Schweizer Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters
Die »Schweizer Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters« SBKAM werden seit 1974 als einmal jährlich erscheinendes wissenschaftliches Jahrbuch vom Schweizerischen Burgenverein herausgegeben.
Entsprechend den statutengemässen Vereinszielen dient das Jahrbuch der Präsentation und Verbreitung aktueller Forschungsergebnisse der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Archäologie und Kulturgeschichte. Im Zentrum steht insbesondere die Präsentation von Forschungen zu mittelalterlichen Burgen und neuzeitlichen Schlössern, aber ebenso zu Klöstern, Kirchen und ländlichen wie städtischen Siedlungen sowie zur Sachkultur. Das Jahrbuch soll aktuelle wissenschaftliche Forschungsergebnisse so präsentieren, dass sie auch für interessierte Nichtfachleute verständlich sind.
SBKAM ist offen für Beiträge von Autoren aller archäologischen oder verwandten Disziplinen. Den geographischen Rahmen bildet die Schweiz, wobei Vergleiche und Einordnungen der untersuchten Fragestellungen in grössere Zusammenhänge erwünscht sind.
Die Beiträge in den SBKAM unterliegen einem Peer-Review-Verfahren durch Gutachter aus dem Kreis der Redaktionskommission; gegebenenfalls werden unabhängige externe Gutachter beigezogen.
SBKAM erscheint als Buch im Format A4. Es wird den Mitgliedern des Schweizerischen Burgenvereins als Jahresgabe abgegeben. Publikationssprache ist Deutsch mit Zusammenfassungen ins Französische, Italienische und Englische.

Herausgeber
Band 1-17 (Frohburg): Walter-Verlag Olten/Freiburg i.Br.
ab Band 18/19: Schweizerischer Burgenverein, Basel
Jasmin Frei
Geschäftsstelle
Schweizerischer Burgenverein
Obermattstrasse 27
CH-8330 Pfäffikon
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Bisher erschienen
Das Castel Grande in Bellinzona: Bericht über die Ausgrabungen und Banuntersuchungen von 1967
Die Talsperre von Bellinzona gehört zu den grossartigsten mittelalterlichen Wehranlagen der Schweiz. Immer wieder ist um den Besitz dieses festen Platzes gestritten worden. Hier dröhnte der Schritt des römischen Legionärs, hier zogen germanische und rätische Horden vorbei, hier versuchten die jeweiligen Herren Italiens, fremde Eindringlinge aufzuhalten. Erst als um 1500 Bellinzona an die Eidgenossen überging, kehrten ruhigere Zeiten ein, worauf die Festungswerke allmählich ihren militärischen Wert verloren.
Der vorliegende Bericht kann keinen Anspruch darauf erheben, eine vollständige Geschichte von Castel Grande zu bieten. Denn die Boden- und Bauuntersuchungen beschränkten sich infolge von Baumassnahmen auf den Südtrakt der Burg. Die Bodenuntersuchungen erbrachten Bauphasen vom 4. bis zum 11. Jh., die Untersuchungen an den Mauern zeigten Elemente von der 1. Hälfte des 13. Jh. bis zum Ende des 15. Jh. Die Kleinfunde machen eine prähistorische Besiedlung des Hügels wahrscheinlich und belegen eine Benützung von augusteischer Zeit bis in die Gegenwart. Das hochmittelalterliche Fundgut verrät deutlich Einflüsse aus dem nördlichen Alpenvorland (Ofenkacheln) und aus Italien (Majolika). Seit dem 13. Jh. verstärkt sich deutlich das lombardisch-italienische Element und findet im 15. Jh. den Höhepunkt; nicht nur im Fundgut, sondern in der baulichen Ausgestaltung der Wehranlage.
Die Burgruine Scheidegg bei Gelterkinden: Bericht über die Forschungen 1970–74
Abseits der grossen Verkehrsströme liegt die Burgruine Scheidegg auf einem bewaldeten Höhenzug, hoch über der Gemeinde Tecknau im obersten Teil des Ergolztales. Unter der Leitung der Kantonsarchäologie Basel-Landschaft wurde die Ruine 1970–74 untersucht. Aufgrund der bestimmbaren Kleinfunde liegt die Entstehungszeit der Burg zwischen 1220 und 1230. Den Untergang fand sie um 1320 in einer (natürlichen) Brandkatastrophe. Das zeigt sich neben der mächtigen Brand- und Schuttschicht in einem Fundensemble, das alle Bereiche des Alltagslebens der Burgbewohner erfasst. Bemerkenswert ist das Auffinden von Skelettteilen von 7 Pferden, die vermutlich beim Brand elendiglich zu Grunde gingen. Architektonisch zeichnet sich die Burg durch einen grossen Wohnturm aus, der an den Ecken mit Rundpfeilern verstärkt war, und einen Burghof, in den eine mächtige Filterzisterne eingebaut war.
Die Burgruine Alt-Wartburg im Kanton Aargau: Bericht über die Forschungen 1966/67
1966/67 wurde die Ruine von Alt-Wartburg über Olten vom Schutt befreit und archäologisch untersucht. Für die Forschung interessant ist der terminus ante quem der Zerstörung, die chronikalisch mehrfach für das Jahr 1415 erwähnt wird. Funde und Befunde zeigen einen Siedlungsbeginn im 11. Jahrhundert an, die erhaltenen Mauern stammen aus dem 12. Jahrhundert, dem in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts ein Ausbau folgte; weitere bauliche Veränderungen fanden im 14. Jahrhundert statt, bis 1415 die Burg im Rahmen der Eroberungen des Aargaus durch die Berner erobert, geplündert und durch Brand zerstört wurde. Das Fundspektrum zeigt nicht den gesamten Bereich des Hausrates einer mittelalterlichen Burg, da bei der Plünderung 1415 vieles verschwand, was sich leicht wegtragen liess. Um so eindrücklicher war die Fundserie der Ofenkacheln, die sich von unglasierten Becherkacheln über Napfkacheln bis zu den Medaillonkacheln mit Zubehör wie Gesims- und Kranzkacheln erstreckt. Aber auch hier zeigte sich das Wüten der Eroberer: praktisch kein Medaillon ist vollständig erhalten, die meisten sind zerschlagen worden. Der ausführlichen Darstellung des archäologischen Befundes schliesst sich ein Kapitel zur Besitz- und Herrschaftsgeschichte an.



