Enrico Giorgi , Giuseppe Lepore , Anna Gamberini (Hrsg.)

Boundaries Archaeology: Economy, Sacred Places, Cultural Influences in the Ionian and Adriatic Areas
Panel 7.3

Archaeology and Economy in the Ancient World – Proceedings of the 19th International Congress of Classical Archaeology, Cologne/Bonn 2018, Band 39

Die Gebiete des adriatisch-ionischen Raums waren sowohl aus politischer als auch aus kultureller Sicht voneinander abgegrenzt, sodass sie einen hervorragenden Raum für das Studium antiken wirtschaftlichen und kulturellen Austauschs darstellen. Dieses Aufeinandertreffen von Kulturen führte zu wechselseitigen Einflüssen und zu kultureller Osmose auf verschiedenen Ebenen und zu verschiedenen Zeiten. Unterschiedliche historische und geographische Rahmenbedingungen führten hierbei oftmals zu ähnlichen Ergebnissen.

Jüngste archäologische Forschungen lassen dabei vermuten, dass Heiligtümer und heilige Orte geeignete Kontexte sind, in denen diese Phänomene analysiert werden können, da sie in ihrer Rolle als Begegnungsorte und Stätten kultureller Unterweisung besonders von wirtschaftlichen und politischen Interessen geprägt wurden.

Die in diesem Buch gesammelten Beiträge behandeln diese Themen aus verschiedenen Blickwinkeln, einschließlich Studien zur Geschichtsschreibung, zur materiellen Kultur und zur Numismatik. Die Fallstudien des adriatischen Raumes konzentrieren sich auf die Westküste und insbesondere auf den Bereich des Ager Gallicus und Picenum, wobei hier ein besonderer Schwerpunkt auf jenen Zeiten liegt, welche der Etablierung der römischen Herrschaft in diesem Gebiet vorausgehen und diese mit einschließen (3. / 2. Jh. v. Chr.). Die Fallstudien des südadriatischen und ionischen Raumes konzentrieren sich hingegen auf Apulien und das Gebiet von Illyrien und Epirus von archaischer Zeit bis zum Beginn der Römerzeit (4. – 1. Jh. v. Chr.).

Verena Gassner (Hrsg.)

Regional exchange of ceramics – case studies and methodology
Panel 5.7

Archaeology and Economy in the Ancient World – Proceedings of the 19th International Congress of Classical Archaeology, Cologne/Bonn 2018, Band 30

Gefäße und andere Objekte aus Keramik stellen eine wichtige Quelle für die Rekonstruktion von Tausch und Handel in antiken Gesellschaften dar, da sie in großen Mengen verfügbar sind und ihre Herkunft oft mit archäologischen und archäometrischen Methoden bestimmt werden kann. Studien zum Handel mit Keramik konzentrieren sich jedoch zumeist auf den Fernhandel, da die Unterschiede von Waren und Formtypen zwischen Produkten aus weit auseinanderliegenden Gebieten leichter erkannt werden können. Das hat gemeinsam mit dem psychologischen Faktor, dass Gegenstände des Fernhandels oft größere Aufmerksamkeit finden, dazu geführt, dass Objekte des Fernhandels in der archäologischen Forschung eine überdimensionale Aufmerksamkeit gefunden haben, während der regionale Austausch von Gütern zwischen benachbarten Städten bisher wenig erforscht wurde, obwohl er wichtige Einblicke in die Beziehungen zwischen diesen Städten ermöglichen würde.
Einer der Gründe dafür liegt sicherlich in der Schwierigkeit, dass Keramikprodukte aus benachbarten Regionen häufig nur schwer unterschieden werden können, da sie oft dasselbe Formenrepertoire sowie Dekorationsstile aufweisen.
Dieses Panel stellt Fallstudien aus unterschiedlichen Perioden und Regionen des Mittelmeerraums vor, die sich mit der Problematik der Rekonstruktion von Netzwerken des regionalen Austausches beschäftigen, aber auch ihre Bedeutung für die Wirtschaft der antiken Städte zeigen.

Gert Goldenberg , Jürgen Otto , Heiko Steuer (Hrsg.)

Archäometallurgische Untersuchungen zum Metallhüttenwesen im Schwarzwald

Archäologie und Geschichte – Freiburger Forschungen zum ersten Jahrtausend in Südwestdeutschland, Band 8

Gegenstand des Bandes ist das Metallhüttenwesen im Schwarzwald. Ein erster Beitrag befasst sich mit technologischen Einwicklungen bei der Verhüttung von Blei.-, Silber- und Kupfererzen im Zeitraum vom 11. bis 19. Jahrhundert. Es werden Grundlagen zur Metallhüttenkunde vermittelt und die Hinterlassenschaften ehemaliger Hüttenwerke aus archäologischer und materialkundlicher Sicht beschrieben, analysiert und interpretiert. Ein zweiter Beitrag beschäftigt sich mit der historischen Gewinnung und Nutzung von Antimonerzen. Das Werk erscheint als Band 8 in der Reihe »Archäologie und Geschichte Freiburger Forschungen zum ersten Jahrtausend in Südwestdeutschland«.

Isidor Brodersen

Lukians „Wie man Geschichte schreiben soll“
… und andere Geschichten über Redlichkeit

Mainzer Althistorische Studien (MAS), Band 8

Lukian von Samosata (2. Jh. n.Chr.) ist vor allem als Autor humoristischer Werke und Satiren bekannt. In seinem Œvre findet sich allerdings auch die einzige Schrift der Antike, die sich ausführlich und explizit mit der Geschichtsschreibung und ihren Regeln befasst. Sie ist damit eine wichtige Quelle für die Erforschung antiker Historiographie.

Gerade bei Lukian muss allerdings gefragt werden, ob seine Schrift tatsächlich in erster Linie die Belehrung in Geschichtsschreibung zum Ziel hat. Diese Studie möchte sich dieser Frage widmen, indem die Schrift „Wie man Geschichte schreiben soll“ nicht im Kontext des historiographischen Diskurses gelesen wird, sondern als Teil von Lukians literarischem Spiel. Als Autor der Zweiten Sophistik gelingt es Lukian, unter dem Deckmantel historiographischer Belehrung vor allem für das Amüsement seines Publikums zu sorgen.

In Verbindung mit zwei anderen Schriften Lukians wird das Bild eines Autors deutlich, der sich nicht nur sicher auf dem Boden der Klassiker bewegt, sondern auch in der Lage ist, durch die Inszenierung des Klassischen und Vorführung von Zeitgenössischem auf amüsante Weise Kritik zu üben. Geschichtsschreibung in „Wie man Geschichte schreiben soll“, Erzählkunst in den „Wahren Geschichten“ und die Orakelgläubigkeit der Zeitgenossen in „Alexander“ werden damit für Lukian zu Mitteln, sich selbst und seine Leser von Scheingebildeten und Hochstaplern abzusetzen. Das literarische Spiel wird somit vornehmlich zu einem Mittel der Selbstvergewisserung und der Distinktion innerhalb der Zweiten Sophistik.

 

Die Online-Bereitstellung des Bandes erfolgt mit freundlicher Unterstützung des Verlag Dr. Kovač.
Der Titel steht unter der Lizenz Creative Commons Licenz 4.0 (CC BY-NC- ND 4.0) und damit ausschließlich als Gesamtdatei zum Download zur Verfügung.

Sebastian Brather , Jürgen Dendorfer (Hrsg.)

Grenzen, Räume und Identitäten
Der Oberrhein und seine Nachbarregionen von der Antike bis zum Hochmittelalter

Archäologie und Geschichte – Freiburger Forschungen zum ersten Jahrtausend in Südwestdeutschland, Band 22

Ein neuer, möglichst unvoreingenommener Blick auf räumliche Strukturen erweist sich als entscheidende Voraussetzung, um die Forschung von starren Vorannahmen und Modellen zu lösen. Damit gelingt es, bisherige und notgedrungen stark vereinfachende Leiterzählungen durch komplexe Rekonstruktionen zu ersetzen. Jenseits großer Linien erweisen sich räumliche Beziehungen und Strukturen als flexibel und veränderlich. Die in diesem Band versammelten Beiträge unterstreichen, wie unterschiedlich Ansätze und Perspektiven ausfallen können, auch wenn sie sich mit dem scheinbar selbstverständlichen „Raum“ befassen. In dieser Öffnung jenseits deterministischer Raumbegriffe und -vorstellungen, die auch die Geographie längst vollzogen hat, liegen neue Chancen archäologischer und historischer Studien.

Florian Battistella

Pelagius I. und der Primat Roms
Ein Beitrag zum Drei-Kapitel-Streit und zur Papstgeschichte des 6. Jahrhunderts

Mainzer Althistorische Studien (MAS), Band 7

Der (ost-)römische Kaiser Justinian I. (527–565) ist für seine Wiedereroberung Italiens und seine Rechtskodifikationen bekannt. Wie viele seiner Vorgänger war auch er um die religiöse Einheit der Christenheit bemüht. In diesem Zusammenhang verurteilte er die sogenannten Drei Kapitel, was allerdings zu langanhaltenden theologischen Auseinandersetzungen führte.

Die kaiserliche Maßnahme wurde vom Zweiten Konzil von Konstantinopel (553) bestätigt und vom römischen Bischof Vigilius (537–555) übernommen. Vigilius hätte die kaiserliche Position im Westen vertreten, doch er verstarb auf der Rückreise von Konstantinopel. Somit war die Kontroverse im Westen nicht beendet. Viele Christen lehnten die Verurteilung der sogenannten Drei Kapitel weiterhin ab. Pelagius I. (556–561), Vigilius‘ Nachfolger als Bischof von Rom, war ursprünglich ein Gegner der Verurteilung, vertrat aber nun den justinianischen Standpunkt.

Die Studie sucht nach Gründen für Pelagius‘ überraschend wirkende Nachfolge und fragt danach, wie er seine Position legitimieren und sichern konnte angesichts der theologischen Differenzen, die gerade auf der italienischen Halbinsel besonders ausgeprägt scheinen.

Durch eine eingehende Analyse zahlreicher Briefe Pelagius’ I. zeigt Florian Battistella die Vielschichtigkeit der Kontroverse auf. Er macht deutlich, dass der Drei-Kapitel-Streit mehr ist als eine bloße theologische Auseinandersetzung zwischen griechischem Osten und lateinischem Westen. Pelagius I. und der Primat Roms ist somit ein Aufruf, die theologischen Entwicklungen des sechsten nachchristlichen Jahrhunderts aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

 

Die Online-Bereitstellung des Bandes erfolgt mit freundlicher Unterstützung des Verlag Dr. Kovač.
Der Titel steht unter der Lizenz Creative Commons Licenz 4.0 (CC BY-NC- ND 4.0) und damit ausschließlich als Gesamtdatei zum Download zur Verfügung.

Dietrich Klaus Hartmann

Die ehemalige katholische Pfarrkirche St. Georg in Burladingen

Archäologische Berichte, Band 33

Die ehemalige Pfarrkirche St. Georg in Burladingen auf der Zollernalb (Baden-Württemberg) ist in ihrem heutigen Erscheinungsbild ein Bau des Spätbarocks. Die im Jahr 1982 vorgenommenen archäologischen Untersuchungen wiesen jedoch eine Reihe von Vorgängerbauten nach, deren frühester sich in das 8. Jahrhundert datieren lässt. Mehr als drei Jahrzehnte nach der Ausgrabung erfolgt in diesem Band eine detaillierte Auswertung. Danach kann in Burladingen eine für die schwäbischen Alb typische Geschichte und Bauabfolge einer ländlichen Kirche nachgewiesen werden. Am Anfang steht im 8. Jahrhundert ein einfacher frühmittelalterlicher Kirchenbau, der seinerseits auf einem bereits bestehenden Friedhof errichtet wurde. Es folgen mehrere hoch- und spätmittelalterliche Bauphasen, bevor in der frühen Neuzeit ein grundlegender Neubau zum heutigen Aussehen der Kirche führte. Die für eine Kirchengrabung ungewöhnlich große Anzahl an Funden – insbesondere Keramik – bereichert das für diesen Raum bislang eher spärlich bekannte Material. St. Georg in Burladingen ist ein wichtiger Mosaikstein für die Erforschung der ländlichen Kirchen im  südöstlichen Baden-Württemberg, worüber der Autor im Jahr 2019 eine zusammenfassende Übersicht veröffentlicht hat.

Antje Bosselmann-Ruickbie (Hrsg.)

New Research on Late Byzantine Goldsmiths’ Works (13th-15th Centuries)
Neue Forschungen zur spätbyzantinischen Goldschmiedekunst (13.-15. Jahrhundert)

Byzanz zwischen Orient und Okzident, Band 13

Dieser Band umfasst 13 Vorträge der Konferenz »New Research on Late Byzantine Goldsmiths‘ Works (13th-15th Centuries) – Neue Forschungen zur spätbyzantinischen Goldschmiedekunst (13.-15. Jahrhundert)«, die im Oktober 2015 im Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz stattfand. Die Beiträge beschäftigen sich mit der materiellen Kultur der spätbyzantinischen Goldschmiedekunst, z.B. Kreuze, Reliquiare, Schmuck, Emailarbeiten und Edelsteine, und spannen einen weiten geographischen Rahmen von Byzanz zu vielen seiner Nachbarn wie Russland, Trapezunt, Serbien und Kreta. Darüber hinaus liefern schriftliche Quellen zu byzantinischen Goldschmieden, ihrem Handwerk und der Herkunft von Edelmetallen Hinweise auf die Goldschmiedekunst in Byzanz während seiner langen Geschichte.

Alejandro García-Moreno et al. (Hrsg.)

Human behavioural adaptations to interglacial lakeshore environments

RGZM – Tagungen, Band 37

Im Laufe der menschlichen Evolution ist uns die Anpassung an verschiedenste Klimabedingungen und Lebensräume immer wieder erfolgreich gelungen. Solche Anpassungen lassen sich insbesondere in warmzeitlichen Umwelten exzellent erforschen.
In der nordeuropäischen Tiefebene kommt es während der Warmzeiten häufig zu Flutungsereignissen von Senken, die zur Bildung von durch Binnenseen geprägten Landschaften führen. Diese Lebenswelten zeichnen sich durch eine außergewöhnlich hohe ökologische Diversität aus und bieten örtlich konzentrierte  und vorhersagbare Ressourcen. Zahlreiche archäologische Fundstellen vom Paläolithikum bis ins Mesolithikum mit außergewöhnlichem Datenpotential sind in diesen Binnensee-Landschaften bewahrt.
Viele dieser archäologischen Fundstätten sind als Orte bekannt, an denen Menschen Tiere jagten und schlachteten, Rohmaterial zur Geräteherstellung zusammentrugen, Steinartefakte herstellten und sich dem Sammeln pflanzlicher und aquatischer Ressourcen widmeten. Diese Fundstätten sind in Ablagerungen von Feuchtgebieten eingebettet, deren vorteilhafte Bedingungen die Überlieferung von organischen und botanischen Überresten begünstigen. Damit stellen sie ein außergewöhnliches Archiv für eine detaillierte Analyse der menschlichen Anpassungsfähigkeit in sich verändernden, dynamischen Umwelten bereit.
In diachroner Perspektive vom Mittleren Pleistozän bis hin zum Holozän, stellt die vorliegende Anthologie verschiedene Aspekte warmzeitlicher Fundstätten in Seenlandschaften zur Illustration menschlicher Überlebensstrategien unter ähnlichen Umweltbedingungen zusammen.
Dieser Band trägt zum Kernforschungsthema “Menschliche Verhaltensstrategien in warmzeitlichen Umwelten” des Archäologischen Forschungszentrums und Museums für menschliche Verhaltensevolution MONREPOS (RGZM) (Neuwied, D) bei. Ziel dieser Forschung ist eine ganzheitliche und diachrone Analyse menschlicher Überlebensstrategien in ähnlichen Umweltbedingungen, um die Entwicklung menschlichen Verhaltens zur Existenzsicherung zu dokumentieren und um einzuschätzen, ob bestimmte Verhaltensänderungen als direkte Reaktion auf unterscheidbare Umweltbedingungen zurückzuführen sind.

Ludger Körntgen , Jan Kusber , Johannes Pahlitzsch , Filippo Carlà-Uhink (Hrsg.)

Byzanz und seine europäischen Nachbarn
Politische Interdependenzen und kulturelle Missverständnisse

Byzanz zwischen Orient und Okzident, Band 17

Kulturelle Missverständnisse stellen einerseits eine Grundbedingung interkultureller Kommunikation dar, können andererseits aber auch als Modus oder Ergebnis von Interkulturalität und transkulturellen Beziehungen verstanden werden. Dabei gibt es sowohl unreflektierte als auch provozierte oder politisch ausgenutzte Missverständnisse bzw. vermeintliche Missverständnisse, die reale politische oder kirchenpolitische Interessensgegensätze verdecken, wie auch Missverständnisse der Forschung, die mitunter vorschnell ein Missverständnis konstatiert, wo Logik und Sinnzusammenhang sich nicht sofort erschließen. Derlei Missverständnisse bestimmten das politisch-kulturelle Beziehungsgefüge zwischen Byzanz, dem lateinisch geprägten Westen und der slavischen Welt, die sich allesamt als Teile der christlichen Ökumene begriffen und über viele Jahrhunderte in engem politischen und kulturellen Kontakt standen. Der Untersuchung dieses Phänomens widmen sich im vorliegenden Band Vertreterinnen und Vertreter von Geschichtswissenschaft, Byzantinistik, Kunstgeschichte und Theologie.

Nadja S. Braun

Bilder erzählen
Visuelle Narrativität im alten Ägypten

Ägyptologische Studien Leipzig, Band 2

Die Monografie widmet sich bildlichem Erzählen und überträgt etablierte Erzähltheorien auf altägyptische Quellen. Ziel ist eine Systematik für die Analyse ägyptischer Bildquellen. Davon ausgehend werden zum einen Darstellungen in Tempeln und königlichen sowie nichtköniglichen Gräbern und zum anderen Bilder aus dem Alltag - insbesondere Scherbenbilder - im Hinblick auf Bildnarration untersucht. Berücksichtigung finden außerdem historische Erzählbilder und deren Einfluss auf die Erinnerungskultur.

Eva Maria Mateo Decabo

Politik der kleinen Form
Paraklausithyron und Recusatio bei Properz, Tibull, Horaz und Ovid

Im Mittelpunkt der Dissertation Politik der kleinen Form steht die Frage nach der Politizität ‚kleinerʻ Formen in augusteischer Zeit: also der sogenannten Liebeselegie des Properz, Tibull und Ovid sowie der erotischen Dichtung des Horaz. Auf der Grundlage einer Analyse der Gattungs- und Formpolitik ihrer Paraklausithyra und Recusationes wird eine neue Interpretation aufgezeigt. Jenseits von inhaltszentrierten Lesarten, die immer nur den Subversions- oder Affirmationscharakter von Literatur herausarbeiten, schlägt diese Dissertation einen dritten Weg vor: den der Ambivalenz und des Paradoxons.

Martina Horn

Adam-und-Eva-Erzählungen im Bildprogramm kretischer Kirchen
Eine ikonographische und kulturhistorische Objekt- und Bildfindungsanalyse

Byzanz zwischen Orient und Okzident, Band 16

Die westliche sakrale Kunstlandschaft des Mittelalters präsentiert ein reiches, gattungsübergreifendes Bildrepertoire an Adam-und-Eva-Erzählungen. In der ostkirchlichen Monumentalmalerei hingegen findet die Thematik erst in postbyzantinischer Zeit Aufnahme in die Bildprogramme der Kirchen. Umso bemerkenswerter ist die innovative Genese von Adam-und-Eva-Zyklen im venezianisch beherrschten Kreta des 14. und 15. Jahrhunderts. In fünf der überaus zahlreichen ausgemalten kretischen Kirchen werden Bildsequenzen mit den Ureltern in das ikonographische Konzept integriert. Neben der Rekonstruktion der teilweise zerstörten Fresken erfolgt in dieser kunst- und kulturhistorisch orientierten Arbeit eine umfassende Bildfindungsanalyse, die durch das Spannungsfeld von Bewahrungstendenzen traditioneller Bildbausteine und Freiräumen für kreative Neuschöpfungen normiert ist. Die weitgefächerten, westliche und östliche Kunsttradition einbeziehenden Recherchen bieten nicht nur überraschende Einblicke in außergewöhnliche Bildformulierungen, sondern auch in die variierenden stifterorientierten Motivationsgründe für die kirchenindividuelle Rezeption des Sujets.

Falko Daim , Neslihan Asutay-Effenberger (Hrsg.)

Sasanidische Spuren in der byzantinischen, kaukasischen und islamischen Kunst und Kultur
Sasanian Elements in Byzantine, Caucasian and Islamic Art and Culture

Byzanz zwischen Orient und Okzident, Band 15

Das Reich der persischen Sasaniden (224-651 n. Chr.) erstreckte sich über Gebiete des heutigen Iran, Irak, Aserbaidschan, Pakistan und Afghanistan. Auch die Kaukasusregionen standen unter seinem politischen Einfluss. Viele Elemente der sasanidischen Kunst und Kultur sind in angrenzenden Ländern wie Byzanz oder dem christlichen Kaukasus zu finden und lebten nach dem Untergang der Sasaniden in den islamischen Herrschaftsgebieten fort, die auf ihrem einstigen Territorium entstanden waren.
Um die fortwirkende Rolle der sasanidischen Perser und ihrer Kultur zu untersuchen, fand im September 2017 eine internationale Tagung im Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz statt. Die von WissenschaftlerInnen aus unterschiedlichen Disziplinen gehaltenen Beiträge werden in dem vorliegenden Band publiziert. 

Heinz Sperling

Rekonstruktion von Betriebsmodellen antiker Produktionsanlagen mit Hilfe von Prozessketten-Analysen
Methodik und Fallstudien bei der Ziegelherstellung, Brennholzgewinnung und den Transporten in römischer Zeit

Römische Ziegeleien in den Nordwest-Provinzen: Hierfür wurden Betriebsmodelle rekonstruiert, die quantitative Aussagen zur maximalen Produktionskapazität, dem Personal- und Brennstoffbedarf und dem anfallenden Transportaufwand solcher Anlagen möglich machen. Anwendungsbeispiel ist die römische Ziegelei in Dormagen. Die erarbeiteten Algorithmen sind als Open-Source angelegt und an andere Befunde leicht anpassbar. Wegen der Vergleichbarkeit der in den römischen Nordwest-Provinzen vorgefundenen Öfen mit denen am oberen Tiber - für die Herstellung der Ziegel für Bauten in Rom - konnten so die dort dafür benötigten Ziegeleikapazitäten erstmals ermittelt werden.

Den zugehörigen Algorithmus finden Sie hier.

 

Max Ritter

Zwischen Glaube und Geld
Zur Ökonomie des byzantinischen Pilgerwesens (4.-12. Jh.)

Byzanz zwischen Orient und Okzident, Band 14

Frömmigkeit ist nicht die alleinige Triebfeder für die Entwicklung des christlichen Pilgerwesens. Das Buch behandelt in einer weiten chronologischen und räumlichen Perspektive die ökonomischen Zusammenhänge, die auf das byzantinische Pilgerwesen (5.-12. Jh.) einwirkten.
Das Pilgern ist stets religiös motiviert und sozial eingebettet, doch die nähere Auswahl des Pilgerziels, die Pilgerroute, die Dankesgaben bei der Ankunft und vieles andere mehr wurden und werden durch ökonomische Grundkonstanten und zeitabhängige sozioökonomische Dynamiken bestimmt.
Das Buch beleuchtet die byzantinischen Pilgerheiligtümer, untersucht ihre Genese, aber auch ihre Organisations- und Finanzierungsstruktur, die bereits in der Spätantike durch Gesetze gerahmt wurde.

Banu Pekol (Hrsg.)

Kayseri, Adana, İzmir, Elazığ, Niğde, Bursa : assessment report of architectural cultural heritage

Dieses Buch befasst sich mit dem architektonischen Erbe, das von nicht-muslimischen anatolischen Gemeinschaften gebaut wurde, das lange Zeit vernachlässigt und verlassen wurde und heute stark ruiniert und offen für Vandalismus ist.
Es ist ein Produkt von Forschungsmissionen in den Provinzen Adana, Bursa, Elazığ, İzmir, Kayseri und Niğde, die zwischen 2015-2016 von Association for the Protection of Cultural Heritage durchgeführt wurden.
Die Gebäude wurden nach ihrer Architekturgeschichte, ihrem Stil, ihrem Plan und ihren Bautechniken analysiert. Ihr aktueller Zustand und Risikofaktoren einschließlich struktureller und materieller Probleme wurden identifiziert. Entsprechend ihrem Kontext wurden Empfehlungen für ihre Erhaltung und zukünftige Nutzung erarbeitet.

Jürgen Süß und Brigitte Gräf

LOPODVNVM VI
Die 3D-Rekonstruktion des römischen Forums von Ladenburg Beschreibung und Begründung der Nachbildung

Forschungen und Berichte zur Archäologie in Baden-Württemberg, Band 6

Das Zentrum der römischen Stadt Lopodunum beherrschte ein Baukomplex aus Forum und Basilika, der sich durch eine enorme Fläche und ein großes Volumen auszeichnete. Von den Gebäuden blieb allerdings bis auf Reste der Fundamente nur wenig im mittelalterlich geprägten Kern der heutigen Stadt Ladenburg erhalten. Die vorliegende Abhandlung erläutert die Überlegungen, die zur virtuellen 3D-Rekonstruktion des antiken Forums geführt haben, wie sie heute im Lobdengau-Museum in Ladenburg präsentiert wird. Neben der Darlegung der Rekonstruktionsansätze werden dabei auch Perspektiven für die weitere wissenschaftliche Beschäftigung mit dem historisch so bedeutsamen römischen Baukomplex aufgezeigt.

Stylianos Chronopoulos , Felix K. Maier , Anna Novokhatko (Hrsg.)

Digitale Altertumswissenschaften:
Thesen und Debatten zu Methoden und Anwendungen

Digital Classics Books, Band 4

Dieser Sammelband analysiert unterschiedliche Prozesse in den Digitalen Altertumswissenschaften für Wissenschaftler, die sich bisher noch nicht intensiv mit diesem Thema auseinandergesetzt haben. Dabei handelt es sich um eine selektive Bestandsaufnahme zu einzelnen zentralen Entwicklungen und Problemfeldern. Auf diese Weise erhält der Leser einen instruktiven Einblick in verschiedene Debatten, die ihn wiederum andere, hier weniger angesprochene Themen schneller verstehen und erfassen lassen. Neben Erörterungen grundsätzlicher Sachfragen und Tendenzen (neue Arbeitsmethoden, digitales Publizieren, Arbeiten mit Datenbanken und Informationssystemen) vereinigt der Band auch eine paradigmatische Diskussion zu den digitalen Editionen, um bestimmte Spezialfragen zu präsentieren und damit verbundene Debatten exemplarisch für die allgemeine Diskussion über Digitalisierung in den Altertumswissenschaften nachzuzeichnen. Gerade in einem oftmals schwer zu überblickenden fließenden Prozess, bei dem viele gleichzeitige Entwicklungen sich überschneiden, versteht sich der Band als Angebot, zwischenzeitliche Ergebnisse, Errungenschaften, Potentiale oder Sackgassen zu thematisieren und auf diese Weise Orientierung zu bieten.

Jörg Bofinger , Stephan M. Heidenreich (Hrsg.)

Befund – Rekonstruktion – Touristische Nutzung
Keltische Denkmale als Standortfaktoren

Archäologische Informationen aus Baden-Württemberg, Band 72

Der Heidengraben auf der Schwäbischen Alb birgt die Reste einer befestigten spätkeltischen Großsiedlung des 2. und 1. Jahrhunderts v. Chr. Archäologische Funde und obertägig sichtbare Wallreste verdeutlichen die überregionale Bedeutung und die räumlichen Ausmaße des keltischen Oppidums, das zu den größten Mitteleuropas gehört.
Anlässlich neuer Planungen zur touristischen Aufwertung des Großdenkmals „Heidengraben“ wurde im Herbst 2013 ein international besetztes Kolloquium in Grabenstetten abgehalten. Die Ergebnisse dieser Tagung  werden im vorliegenden Band präsentiert. Die Beiträge befassen sich mit zentralen Fragen der Rekonstruktion archäologischer Befunde. Das Themenspektrum beschränkt sich dabei jedoch nicht auf fachlich-archäologische Problemstellungen, sondern behandelt auch Kernaspekte einer touristischen Konzeption. In diesem Zusammenhang stellen zahlreiche Experten verschiedener wissenschaftlicher Einrichtungen und Museen „best practice“-Projekte in Deutschland und Österreich vor.