Zitationsvorschlag

Ebenhöch, Romina: Vergis mein nit: Verbundenheit und Gedenken durch Ringe im 16. Jahrhundert, in Bosselmann-Ruickbie, Antje, Späth, Markus und Schulz, Matthias (Hrsg.): Silke Tammen (1964-2018) zum Gedenken, Bd. 2: Nachdenken über Sinne, Bildwahrnehmung und Materialität: Silke Tammens Forschungen auf der Spur, Heidelberg: arthistoricum.net, 2025, S. 221–235. https://doi.org/10.11588/arthistoricum.1620.c24660

Identifier (Buch)

ISBN 978-3-98501-366-1 (PDF)

Veröffentlicht

19.12.2025

Autor/innen

Romina Ebenhöch

Vergis mein nit

Verbundenheit und Gedenken durch Ringe im 16. Jahrhundert

Im 16. Jh. erfreuten sich Fingerringe mit Hinterglasmalerei großer Beliebtheit in weiten Teilen Europas. Besonders häufig trifft man die Technik der Amelierung bei Siegelringen an, die das Monogramm und Wappen des Besitzers bzw. der Besitzerin wiedergeben. Diese Technik ist eine Form der Hinterglasmalerei, bei der durch die Kombination von Gold-/Silberfolie mit Farbaufträgen ein emailartiger Lüstereffekt entsteht. Aus dieser Objektgattung tritt eine Gruppe von vergleichsweise einheitlichen Fingerringen hervor, die im Kontrast zu Siegelringen als Individualitätsmarker stehen. Anstelle tatsächlicher Wappen tragen die vermutlich mehrheitlich aus Nürnberger Produktion stammenden Ringe gesamthaft die Devise V(G)MN (Vergissmeinnicht) oder FGMN (Forgetmenot) in Kombination mit einer Darstellung einer Vergissmeinnicht-Blume als Wappenschild. Dem Format des vorliegenden Bandes entsprechend entspringt der Beitrag aus der Überlegung, wie der Akt des Gedenkens in Bild und Sprache, insbesondere im Schmuck des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, in Erscheinung tritt. Das Augenmerk liegt dabei auf der imperativen Sprachkompetenz des Vergissmeinnichts und dem Umgang mit der bildhaften Sprachfähigkeit der filigranen Blume auf Fingerringen aus der zweiten Hälfte des 16. Jhs. Ziel des Beitrages ist es, Gebrauch und Funktion der Ringe in den Lebensbereichen Liebe, Freundschaft, Gedenken und Glaube im 16. Jh. nachzugehen und diese mit den Traditionswurzeln der imperativen Symbolkraft des Vergissmeinnichts in der Literatur des Mittelalters zu verbinden.