Peter Attema, Günther Schörner (Hrsg.)

The Rural Foundations of The Roman Economy. New Approaches to Rome’s Ancient Countryside from the Archaic to the Early Imperial Period
Panel 11.1

Archaeology and Economy in the Ancient World – Proceedings of the 19th International Congress of Classical Archaeology, Cologne/Bonn 2018, Band 50

Ziel der AIAC-Sitzung 2018 "Die ländlichen Grundlagen der römischen Wirtschaft, neue Ansätze für Roms antike Landschaft von der archaischen Periode bis zur frühen Kaiserzeit" war es, methodisch fundierte, datengestützte Studien zusammenzuführen, um die Triebkräfte und die Leistung der ländlichen Wirtschaft Mittelitaliens von der archaischen Periode bis in die römische Kaiserzeit zu beleuchten. Das Ergebnis der Sitzung war eine kohärente Sammlung von Beiträgen eines breiten Spektrums internationaler Wissenschaftler des Gebietes, die sich der römischen Landwirtschaft aus verschiedenen disziplinären Blickwinkeln und in unterschiedlichen Maßstäben nähern. Der Schwerpunkt der Sammlung liegt auf dem suburbium von Rom sensu lato. Die Themen reichen von der Verteilung ländlicher Siedlungen über wirtschaftliche und demographische Modelle bis hin zur Analyse von der Analyse keramischer Surveyfunde und der Untersuchung von Pollen- und Pflanzenmakroresten.

Brigitte Andres

Alpine Wüstungen im Berner Oberland
Ein archäologischer Blick auf die historische Alpwirtschaft in der Region Oberhasli

Schweizer Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters, Band 42

Auf den Alpweiden der Region Oberhasli im östlichen Berner Oberland wird seit Jahrhunderten Vieh gesömmert und Käse hergestellt. Nicht mehr benötigte und dem Zerfall überlassene Infrastrukturbauten sind im Gelände oft noch an den Trockenmauerresten dieser Wüstungen erkennbar. Rund 400 neue Befunde, die bei grossräumigen Prospektionen in der Region Oberhasli dokumentiert wurden, zeugen von der Vielfalt alpwirtschaftlicher Bauformen. Im Kontext der regionalen Alpwirtschaftsgeschichte werden sie in der vorliegenden Publikation diskutiert und eingeordnet. Anhand von archäologischen, historischen und ethnografischen Quellen wird zudem der Frage nach der Sichtbarkeit von Überresten typisch alpwirtschaftlicher Aktivitäten wie Milchverarbeitung, Weidewirtschaft und Wildheugewinnung im archäologischen Befund nachgegangen. Ein umfangreicher Katalog bietet mit Bild und Text die Möglichkeit zum formalen Vergleich von alpinen Wüstungen über das Berner Oberland hinaus.

Erwin Cziesla

Drei Holzkeller aus der Mitte des 15. Jahrhunderts in der Schlosskirchstraße von Cottbus

Archäologische Quellen, Band 5

Im Jahr 1994 fand im Südosten der Cottbuser Altstadt eine archäologische Untersuchung durch die Firma „Wurzel Archäologie und Umwelttechnik GmbH“ statt, bei der auch drei Holzkeller – an der Schlosskirchstraße gelegen – dokumentiert wurden. Diese Holzkeller waren hervorragend erhalten, da bei einer Brandkatastrophe die oberen Stockwerke inklusive der Kachelöfen in die Keller stürzten und dabei die Feuer erstickten. Wie die Analyse ausführt, wurden die Holzkeller – vermutlich durch eine spezialisierte Baukolonne – um 1458 errichtet und brannten am 19. Sept. 1468 aus. Da in den folgenden Jahrhunderten keine unterkellerten Gebäude in den drei Baufeldern errichtet wurden, hatte sich die hölzerne Kellerkonstruktion samt dem Inhalt weitestgehend erhalten. Am besten überliefert ist ein kleiner Holzkeller, der einen Treppenzugang („Kellerhals“) vom Hinterhof aus hatte, und in dem Fässer, eine Truhe und landwirtschaftliche Geräte an den Wänden aufgereiht standen. Hinzu kommen Vorratsgefäße aus Ton auf umlaufenden Regalen. Die Keller warten mit z. T. ungewöhnlichen Funden auf. So fanden sich Militaria, aber auch wertvolles Tafelgeschirr Waldenburger Provenienz. Das Highlight ist ein reich verzierter Steinzeugkrug der ostdeutschen Spätgotik, verziert mit einem bärtigen Männerkopf. Somit stammen alle Funde aus einem Zeitfenster von nur 10 Jahren, ein seltener Glücksfall im Hinblick auf die spätmittelalterliche Keramikchronologie.

Tymon De Haas, Dean Peeters, Luigi Pinchetti (Hrsg.)

City-Hinterland Relations on the Move? The Impact of Socio-Political Change on Local Economies from the Perspective of Survey Archaeology
Panel 11.3

Archaeology and Economy in the Ancient World – Proceedings of the 19th International Congress of Classical Archaeology, Cologne/Bonn 2018, Band 49

Während die Auswirkungen großer gesellschaftlicher Veränderungen auf Stadt und Land schon immer ein zentrales Thema in der Survey-Archäologie waren, bieten die jüngsten methodologischen und theoretischen Fortschritte neue Perspektiven auf dieses Thema. Zunehmend intensivere Feldbegehungstechniken, Sammlungsstrategien für Artefakte und sowohl typologische als auch technologische Artefaktstudien haben unser Verständnis von ländlichen Siedlungen und dem Konsum von keramischen Produkten, insbesondere von lokalen (Grob-)Waren, verändert. Diese Entwicklungen ermöglichen es uns, Veränderungen in den lokalen Produktions- und Austauschsystemen in viel größerer räumlicher und zeitlicher Detailgenauigkeit zu untersuchen, und tragen wiederum zu einer Überprüfung der Auswirkungen bei, die großräumige Transformationen auf lokale Siedlungssysteme und Volkswirtschaften hatten.

Jari Pakkanen, Ann Brysbaert (Hrsg.)

Building BIG – Constructing Economies: from Design to Long-Term Impact of Large-Scale Building Projects
Panel 3.6

Archaeology and Economy in the Ancient World – Proceedings of the 19th International Congress of Classical Archaeology, Cologne/Bonn 2018, Band 10

Dieser Band enthält verschiedene Studien, die von prähistorischen griechischen Bauprogrammen bis zum Bauen in der römischen Zeit reichen. Das Wirtschaftswachstum moderner Gesellschaften ist eng mit der Bauwirtschaft verknüpft: Investitionen, Transportinfrastrukturen für Materialien und arbeitsintensive Bauprogramme haben alle einen großen Einfluss auf die lokale, regionale und sogar globale Wirtschaft. Die Ergebnisse haben die gebaute Umwelt unseres Alltagslebens geprägt und oft zu mehr Lebensqualität und Wohlstand geführt, obwohl es viele Fälle gibt, die auch das Gegenteil bewirkt haben. Groß angelegte Bauprojekte in vorindustriellen Gesellschaften erforderten vom Zeitpunkt der Materialsuche über die Gewinnung, den Transport, die Nutzung und die anschließende Instandhaltung umfangreiche Handarbeit. Da die meisten vorindustriellen Gesellschaften auf Subsistenzwirtschaft basierten, waren wichtige Entscheidungen ein täglicher Balanceakt zwischen Bauarbeiten und Landwirtschaft. Diese Entscheidungen hatten oft einen starken Einfluss auf die Muster der Landnutzung und können auch zu zirkulären Wirtschaftsstrategien geführt haben. Die in diesem Band vorgestellten Beiträge betonen die Bedeutung der sozioökonomischen und politischen Strukturen und Entscheidungen, die zum "Building Big" führten, unabhängig von der Form und der endgültigen Größe der Projekte.

Stefanie Hoss (Hrsg.)

The Production of Military Equipment – Fabricae, Private Production and More
Panel 9.1

Archaeology and Economy in the Ancient World – Proceedings of the 19th International Congress of Classical Archaeology, Cologne/Bonn 2018, Band 48

Die Herstellung militärischer Ausrüstung ist ein viel komplizierteres Thema als oft angenommen, da römische Soldaten vom Staat nicht vollständig und einheitlich ausgerüstet wurden. Während ein gewisses Maß an "Beinahe-Uniformität" in der Armee notwendig war, war eine vollständige Uniformität logistisch unmöglich, selbst innerhalb derselben Einheit. Ein Grund hierfür war, dass römische Soldaten den größten Teil der Ausrüstung selbst besaßen, was ihnen erlaubte, (innerhalb gewisser Grenzen) ihre eigene Wahl zu treffen.

Nach einer Einführung und einem Überblick über das Thema gehen die drei Fallstudien den Fragen nach, was die in einem Kastell gefundenen Werkzeuge über die Produktion von militärischem Gerät am Ort aussagen können, welchen Einfluss Werkstatttraditionen auf die Herstellung von Kettenhemden hatten und ob bei der Herstellung von Armbrustfibeln die staatliche Kontrolle oder die lokale Produktion den Ausschlag gegeben hat.

 

Kristian Göransson (Hrsg.)

Classical Archaeology in the Digital Age – The AIAC Presidential Panel
Panel 12.1

Archaeology and Economy in the Ancient World – Proceedings of the 19th International Congress of Classical Archaeology, Cologne/Bonn 2018, Band 51

Die Klassische Archäologie ist eine Disziplin, die in den letzten Jahrzehnten große Veränderungen erfahren hat. Von ihren Ursprüngen als "Altertumswissenschaft" mit einem starken Schwerpunkt auf Kunst und Architektur hat sich die Klassische Archäologie die modernsten Methoden der Feldarchäologie und Datenanalyse zu eigen gemacht. Die Anwendung der digitalen Geisteswissenschaften auf die Klassische Archäologie hat die Art und Weise verändert, wie Archäologen arbeiten, wie Daten gesammelt und aufbewahrt werden und wie die Ergebnisse der wissenschaftlichen Gemeinschaft und der Öffentlichkeit im Allgemeinen zur Verfügung gestellt werden. Die International Association for Classical Archaeology (AIAC) war mit der Gründung und dem Betrieb von Fasti Online und der Online-Zeitschrift FOLD&R ein Vorreiter in den digitalen Geisteswissenschaften. Dieser Band enthält Beiträge, die auf dem von der AIAC organisierten Panel präsentiert wurden, um die digitale Entwicklung der Disziplin anhand von Beispielen aus verschiedenen Ländern darzustellen. Es ist zu hoffen, dass die Fallstudien eine Grundlage für eine Diskussion über Klassische Archäologie in einer digitalen Welt bieten - Nutzen, Herausforderungen und wohin die schnelle Entwicklung unsere Disziplin in Zukunft führen könnte.

Beate Böhlendorf-Arslan (Hrsg.)

Veränderungen von Stadtbild und urbaner Lebenswelt in spätantiker und frühbyzantinischer Zeit
Assos im Spiegel städtischer Zentren Westkleinasiens

Byzanz zwischen Orient und Okzident, Band 23

Die Veränderung und Umstrukturierung der antiken Stadt in Kleinasien in spätantiker und frühbyzantinischer Zeit ist in den letzten Jahrzehnten zu einem zentralen Thema der archäologischen und historischen Forschung geworden. Die Beiträge dieses Bandes zeigen ein äußerst differenziertes Bild der Entwicklung von Städten und ihrem Umland in dieser Zeit. Einen idealen Ausgangspunkt dafür bildet die Stadt Assos an der Südküste der Troas, in der seit 2013 die Umgestaltung der antiken Stadt vom 4. bis zum 8. Jahrhundert im Zentrum der Untersuchungen steht. Das dort gewonnene Bild wird im vorliegenden Band durch Beiträge zu Pergamon, Sardis, Ephesos, Didyma und Sagalassos in einen weiteren Kontext gestellt, die den Entwicklungsprozess der spätantiken und frühbyzantinischen Städte Westkleinasiens auf ganz unterschiedliche Weise unter verschiedenen Aspekten beleuchten.

Miriam Rachel Salzmann

Negotiating Power and Identities
Latin, Greek and Syrian Élites in Fifteenth-Century Cyprus

Byzanz zwischen Orient und Okzident, Band 25

Die vorliegende Studie beschäftigt sich mit sozialer Mobilität, Integration und Identitätskonstruktion unter den lateinischen, griechischen und christlich-orientalischen Eliten auf Zypern im 15. Jahrhundert. Die ehemals byzantinische Insel befand sich seit 1192 unter der Herrschaft der Kreuzfahrerdynastie der Lusignan, die einen fränkischen Adel mitgebracht hatte. Aufgrund verschiedener politischer und wirtschaftlicher Krisen konnten jedoch ab dem Ende des 14. Jahrhunderts verstärkt auch einheimische Griechen und orientalische Christen (sogenannte Syrer) im Rahmen der Staatsverwaltung aufsteigen und das Mächtegleichgewicht beeinflussen.
Auf der Basis einer prosopographischen Datenbank, die alle Mitglieder der Elite in Zypern zwischen 1374 und den 1460ern aufnimmt, widmet die Monographie sich sowohl den Aufstiegschancen der Syrer und Griechen als auch dem Schicksal der fränkischen Adeligen, die sich mit einer starken Gruppe von Aufsteigern arrangieren mussten. Sie analysiert die Folgen dieser dynamischen Entwicklung für die Beziehungen zwischen den verschiedenen Elite-Gruppen und untersucht, wie Syrer, Griechen und Lateiner ihre ethnischen, sozialen und religiösen Identitäten konstruierten und wie Veränderungen in diesen Konstruktionen mit dem Aufstieg der Syrer und Griechen in Beziehung gesetzt werden können. Diese zweifache Analyse von sozialer Dynamik und Identitätskonstruktion ermöglicht einen neuen, breiteren Blick auf die Entwicklung der zypriotischen Eliten im 15. Jahrhundert.

Sabine Gaudzinski-Windheuser, Olaf Jöris (Hrsg.)

The Beef behind all Possible Pasts
The Tandem Festschrift in Honour of Elaine Turner and Martin Street

Monographien des RGZM, Band 157.2

Diese Tandem-Festschrift ist eine Hommage an Elaine Turner und Martin Street, um all das zu würdigen, was Sie beide für das Archäologische Forschungszentrum MONREPOS und das Museum für menschliche Verhaltensevolution des Römisch-Germanischen Zentralmuseums geleistet haben, um hohe Forschungsstandards zu gewährleisten, und für Ihre Beiträge zur paläolithischen Archäologie in Deutschland und darüber hinaus. Es soll als ein großes „CHEERS“ der MONREPOS-Mitarbeiter und vieler anderer Freunde und Kollegen aus aller Welt verstanden werden, die zu dieser Festschrift beigetragen haben.
Der Doppelband umfasst ein breites Spektrum an Themen vom Jungpaläolithikum über das frühe Holozän bis hin zum Mittelalter – und berührt damit die große Bandbreite an Themen, mit denen sich Elaine und Martin in den letzten mehr als 30 Jahren beschäftigt haben. Es beginnt mit der Erörterung der ältesten Beweise für Feuer und behandelt viele andere Schlüsselthemen der wissenschaftlichen Debatte in faszinierender Detailtiefe.

s. Band 1

Sabine Gaudzinski-Windheuser, Olaf Jöris (Hrsg.)

The Beef behind all Possible Pasts
The Tandem Festschrift in Honour of Elaine Turner and Martin Street

Monographien des RGZM, Band 157.1

Diese Tandem-Festschrift ist eine Hommage an Elaine Turner und Martin Street, um all das zu  würdigen, was Sie beide für das Archäologische Forschungszentrum MONREPOS und das Museum für menschliche Verhaltensevolution des Römisch-Germanischen Zentralmuseums geleistet haben, um hohe Forschungsstandards zu gewährleisten, und für Ihre Beiträge zur paläolithischen Archäologie in Deutschland und darüber hinaus. Es soll als ein großes „CHEERS“ der MONREPOS-Mitarbeiter und vieler anderer Freunde und Kollegen aus aller Welt verstanden werden, die zu dieser Festschrift beigetragen haben.
Der Doppelband umfasst ein breites Spektrum an Themen vom Jungpaläolithikum über das frühe Holozän bis hin zum Mittelalter – und berührt damit die große Bandbreite an Themen, mit denen sich Elaine und Martin in den letzten mehr als 30 Jahren beschäftigt haben. Es beginnt mit der Erörterung der ältesten Beweise für Feuer und behandelt viele andere Schlüsselthemen der wissenschaftlichen Debatte in faszinierender Detailtiefe.

s. Band 2

Ulrike Schröer

Die Thuner Hochtrottoirs im städtebaulichen Kontext
Eine Studie zur Entstehungsgeschichte im Vergleich mit Bern, Burgdorf und Erlach

Schweizer Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters, Band 41

Die Obere Hauptgasse in Thun erhält ihren spezifischen Charakter durch ein ungewöhnliches Strassenprofil. Beidseitig hervorspringende untere Geschosse, Hochtrottoirs, Lauben oder Terrassen genannt, bilden eine zweigeschossige Ladenzeile. Planung, Bautypologie oder Zufall, die Ursachen dieses ungewöhnlichen Strassenprofils im anonymen Städtebau sind trotz der originären und pittoresken Situation bisher nicht untersucht worden. Städtebauliches Kuriosum oder Typus, dahinter steht die Frage, ob die zwei Erschliessungsebenen Elemente frühester Zeit, die Folge einer späteren Entwicklung oder gar Produkte einer Planung sind.
Die Entstehungsgeschichte der Hochtrottoirs in Thun lässt sich aufgrund unvollständiger Baubefunde und lückenhafter Quellenlage bisher nicht zweifelsfrei nachvollziehen. Die Untersuchung der Thuner Verhältnisse lässt zwar eine Steigungskorrektur der Gasse vermuten, bietet aber noch zu wenig gesicherte Belege für diese These. Selbst der Zeitraum für die Entstehung des Hochtrottoirs ist nur relativ vage mit dem 16./17. Jh. zu bestimmen. Sicher ist, dass komplexe Ursachen und Entscheidungen zum heutigen homogenen Erscheinungsbild führten.

Jakob Obrecht, Fabian Küng und Waltraud Hörsch

Die Burg Kastelen bei Alberswil
Prähistorische Siedlung, Adelsburg und patrizischer Landsitz im Luzerner Wiggertal

Schweizer Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters, Band 43

Die archäologischen Spuren auf dem Burghügel von Kastelen reichen weit in die Prähistorie zurück: Bereits in der Bronzezeit vor 3000 Jahren bestand auf dem Kastelenhügel eine dörfliche Siedlung. Im Hochmittelalter wurde der markante Hügel zum Standort einer hölzernen Burganlage. An ihrer Stelle liessen die Grafen von Kyburg zwischen 1249 und 1253 eine ausgedehnte Burg errichten, von welcher heute noch die Ruine des Wohnturms sowie der Sodbrunnen erhalten sind. Der beeindruckende Wohnturm ist ein beredter Zeuge der hochstehenden mittelalterlichen Bautechnik. Zusammen mit den archäologischen Funden lässt die Ruine einen unmittelbaren Einblick in die Wohnkultur und das Leben auf einer mittelalterlichen Adelsburg zu.
Die historischen Schriftquellen zur Burg Kastelen erzählen von der geschichtlichen Entwicklung der gesamten Region: Sie zeigen nicht nur den gesellschaftlichen Wandel in der herrschenden Oberschicht während des Mittelalters und der Neuzeit, sondern werfen auch ein Schlaglicht auf die sozialen Verhältnisse beispielsweise zur Zeit des Bauernkriegs von 1653.
Weitere Kapitel sind den bautechnischen und denkmalpflegerischen Aspekten einer Burgenrestaurierung gewidmet. Abgerundet wird die Publikation durch eine Untersuchung zu den Sagenerzählungen rund um die Ruine Kastelen.

 

Armand Baeriswyl, Peter Niederhäuser (Hrsg.)

Zeugen vergangener Macht und Herrschaft
Schweizer Burgen und Schlösser vom Mittelalter bis heute

Schweizer Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters, Band 45

Die Spiezer Tagung 2016 gibt Einblick in den aktuellen Stand der Burgenforschung. Dabei werden sozial-, macht- und kulturgeschichtliche Aspekte beleuchtet. Der Überblick beginnt mit einer Einführung in den Themenkomplex vom mittelalterlichen Adel und Burgenbau (Thomas Biller). Danach folgen Betrachtungen zum zähringischen Burgenbau (Heinz Krieg) und den Burgen auf dem Gebiet der ehemaligen Diözese Genf (Matthieu de la Corbière), greifen die Burg Colombier NE exemplarisch heraus (Ferdinand Pajor) und geben einen Überblick über den frühen Burgenbau in der heutigen Schweiz (Armand Baeriswyl). Einen Fokus erhält auch die habsburgische Wehrgrenze nach 1499 (Peter Niederhäuser). Den zeitlichen Bogen bis zur Gegenwart schlagen die Beiträge zur Schlossbau (Jürg Schweizer) und der Burgenrenaissance (Elisabeth Crettaz) sowie der heutigen Nutzung von Burgen und Schlössern (Thomas Pauli-Gabi). Ergänzt wird die Publikation mit Kurzmonographien und Abbildungen zu 25 forschungsgeschichtlich und typologisch wichtigen Burgen der Schweiz.

Simon Hardmeier

Eine Stadtwüstung im Kanton Solothurn
Altreu im Mittelalter

Schweizer Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters, Band 46

In Altreu, diesem zur Gemeinde Selzach gehörenden Weiler an der Aare, war es der Fluss, der die archäologische Substanz verschwinden liess. Seit 1949 wurden in zahlreichen Baugruben Teilbefunde einer ehemaligen Siedlungen gesammelt; diese sind nun in dieser vorliegenden Publikation zu einem Gesamtbild zusammen gesetzt worden Das Resultat ist für die Mittelalterforschung im Kanton Solothurn, aber auch für die Mittelalterarchäologie der ganzen Schweiz von grosser Bedeutung. Dank der Tatsache, dass hier vieles zusammenhängend überliefert ist, was andernorts aus Splittern mühsam rekonstruiert werden muss, ergeben sich wertvolle Einblicke in das Leben einer mittelalterlichen Kleinstadt. Mit der Stadtbefestigung, der Stadtburg und den zur Gasse hin orientierten Wohnbauten verfügt Altreu über alle Elemente einer mittelalterlichen Stadt. Nach einer Brandkatastrophe in der zweiten Hälfte des 14. Jh. wurde das Städtchen aufgegeben und geriet in Vergessenheit. Eine grosse Hinterlassenschaft hat aber im Boden überdauert: über 20'000 Artefakten sind geborgen worden und werden im umfangreichen Fundkatalog nach den verschiedensten Bereichen aufgegliedert vorgestellt.

Caroline M. Rocheleau, Tom Hardwick (Hrsg.)

Offerings to Maat: Essays in Honour of Emily Teeter
CIPEG Journal: Ancient Egyptian & Sudanese Collections and Museums no. 5 (2021). Special issue

Die Festschrift ehrt Emily Teeter, ehemalige Kuratorin am Museum des Oriental Institute der Universität Chicago. Kollegen und Freunde haben sich an dieser Publikation mit wissenschaftlichen Beiträgen zu altägyptischen Sammlungen sowie auch archäologischen Feldforschungen beteiligt. Die Artikel gruppieren sich in dabei in die Bereiche Ägyptologie und Museologie wobei das Spektrum von der Publikation einzelner Objekte bis hin zu sammlungsgeschichtlichen Forschungen, museumspädagogischen Projekten oder auch neuen Vermittlungsangeboten reicht.

Beate Schmid und Birgit Kulessa

Von Stadtmauern und Salbtöpfen
Archäologie zur Siedlungs- und Apothekengeschichte in Biberach

Forschungen und Berichte zur Archäologie in Baden-Württemberg, Band 13

Die Stadt Biberach bewahrte über Jahrhunderte einen weitgehend ungestörten Stadtkern mit einem beachtlichen Bestand an spätmittelalterlicher Bausubstanz. Im vorliegenden Band werden die Ergebnisse von zwei Ausgrabungen an ganz unterschiedlichen Standorten im mittelalterlichen Stadtgefüge vorgestellt. Bei der Auswertung der Grabung auf dem Viehmarktplatz stehen die Fragen nach dem Siedlungsbeginn und der Entwicklung in Stadtrandlage und damit verbunden nach der ersten Stadtbefestigung im Mittelpunkt. Die Untersuchung des Gebäudes Marktplatz 7 dagegen befasst sich mit der Baugeschichte und Nutzung eines spätmittelalterlichen Bürgerhauses in zentraler Lage zwischen Kirche und Markt, das im Laufe seiner langen Geschichte unter anderem von einem Apotheker genutzt wurde. Durch die Vorlage und Interpretation der Befunde und des Fundmaterials aus beiden Ausgrabungen wird ein facettenreiches Bild vom Alltagsleben in einer mittelalterlichen Stadt entworfen.

Christof Berns, Sabine Huy (Hrsg.)

The Impact of Rivers on Ancient Economies
Panel 2.2

Archaeology and Economy in the Ancient World – Proceedings of the 19th International Congress of Classical Archaeology, Cologne/Bonn 2018, Band 4

Das gewachsene Forschungsinteresse an den Verflechtungen von soziokulturellen und physischen Räumen hat u. a. dazu geführt, Wasserläufe als gestaltende Faktoren von Gesellschaften und ihren Wirtschaftssystemen wahrzunehmen. Flusslandschaften weisen spezifische Bedingungen auf, die das Leben von Menschen vielfach beeinflusst haben. Flüsse bieten als natürliche Ressourcen besondere Möglichkeiten für wirtschaftliche Aktivitäten. Sie können beispielsweise sowohl als Verbindungsadern als auch als Grenzlinien fungieren. Die Beiträge unseres Panels beschreiben Flüsse als dynamische Faktoren antiker Lebenswelten. Die Aufsätze dieses Bandes konzentrieren sich auf die Wechselbeziehung zwischen Flusslandschaften und den wirtschaftlichen Gewohnheiten ihrer Bewohner. Die Fallstudien decken ein breites zeitliches wie geographisches Spektrum ab und diskutieren Phänomene wie geomorphe und anthropogene Veränderungen von Flüssen, die Rolle von Flüssen als Transport- und Handelswege und ihre Auswirkungen auf Siedlungsmuster.

Ursina Jecklin-Tischhauser, Lotti Frascoli und Manuel Janosa

Die Burg Marmels
Eine bündnerische Balmburg im Spiegel von Archäologie und Geschichte

Schweizer Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters, Band 40

Rund hundert Meter über dem Stausee Marmorera liegen unter einem gewaltigen Felsvorsprung die Ruinen der Burganlage Marmels (Gemeinde Marmorera im Tal Oberhalbstein/Sursés, Kanton Graubünden). Die Burg gehörte im hohen und späten Mittelalter den Herren von Marmels, Ministerialen des Churer Bischofs. Zur Anlage in schwindelerregender Höhe gehörte einst eine Kapelle mit zwei angrenzenden Gebäuden, ein Tortrakt und ein repräsentativer, mindestens viergeschossiger Wohnturm.
Eine umfassende Sanierung der Burgruine ermöglichte es dem Archäologischen Dienst Graubünden in den Jahren 1987 und 1988, bauhistorische Untersuchungen an den erhaltenen Gebäuderesten und Ausgrabungen auf dem Gelände durchzuführen. Dass auf einem Burgareal gegraben wird, hat im Kanton Graubünden Seltenheitswert. Doch gerade die Grabungsresultate von Marmels sind für die schweizerische Burgenforschung in verschiedener Hinsicht von Bedeutung.
Dank der Lage der Burg unter einem riesigen Felsvorsprung war ein Grossteil der Anlage stets vor der Witterung geschützt – ein Glücksfall für die Forschung, lagen die Funde doch so über all die Jahrhunderte mehrheitlich im Trockenen. Neben dem grossen Umfang des Fundmaterials ist dessen Bandbreite und Erhaltungszustand aussergewöhnlich. Insbesondere die in mittelalterlichen Ausgrabungen sonst nur marginal vorhandenen organischen Funde waren auf Marmels zahlreich: an die 1000 Hölzer, darunter Geräte, Möbelteile, Bauhölzer und Abfallhölzer, die vom Bauvorgang zeugen, lagen in den ergrabenen Schichten, ferner kamen Lederfragmente und Schuhe, Pergamentreste, zum Teil sogar beschrieben, mehr als 21 000 Tierknochen und 18 000 einzelne Pflanzenreste zutage. Zum organischen Material hinzu kommen Metallgegenstände sowie zahlreiche Schlacken, die von der Metallgewinnung und -verarbeitung zeugen, etwas Keramik und ein grosses Ensemble an Lavezgefässen. Diverse Holzobjekte (Bauhölzer und Geräte) konnten mithilfe der Dendrochronologie sicher datiert werden.
Dadurch gelang es, die Entstehung der Anlage um 1140 und deren Auflassen gegen Ende des 14. Jh. beziehungsweise zu Beginn des 15. Jh. zu datieren. Aber auch Ereignisse während der Burgenzeit konnten mit dieser Methode zeitlich näher bestimmt werden.

Ludwig Wamser

Mauenheim und Bargen
Zwei Grabhügelfelder der Hallstatt- und Frühlatènezeit aus dem nördlichen Hegau

Forschungen und Berichte zur Archäologie in Baden-Württemberg, Band 2

Die Monografie behandelt das hallstattzeitliche Gräberfeld von Immendingen-Mauenheim (Kr. Tuttlingen) mit 23 Grabhügeln und mindestens 10 kleinen Brandgräbern zwischen den Hügeln sowie die fünf Tumuli umfassende Nekropole von Engen-Bargen (Kr. Konstanz). Beide Fundorte liegen etwa 700 m voneinander entfernt im nördlichen Hegau wenige Kilometer südlich der Donau, zwischen Alpen und Schwarzwald. Die Arbeit basiert auf einer Dissertation der 1970er Jahre und  wird ergänzt durch neue Untersuchungen, die sich ausgesuchten Fundstücken und sozialen wie wirtschaftlichen Aspekten widmen. Tierbeigaben aus den Gräbern wurden achäozoologisch ausgewertet. Anthropologische Untersuchungen der hallstattzeitlichen Skelette sowie Forschungen zur Mobilität und zum Ernährungsstatus von Menschen und Tieren vervollständigen die Beiträge zur Rekonstruktion eisenzeitlicher Lebensverhältnisse in Südwestdeutschland.