RGZM – Tagungen

Dominik Kimmel, Stefan Brüggerhoff (Hrsg.)

Museen – Orte des Authentischen? Museums – Places of Authenticity?

RGZM – Tagungen, Band 42

Museen, aber auch Gedenk- und Kulturerbestätten sowie Archive und Bibliotheken sind die Hüter, Bewahrer und Auszeichnungsinstitutionen »authentischer Dinge« und in vielerlei Hinsicht zugleich »Orte des Authentischen«. Gerade vor dem Hintergrund der sich rasant entwickelnden digitalen Möglichkeiten sind sie damit wichtige Instanzen mit dem Anspruch, das »Echte« und das »Wahre« zu bewahren und zu vermitteln. Der Band gibt einen Einblick in die Breite der Diskussion zum Topos »Authentizität« in Museum und Kulturerbe.
Die Publikation geht auf eine Serie von internationalen Fachtagungen des Leibniz-Forschungsverbundes Historische Authentizität zurück, die am Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz sowie an der Universität Cambridge zwischen 2016 und 2019 stattfanden, und greift zudem die Diskussion vorangehender Veröffentlichungen des Forschungsverbundes auf.
56 Autorinnen und Autoren beschreiben aus unterschiedlichsten disziplinären Sichtweisen in 43 übergreifenden Beiträgen und anhand von ausgewählten Fallbeispielen verschiedenste Dimensionen der Auseinandersetzung mit dem Phänomen »Authentizität« in Sammlung, Forschung, Konservierung, Restaurierung, Ausstellung, Vermittlung und virtueller Darstellung. Die behandelten »Museumstypen« reichen dabei von Naturkundemuseen über Technik-, Kunst-, Universitäts-, Forschungsmuseen bis hin zu Personenmuseen. Sie gehen aber auch darüber hinaus, indem sie andere sammelnde Einrichtungen wie Bibliotheken und Archive einbeziehen.

Sonja B. Grimm, Ludovic Mevel, Iwona Sobkowiak-Tabaka, Mara-Julia Weber (Hrsg.)

From the Atlantic to Beyond the Bug River
Finding and Defining the Federmesser-Gruppen / Azilian

RGZM – Tagungen, Band 40

Eine Session mit dem Titel »From the Atlantic to beyond the Bug River– Finding and defining the Federmesser-Gruppen / Azilian on the North European Plain and adjacent areas« fand beim 17. Kongress der Union Internationale des Sciences Préhistoriques et Protohistoriques im September 2014 in Burgos im Namen der UISPP-Kommission »The Final Palaeolithic of Northern Eurasia« statt. Mit diesem Band legen wir einige der Beiträge zu dieser Session vor, die verschiedene Aspekte des Verhaltens von Jäger-Sammler-Gruppen in West- und Mitteleuropa während des mittleren Spätglazials untersuchen, um als Grundlage für den Vergleich der unterschiedlich definierten archäologischen Einheiten zu dienen. Wie eigenständig bzw. verbunden waren diese Gruppen in Zeit und Raum?

Alejandro García-Moreno et al. (Hrsg.)

Human behavioural adaptations to interglacial lakeshore environments

RGZM – Tagungen, Band 37

Im Laufe der menschlichen Evolution ist uns die Anpassung an verschiedenste Klimabedingungen und Lebensräume immer wieder erfolgreich gelungen. Solche Anpassungen lassen sich insbesondere in warmzeitlichen Umwelten exzellent erforschen.
In der nordeuropäischen Tiefebene kommt es während der Warmzeiten häufig zu Flutungsereignissen von Senken, die zur Bildung von durch Binnenseen geprägten Landschaften führen. Diese Lebenswelten zeichnen sich durch eine außergewöhnlich hohe ökologische Diversität aus und bieten örtlich konzentrierte  und vorhersagbare Ressourcen. Zahlreiche archäologische Fundstellen vom Paläolithikum bis ins Mesolithikum mit außergewöhnlichem Datenpotential sind in diesen Binnensee-Landschaften bewahrt.
Viele dieser archäologischen Fundstätten sind als Orte bekannt, an denen Menschen Tiere jagten und schlachteten, Rohmaterial zur Geräteherstellung zusammentrugen, Steinartefakte herstellten und sich dem Sammeln pflanzlicher und aquatischer Ressourcen widmeten. Diese Fundstätten sind in Ablagerungen von Feuchtgebieten eingebettet, deren vorteilhafte Bedingungen die Überlieferung von organischen und botanischen Überresten begünstigen. Damit stellen sie ein außergewöhnliches Archiv für eine detaillierte Analyse der menschlichen Anpassungsfähigkeit in sich verändernden, dynamischen Umwelten bereit.
In diachroner Perspektive vom Mittleren Pleistozän bis hin zum Holozän, stellt die vorliegende Anthologie verschiedene Aspekte warmzeitlicher Fundstätten in Seenlandschaften zur Illustration menschlicher Überlebensstrategien unter ähnlichen Umweltbedingungen zusammen.
Dieser Band trägt zum Kernforschungsthema “Menschliche Verhaltensstrategien in warmzeitlichen Umwelten” des Archäologischen Forschungszentrums und Museums für menschliche Verhaltensevolution MONREPOS (RGZM) (Neuwied, D) bei. Ziel dieser Forschung ist eine ganzheitliche und diachrone Analyse menschlicher Überlebensstrategien in ähnlichen Umweltbedingungen, um die Entwicklung menschlichen Verhaltens zur Existenzsicherung zu dokumentieren und um einzuschätzen, ob bestimmte Verhaltensänderungen als direkte Reaktion auf unterscheidbare Umweltbedingungen zurückzuführen sind.

Iain Davidson et al.

The origins of bone tool technologies
"Retouching the Palaeolithic: Becoming Human and the Origins of Bone Tool Technology" Conference at Schloss Herrenhausen in Hannover, Germany, 21.- 23. October 2015

Jarod M. Hutson et al. (Hrsg.)
RGZM – Tagungen, Band 35

Dieser Band versammelt die Beiträge der Konferenz “Retouching the Palaeolithic: Becoming Human and the Origins of Bone Tool Technology”, die im Oktober 2015 im Schloss Herrenhausen in Hannover veranstaltet wurde. Mit großzügiger Unterstützung der VolkswagenStiftung (Förderangebot Symposien und Sommerschulen) brachte die Konferenz eine internationale Gruppe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern eines breiten Forschungsbereichs zusammen, um die Entstehung und Entwicklung von Knochengerättechnologien in der Vorgeschichte zu erforschen, vor allem Retuscheure, Druck- und Schlaggeräte, die in verschiedenen lithischen Abschlagaktivitäten genutzt wurden. Das breite Teilnehmerspektrum lieferte eine Reihe von Blickwinkeln auf Knochengerätnutzung von Westeuropa bis zur Levante, vom Altpaläolithikum bis ins Neolithikum. Zusammen liefern diese Beiträge einen Überblick, wie die Einbindung von Knochengeräten mit anderen paläolithischen Technologien die menschliche Subsistenz und andere sozioökonomische Verhaltensweisen über Zeit und Raum beeinflusste. Schließlich behandelt dieser Band nicht nur Knochengeräte; vielmehr beabsichtigt die Aufsatzsammlung, weitergehende Ideen zu Technologie und Innovation anzuregen, da die Fähigkeit und der Wunsch, neue Geräte zu entwickeln, wahrhaftig im Kern dessen liegt, was uns zum Menschen macht.

Hans-Joachim Schalles et al.

Urbanitas – urbane Qualitäten
Die antike Stadt als kulturelle Selbstverwirklichung

Alexandra W. Busch, Jochen Griesbach, Johannes Lipps (Hrsg.)
RGZM – Tagungen, Band 33

Die schier unüberschaubare Anzahl antiker Städte lässt keinen Zweifel daran, wo im klassischen Altertum das Leben pulsierte. Worin genau die große Anziehungskraft der Städte bestand, lässt sich allerdings nur anhand seltener Äußerungen in den Schriftquellen erahnen: Abgesehen von den vielfältigen Unterhaltungsangeboten, mit denen die Städte aufwarten konnten, ist dort stets von Verfeinerungen die Rede, sei es im gesellschaftlichen Miteinander oder in der Gestaltung der materiellen Welt. Aber wie lassen sich solche Facetten urbaner Kultur auch archäologisch nachweisen? Der Tagungsband wendet sich der Frage antiker urbanitas exemplarisch von verschiedenen Seiten zu: Zum einen gilt das Augenmerk all denjenigen architektonisch greifbaren Installationen, die ein kultiviertes Leben jenseits ökonomischer Kriterien der Nützlichkeit erkennen lassen. Zum anderen wird beleuchtet, mit welchen Mitteln sich die  Städte ein eigenes Selbstbewusstsein verschafft haben, das von Stolz, Prestigedrang und nachhaltigem Wir-Gefühl zeugt. Schließlich geht es aber auch ganz einfach um die Frage: Was macht die Stadt in den Augen der antiken Menschen zur Stadt? Welche urbanen Qualitäten mussten erfüllt sein, damit ein Gemeinwesen den Anspruch erheben konnte, sich auf Augenhöhe mit anderen Städten zu befinden? Die hier gesammelten Beiträge, die nicht nur die  großen Zentren, sondern auch Städte verschiedenster Größenordnungen bis an die Peripherie der Mittelmeerwelt im Zeitraum vom 7. Jahrhundert v. Chr. bis in die Spätantike in den Blick nehmen, geben unterschiedliche Antworten  darauf: Es gibt durchaus wiedererkennbare Muster und verbindliche Normvorstellungen, aber nicht minder eigenwillige Lösungen und Sonderwege, dank derer die Städte ein eigenes Image entwickeln konnten.

Thomas Eser et al. (Hrsg.)

Authentisierung im Museum
Ein Werkstatt-Bericht

RGZM – Tagungen, Band 32

Museen sind Orte des »Originals« und »authentischer« Objekte. Aber was ist mit dem schillernden Begriff des Authentischen im musealen Bereich überhaupt gemeint? Können Kopien, wenn schon keine Originale, so doch authentische Objekte sein? Ist Authentizität eine Eigenschaft der Dinge oder eine Zuschreibung durch Museumsmacher? Und welche Rolle spielen Authentizität und Aura für die Besucher und Nutzer unterschiedlicher Museen?
Der vorliegende Band schlägt einen neuen Weg bei der Beantwortung dieser Fragen ein: Er untersucht Praktiken des Authentisierens im Museum. Thematisiert wird, wie Sammlungslogiken und Auswahlprozesse, wissenschaftliche Forschung, restauratorische und konservierende Praktiken sowie Ausstellungspräsentationen und Vermittlungsperspektiven Dinge authentisieren, auratisieren und sakralisieren. Oder aber umgekehrt ehemalige Gewissheiten infrage stellen und das zunächst als authentisch Angesehene dekonstruieren. Insofern schaffen Museen nicht nur historische Authentizität, sondern sie zerstören sie auch, indem alte Zusammenhänge verändert und neue kreiert werden – etwa wenn Gebrauchs- oder Fundzusammenhänge in eine Ausstellung überführt oder modifiziert werden.
Der Band gibt Einblicke in archäologische, kultur- und zeithistorische, technik- und naturkundliche Museen und ihren Umgang mit dem Authentischen. Er geht auf aktuelle Forschungen des Leibniz-Forschungsverbunds Historische Authentizität und seiner beteiligten Institutionen zurück und will zugleich dafür sensibel machen, in der kuratorialen Praxis die Chancen und Hürden beim Operieren mit dem Authentizitätsbegriff stärker wahrzunehmen.