Zitationsvorschlag
Versionen (Buch)
- 2025-06-03 (2)
- 2025-05-06 (1)
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Identifier (Buch)
Veröffentlicht
Versionen
- 03.06.2025 (2)
- 06.05.2025 (1)
Zwischen Indifferenz und Kapitulation: Unannehmbare Gewalt und deren Veröffentlichung in Bildern
Wir leben zweifellos in einer Zeit gesteigerter Bildproduktion, die uns zwingen kann, ‘alles’ zu sehen. Dabei besteht allerdings die Gefahr, dass es niemand mehr ertragen kann. Wer ‘alles’ sehen muss, wird alsbald nicht(s) mehr sehen können (1). Dennoch können wir nicht darauf verzichten, zumal unannehmbare Gewalt sichtbar zu machen (2), sei es auch nur, um sie forensisch zu dokumentieren im Rahmen eines demokratischen Rechtsstaates, der sich zur Gewalt nicht indifferent verhalten kann, wo sie mit menschlicher Verantwortung einhergeht. Darüber hinaus aber zeigt sichtbar gemachte Gewalt, was aus keinem einzelnen Bild je unvermittelt hervorgehen kann: wie radikal sie eine Welt infragestellt, der von Kindheit an niemand ausgeliefert sein sollte, die wir mit dem Versprechen verknüpft sehen, vor Gewalt so weit wie nur möglich geschützt zu sein (3). Die ins Bild gesetzte, dies indirekt zeigende Gewalt macht augenfällig, wie dieses Versprechen immer wieder gebrochen wird. Zugleich erinnert sie an eine radikal gefährdete, möglicherweise völlig utopische Zukunft, in der dies nicht länger der Fall sein sollte (4). In ihr liegt die Hoffnung einer Praxis der Veröffentlichung, die gerade nicht einen andauernden Krieg der Bilder befeuern soll, sondern daran erinnert, was für alle Seiten letztlich auf dem Spiel steht zwischen dem Irrweg indifferenten Sichabfindens mit unannehmbarer Gewalt, vor der man kapituliert, einerseits und einer fatalen Apologie der Gewalt andererseits, die sie sich zu eigen macht und infolgedessen weit über jedes unvermeidliche Maß hinaus verschärfen muss (5).



