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Klingende Münze, tönendes Siegel
Akustik und Reproduktion in der Dreihasenglocke aus dem Zisterzienserkloster Haina
Im Dachreiter der Kirche des Zisterzienserklosters Haina hängt eine Glocke des frühen 13. Jhs., die in der Forschung seit bald einhundert Jahren nahezu unbeachtet bleibt. Dabei ist sie vielleicht das früheste bekannte Beispiel eines solchen Läutinstruments, das zum Träger vielfältiger Formen reproduzierbarer Bilder wurde. Während es für den spätmittelalterlichen Glockenguss geradezu charakteristisch wurde, Pilgerzeichen als Glockenzier zu nutzen, finden sich hier erstmals Reliefs, die in Größe, Form und Erscheinung genau zwei Siegeln und zwei Dünnpfennigen (Brakteaten) entsprechen. Sie verweisen klar auf zwei wichtige politische Protagonisten der Region, nämlich den Erzbischof von Mainz und den Landgrafen von Thüringen. Doch wie kamen solche in weichen Materialien wie Wachs und Silberblech replizierte Bilder von kleinem Format auf ein gewaltiges Bronzeinstrument, das bei weit mehr als 1000 Grad Celsius gegossen wurde? Dieser Beitrag möchte die mediengeschichtlichen Dimensionen dieser Metareproduktion von Siegeln und Münzen auf einem Artefakt ausleuchten, das selbst aus einer verlorenen Form repliziert wurde.



