Sonderforschungsbereich (SPP 1630) »Häfen von der Römischen Kaiserzeit bis zum Mittelalter« und der National Hellenic Research Foundation statt. Es vereinte Historiker, Archäologen und Geoarchäologen, um Häfen und Ankerplätze als zentrale maritime Infrastruktur des spätrömischen und byzantinischen Reiches zu untersuchen.
Allgemeine Phänomene wie die Organisation der byzantinischen Marine und ihre Operationen oder Leuchttürme werden in diesem Band ebenso diskutiert wie neue geoarchäologische Forschungsmethoden in der Hafenarchäologie. Die meisten Beiträge des vorliegenden Bandes untersuchen Fallstudien für die wichtigste maritime Kernregion des Byzantinischen Reiches, die Ägäis. Dieses Meer verband nach dem Verlust Syriens, Palästinas, Ägyptens und Nordafrikas an die Araber im 7. Jahrhundert n.Chr. die verbliebenen Provinzen des Reiches in Südosteuropa und Kleinasien. Neben dem technischen und geographischen Aspekt machen die Studien in diesem Band deutlich, dass wir verstärkt die soziale Einbettung der Seegebiete von Byzanz erforschen müssen, um ihre Dynamik in ihrer ganzen Komplexität zu verstehen.

Friderike Senkbeil

Tacitus und Rom
Die urbs Roma als Raum der erzählten Welt in den Historien und Annalen

In dieser Untersuchung geht es um die literarische Konstruktion des stadtrömischen Raumes in den historiographischen Werken des Tacitus. Im Vordergrund steht die Frage, wie die Stadt Rom, ihre urbanen Räume und Einzeltopographien in den beiden historiographischen Texten des Tacitus wahrgenommen, dargestellt, semantisiert und schließlich funktionalisiert werden.
Intendiert wird somit, im Vergleich zu anderen literarischen Stadtbildern und dem materiellen Rom der mittleren Kaiserzeit, das spezifisch taciteische Rombild herauszuarbeiten, das im Kontext der traianischen Zeit im Zuge einer spezifischen Vergangenheits- und somit Erinnerungskonstruktion ein subjektives Romerlebnis widerspiegelt, welches exemplarisch ein wichtiges Zeugnis des damaligen Werte- und Normensystems darstellt.

Max Engel, Friederike Stock, Helmut Brückner (Hrsg.)

Coastal Geoarchaeology in the Mediterranean – on the Interdependence of Landscape Dynamics, Harbour Installations and Economic Prosperity in the Littoral Realm
Panel 2.3

Archaeology and Economy in the Ancient World – Proceedings of the 19th International Congress of Classical Archaeology, Cologne/Bonn 2018, Band 5

Die Küsten des Mittelmeers sind hochdynamische Landschaftbereiche, die sich innerhalb der vergangenen etwa sechs Jahrtausende im Fall progradierender Deltaebenen um bis zu mehrere Zehner Kilometer lateral verschoben haben. Dieser Prozess führte zur Gefährdung zahlreicher antiker Hafenanlagen und schließlich auch zu deren Trennung von der Küste, was schwerwiegende politische und ökonomische Folgen für die städtischen Zentren und ihr Hinterland mit sich brachte. Gleichzeitig führte der Anstieg des relativen Meeresspiegels stellenweise zur Versalzung von Grundwasserleitern und demnach zu nachteiligen Auswirkungen auf die landwirtschaftliche Produktion. Diese Sammlung an Beiträgen des Panel 2.3 „Coastal geoarchaeology in the Mediterranean – on the interdependence of landscape dynamics, harbour installations and economic prosperity in the littoral realm“ behandelt diese Themen für verschiedene B+ereiche des Mittelmeerraums in den letzten 2500 Jahren. Die dargestellten Studien zeigen erfolgreich, wie geowissenschaftliche Daten entweder zur Lokalisierung von Häfen beitragen oder wie sie die Interpretation archäologischer Überreste und Literaturquellen antiker Autoren maßgeblich unterstützen. Jeder Beitrag ist insofern ein eindrucksvolles Beispiel für die Relevanz interdisziplinärer Ansätze in der Archäologie, wie sie im Konzept der Geoarchäologie zusammengefasst sind.

Claus-Joachim Kind (Hrsg.)

Löwenmensch und mehr
Die Ausgrabungen 2008–2013 in den altsteinzeitlichen Schichten der Stadel-Höhle im Hohlenstein (Lonetal), Gemeinde Asselfingen, Alb-Donau-Kreis

Forschungen und Berichte zur Archäologie in Baden-Württemberg, Band 15

Der Hohlenstein im Lonetal (Gem. Asselfingen, Alb-Donau-Kreis) zählt zu den bedeutendsten altsteinzeitlichen Fundstellen Süddeutschlands. Bekannt wurde er vor allem durch den 1935 gefundenen „Löwenmenschen“ – eine einzigartige, aus Mammutelfenbein geschnitzte Darstellung eines Mischwesens aus der Zeit des frühen Jungpaläolithikums vor etwa 35.000 bis 40.000 Jahren. Der Hohlenstein gehört zu einer Gruppe von Höhlen auf der Schwäbischen Alb, aus denen die ältesten bekannten Belege figürlicher Kunst der gesamten Menschheitsgeschichte stammen und die aus diesem Grund seit 2017 UNESCO-Weltkulturerbe sind.

Da der aktuelle Erhaltungszustand der Schichten in der Höhle weitgehend unbekannt war, wurden zwischen 2008 und 2013 vom Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart neue Ausgrabungen durchgeführt. Es stellte sich heraus, dass sowohl im Höhleninneren als auch auf dem Vorplatz noch intakte fundführende Schichten vorhanden sind. Überraschend kamen dabei auch weitere Fragmente der Figur des Löwenmenschen zutage.

Francesco D'Andria, Grazia Semeraro (Hrsg.)

Messapia: Economy and Exchanges in the Land between Ionian and Adriatic Sea
Panel 3.9

Archaeology and Economy in the Ancient World – Proceedings of the 19th International Congress of Classical Archaeology, Cologne/Bonn 2018, Band 12

Seit der Bronzezeit hat die geographische Lage Messapiens zwischen dem ionischen und dem adriatischen Meer die Entwicklung von Beziehungen ermöglicht, die sich durch Kontinuität im Rahmen der Mobilität im Mittelmeer auszeichnen. Dieser Band konzentriert sich auf bestimmte Aspekte der Wirtschaft in Messapien, insbesondere auf bioarchäologische Themen (einschließlich der Viehzucht und des Verbrauchs tierischer Ressourcen), die Textilproduktion (die mit Hilfe archäometrischer Methoden Stoffreste analysiert) und die Einfuhr von Luxusprodukten aus griechischen Städten und den griechischen Kolonien Süditaliens. Das Vorhandensein von importierten Prestigegegenständen in Grabbeigaben wurde in Bezug auf die Formen der Selbstdarstellung des messapischen Adels sowohl bei Begräbnisritualen als auch bei Machtdemonstrationen innerhalb der Siedlungen untersucht. Die Vielfalt der religiösen Ausdrucksformen in der Welt Messapiens stellt eine besondere Fallstudie dar, die mit dem Kulturaustausch verbunden ist und die dank der jüngsten Entdeckungen von Kultstätten nun im Detail untersucht werden kann. Wichtig in diesem Zusammenhang sind die Entdeckungen in Castro, wo das Athenaion - verbunden mit dem Mythos von der ersten Landung Äneas' an den Küsten Italiens - identifiziert wurde.

Institute of Philosophy, Prag und Jan Bažant

Statues of Venus
From Antiquity to the Present

Das Ziel dieses Buches ist die Erforschung der Venus-Statuen. Im Laufe der Jahrhunderte haben sie sich dem Aussehen an reale Frauenbilder mal mehr, mal weniger stark angenähert. Von der Antike bis ins 21. Jahrhundert schwankten die Bildhauer zwischen der idealen (und daher faden) Schönheit, die die Göttin charakterisiert, und den verführerischen Formen des Körpers einer lebendigen Frau, die sich aus verschiedenen Gründen nie ganz behaupten konnten. In der Antike wurde dies durch die Tatsache verhindert, dass die Statue eine Göttin darstellte; im nachantiken Europa lag es vor allem an dem Tabu, weibliche Nacktheit darzustellen. Venus hätte als nackte Frau mit allen rassigen Details dargestellt werden können, aber der Betrachter hätte eine solche Darstellung kaum ernst genommen. Die Künstler hätten auf attraktive Merkmale des weiblichen Körpers verzichten können, aber wie hätte der Betrachte die Darstellungen dann als Venus, der Mutter des Amor, erkannt?

Caterina Parigi (Hrsg.)

Recycling and Reuse of Sculpture in Roman and Late Antique Times
Panel 6.8

Archaeology and Economy in the Ancient World – Proceedings of the 19th International Congress of Classical Archaeology, Cologne/Bonn 2018, Band 37

Die Wiederverwendung von Skulpturen war eine typische Praxis in der Antike und wurde in unterschiedlicher Art und Weise in mehreren Orten und Zeiten ausgeübt.
Der Band konzentriert sich auf zwei Aspekte dieses Phänomens: Auf der einen Seite wurden Skulpturen und ihre Teile als Baumaterial wiederverwendet. Auf der anderen Seite behielten die Skulpturen ihre Funktion bei und wurden als Kunstwerke wiederverwendet.
Die Praxis bringt mit sich eine Reihe von Konsequenzen in Zusammenhang mit dem sozio-ökonomischen Aspekt. Eine große Rolle für die Wiederverwendung spielt der Wirtschaftsfaktor, deswegen muss steht berücksichtigt werden; sowie die Schwierigkeit in der Spätantike neue angefertigten Skulpturen zu beschaffen. Die Wiederverwendung ist aber eine komplexe Praxis, die nicht nur auf die spätantike Zeit beschränkt ist und dessen Beweggründe vielseitiger sind. Die Wiederverwendung von Skulpturen als Baumaterial kann manchmal ästhetische Gründe haben und zeigt einen deutlichen Verweis auf älteren Epochen.
Der Band fokussiert auf die römische und spätantike Zeit. Ziel ist es, die Kontinuität und die Komplexität des Phänomens zu zeigen. Durch die Diskussion und den Vergleich mehrerer Fallstudien aus unterschiedlichen Kontexten werden Ähnlichkeiten und lokalen Besonderheiten hervorgehoben.