Zitationsvorschlag

Gludovatz, Karin: Durchblick haben: Auktoriale Selbstinszenierung in einem höfischen Manuskript für Ludovico Sforza (Mailand 1495), in Bosselmann-Ruickbie, Antje, Späth, Markus und Schulz, Matthias (Hrsg.): Silke Tammen (1964-2018) zum Gedenken, Bd. 2: Nachdenken über Sinne, Bildwahrnehmung und Materialität: Silke Tammens Forschungen auf der Spur, Heidelberg: arthistoricum.net, 2025, S. 127–143. https://doi.org/10.11588/arthistoricum.1620.c24654

Identifier (Buch)

ISBN 978-3-98501-366-1 (PDF)

Veröffentlicht

19.12.2025

Autor/innen

Karin Gludovatz

Durchblick haben

Auktoriale Selbstinszenierung in einem höfischen Manuskript für Ludovico Sforza (Mailand 1495)

Gaspar Ambrogio Visconti, Höfling, Literat und Mitglied der ehemals das Herzogtum Mailand regierenden Familie, verfasste in den frühen 1490er Jahren das Versepos De Paulo e Daria Amanti, die Geschichte eines jungen Paares, das unter der Herrschaft der Visconti am Konflikt seiner Familien scheitert. Der Text erschien gedruckt 1495 und wurde dem Herzog Ludovico Sforza zugleich in einem reich illuminierten Manuskript zugeeignet. Dieses steht im Zentrum des Beitrags, konkret gilt das Interesse den Inszenierungen des Autors an den Rändern der Seiten, in denen er seine Stellung und Tätigkeiten am Hof thematisiert. Die Entscheidung, seinen Text dem Herzog auch in dieser Form darzubringen, bot Visconti die Gelegenheit, für seine Auftritte in der Handschrift die Möglichkeiten der Malerei in all ihren Spielarten zu nutzen, am eindrücklichsten in Form des trompe-l’œil. Die Insistenz des Literaten auf die Arbeit an einem illuminierten Codex belegt die Relevanz dieses Objekts auch zu einem Zeitpunkt, als handgeschriebene und bemalte Bücher sukzessive durch den Buchdruck ersetzt wurden. Die illuminierte Handschrift machte durch ihre spezifischen medialen, materiellen und künstlerischen Bedingungen gestalterische Angebote, die offenbar als nicht ersetzbar angesehen wurden.