Zitationsvorschlag

Reudenbach, Bruno: Anfang und Ende in der Bible moralisée, in Bosselmann-Ruickbie, Antje, Späth, Markus und Schulz, Matthias (Hrsg.): Silke Tammen (1964-2018) zum Gedenken, Bd. 2: Nachdenken über Sinne, Bildwahrnehmung und Materialität: Silke Tammens Forschungen auf der Spur, Heidelberg: arthistoricum.net, 2025, S. 81–97. https://doi.org/10.11588/arthistoricum.1620.c24652

Identifier (Buch)

ISBN 978-3-98501-366-1 (PDF)

Veröffentlicht

19.12.2025

Autor/innen

Bruno Reudenbach

Anfang und Ende in der Bible moralisée

Der Aufsatz schließt an Überlegungen zum Ende eines Buches als einer – besondere künstlerische Herausforderungen bereithaltenden – Schwellensituation an, wie sie Silke Tammen am Beispiel der Apokalypse zum Ende der lateinischen Bible moralisée-Handschrift in der Wiener ÖNB (Cod. 1179) dargelegt hat. Davon ausgehend werden hier bestimmte Strukturmerkmale der Bible moralisée  in den Blick genommen. Insbesondere geht es dabei neben der Seitendisposition mit ihrem Acht-Medaillon-Schema vor allem um die Gestaltung des Buchanfangs, der in Relation zu dem von Tammen untersuchten Buchende gesetzt wird. Die berühmten ganzseitigen Titelbilder der Wiener Bible moralisée-Handschriften (ÖNB Cod. 1179 und 2554), die den Weltschöpfer beim Schöpfungsakt mit dem Zirkel zeigen, lassen sich zu schöpfungstheologischen Vorstellungen über die Zeit und den Anfang der Zeit, die vor allem auf Augustinus zurückgehen, in Beziehung setzen. Partiell spielt auch die Idee einer nicht sukzessiven, sondern simultanen Schöpfung eine Rolle. Neben diesen theologischen und nicht vollständig widerspruchsfrei aufgehenden Begründungszusammenhängen ist aber vor allem die Beziehung von Belang, die zwischen dem göttlichen Schöpfer am Anfang und dem das Manuskript verfertigenden Künstler am Buchende hergestellt wird.