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Weltschöpfung und Buchschöpfung
Die frühen Bible moralisée-Handschriften als Picture Book
Die Handschriften der Bible moralisée sind das mit Abstand profilierteste und ambitionierteste Beispiel für den modernen Buchtyp des ›Picture Book‹, der im 13. Jh. stark an Beliebtheit gewinnt. In langen Bilderfolgen, die zwischen 1000 und 2000 Medaillons umfassen, übernehmen sie Aufgaben einer ausführlichen Darstellung der Heilsgeschichte und ihrer allegorischen Auslegung, die bis dahin eine Domäne von Texten waren. Ausgehend von den berühmten Schöpfungsfrontispizen zu Beginn diskutiert der Beitrag unterschiedliche Konzepte der Herstellung und der Handhabung von Büchern, die in den frühen Exemplaren der Bible moralisée in der Österreichischen Nationalbibliothek greifbar werden. Eine wichtige Rolle spielt dabei die kreisförmige Rahmung der Bilder, die das Handeln des Schöpfergotts mit seinem Zirkel aufgreift und weiterführt. Diesem Modell einer fortgesetzten Bildschöpfung steht in den Wiener Handschriften eine Serie gemalter Bücher gegenüber, deren leere Seiten göttliche Erleuchtung und kirchliche Autorität symbolisieren. Ein wichtiger Anknüpfungspunkt für die Überlegungen des Beitrags ist Silke Tammens Analyse der Schlussseite der ältesten lateinischen Handschrift, deren letzte Bilder einen Bogen zurück zur einleitenden Schöpfungsminiatur schlagen. Am Ende des Artikels wird die Bible moralisée als Pionier eines neuen Buchtyps beschrieben, der das Bild über den Text stellt und somit die Buchproduktion und -rezeption revolutioniert.



