Zitationsvorschlag

Späth, Markus: Klingende Münze, tönendes Siegel: Akustik und Reproduktion in der Dreihasenglocke aus dem Zisterzienserkloster Haina, in Bosselmann-Ruickbie, Antje, Späth, Markus und Schulz, Matthias (Hrsg.): Silke Tammen (1964-2018) zum Gedenken, Bd. 2: Nachdenken über Sinne, Bildwahrnehmung und Materialität: Silke Tammens Forschungen auf der Spur, Heidelberg: arthistoricum.net, 2025, S. 35–50. https://doi.org/10.11588/arthistoricum.1620.c24649

Identifier (Buch)

ISBN 978-3-98501-366-1 (PDF)

Veröffentlicht

19.12.2025

Autor/innen

Markus Späth

Klingende Münze, tönendes Siegel

Akustik und Reproduktion in der Dreihasenglocke aus dem Zisterzienserkloster Haina

Im Dachreiter der Kirche des Zisterzienserklosters Haina hängt eine Glocke des frühen 13. Jhs., die in der Forschung seit bald einhundert Jahren nahezu unbeachtet bleibt. Dabei ist sie vielleicht das früheste bekannte Beispiel eines solchen Läutinstruments, das zum Träger vielfältiger Formen reproduzierbarer Bilder wurde. Während es für den spätmittelalterlichen Glockenguss geradezu charakteristisch wurde, Pilgerzeichen als Glockenzier zu nutzen, finden sich hier erstmals Reliefs, die in Größe, Form und Erscheinung genau zwei Siegeln und zwei Dünnpfennigen (Brakteaten) entsprechen. Sie verweisen klar auf zwei wichtige politische Protagonisten der Region, nämlich den Erzbischof von Mainz und den Landgrafen von Thüringen. Doch wie kamen solche in weichen Materialien wie Wachs und Silberblech replizierte Bilder von kleinem Format auf ein gewaltiges Bronzeinstrument, das bei weit mehr als 1000 Grad Celsius gegossen wurde? Dieser Beitrag möchte die mediengeschichtlichen Dimensionen dieser Metareproduktion von Siegeln und Münzen auf einem Artefakt ausleuchten, das selbst aus einer verlorenen Form repliziert wurde.