Andreas Groß

Das byzantinische Erbe der Serben
Byzantinische Argumente und Narrative in der serbischen Nationalbewegung (1780-1868)

Byzanz zwischen Orient und Okzident, Band 27

Die vorliegende Studie untersucht die Bedeutung des byzantinisch-orthodoxen Erbes für die Nationalbewegung der Serben im 18. und 19. Jahrhundert. Auf Basis zeitgenössischer historiographischer Arbeiten, Zeitungsartikel, Korrespondenzen und Gesetze widmet sich die Monographie der Nutzung des Angebots überlebender Strukturen des Byzantinischen Reiches und seiner Kirche durch serbische Nation-Builder: Im Fokus der Untersuchung stehen geistliche und weltliche Akteure aus der schmalen Schicht der serbischen Bildungs- und Funktionselite, die zur Inszenierung und Legitimierung von Herrschaft, zur Festigung der eigenen Identität sowie zur Rechtfertigung bestimmter politischer Strategien auf das byzantinische Erbe zugriffen und sich damit auseinandersetzten.

Stefanie Archut, Sabine Schrenk (Hrsg.)

Variatio in Kunst und Handwerk
Modulare Arbeitsweisen in spätantiker und frühbyzantinischer Zeit

In Kunst und Handwerk des ersten Jahrtausends n. Chr. arbeitete man mit Voranfertigungen und Vorlagen; man experimentierte mit Motiven. Die Werkstätten setzten Einzelteile „wie aus einem Baukastensystem“ zusammen, teils nach strengem Entwurf, teils spielerisch. Die vorliegenden Beiträge gehen dieser „modularen Arbeitsweise“ und den unterschiedlichen Aspekten, die sie beeinflusst, erstmals übergreifend nach und machen deutlich: Modulare Arbeitsweise erweist sich als ein wesentlicher Motor für kulturelle Weiterentwicklung. Es sind die Ergebnisse eines Projekts, das hauptsächlich Studierende und Promovierende mit Förderung der VolkswagenStiftung im Forschungs- und Lehrprojekt der „Poolforschung“ an der Abteilung Christliche Archäologie der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn durchgeführt haben.

Wolfgang Börner, Hendrik Rohland, Christina Kral-Börner, Lina Karner (Hrsg.)

Artificial Intelligence
New Pathways Towards Cultural Heritage

Proceedings of the International Conference on Cultural Heritage and New Technologies, Vienna, Band 25

Die 25. internationale Konferenz „Cultural Heritage and New Technologies“ fand 2020 zu dem Thema „Artificial Intelligence – New Pathways Towards Cultural Heritage“ im Wiener Rathaus statt.
Die Beiträge behandeln computergestützte Verfahren in allen Bereichen des Cultural Heritage, mit besonderem Schwerpunkt auf dem Einsatz von „Künstlicher Intelligenz“. Die Themen umfassen Fernerkundung, Datenerhebung- und Modellierung, sowie Methoden zur Analyse und Präsentation von digitalen Daten in Archäologie und Denkmalpflege. Der Band enthält zudem die Zusammenfassungen der Round-Table-Gespräche, Abstracts zu den auf der Tagung präsentierten Postern sowie die Beiträge einer Sonder-Session, die dem 25. Jubiläum der Konferenz gewidmet war.

Silva Katherina Bruder

Man lebt, wie man wohnt.
Untersuchungen zur Wohnhausarchitektur Mittel- und Norditaliens vom ausgehenden 6. bis zum beginnenden 2. Jh. v. Chr.

Auf idealisierte Grundrisse konzentrierte Ansätze, starre Typologien und vorgeprägte Bezeichnungen sind oftmals für die Forschung zur etruskisch-italischen Wohnhausarchitektur kennzeichnend. Die vorliegende Untersuchung geht mit einer ganzheitlichen Herangehensweise neue Wege und bezieht Grundrisse, Bautechnik, Ausstattung und Aktivitätszonen der Hausstrukturen ein. Als Analysegrundlage wird ein nach einheitlichen, transparenten und strikt an den Befunden orientierten Kriterien aufgebauter Katalog des zur Verfügung stehenden Materials vorgelegt. So wird unter Anwendung ausgewählter, an das Material angepasster Architekturforschungsmethoden sowie durch die Verwendung möglichst neutraler Begrifflichkeiten das Bild einer differenzierten und vielfältigen Wohnlandschaft Mittel- und Norditaliens der nacharchaischen Zeit sichtbar. Architektursoziologische Überlegungen runden die Analyse ab.

Mark L. Lawall (Hrsg.)

Assemblages of Transport Amphoras: From Chronology to Economics and Society
Panel 6.6

Archaeology and Economy in the Ancient World – Proceedings of the 19th International Congress of Classical Archaeology, Cologne/Bonn 2018, Band 36

Wo auch immer sie in der archäologischen Überlieferung auftauchen und wie auch immer sie vom ersten Töpfern bis zum endgültigen Wegwerfen verwendet wurden, Transportamphoren sind Artefakte wirtschaftlicher Aktivität. Diese Verbindung zur antiken Wirtschaft beschränkt jedoch nicht die Bandbreite der archäologischen Kontexte, in denen Amphoren eine bedeutende Rolle spielten.
Die Beiträge in diesem Band untersuchen ein breites Spektrum an Fundorten - von einzelnen Gebäuden über Schiffsladungen bis hin zu weiten geografischen Regionen - in denen diese Gefäße gefunden wurden. Während die Fundstellen häufig auf chronologische Belege hin untersucht werden, können die Kontexte - im weitesten Sinne - auch zu komplexeren sozialen und wirtschaftlichen Interpretationen der Gefäße und der Gebiete, in denen sie vorkommen, beitragen. Daher werden in diesem Band Amphoren im Hinblick auf die Versorgung von Heiligtümern und anderen öffentlichen Funktionen, auf Artefakte des privaten Handels, auf die lokale Nachfrage nach verschiedenen Arten von Produkten und auf breit angelegte Handelstrends untersucht, die durch die Geopolitik des Mittelmeerraums und Umweltveränderungen geprägt sind. Die Autorinnen und Autoren behandeln Funde aus dem archaischen Didyma, dem klassischen Korinth, dem spätklassischen Schiffswrack bei Mazotos (Zypern), dem hellenistischen Rhodos und Ephesos sowie den Fundorten Voura und Aigio an der Nordküste des Peloponnes.
Diese Studien verdeutlichen die vielfältigen Möglichkeiten, die inhärent wirtschaftliche Artefakte für unser Verständnis der antiken Gesellschaft bieten.

Lisa Schunk

Understanding Middle Palaeolithic asymmetric stone tool design and use
Functional analysis and controlled experiments to assess Neanderthal technology

Monographien des RGZM, Band 159

Im späten Mittelpaläolithikum Mittel- und Osteuropas wurde die Variabilität der Steingerätetechnologien der Neandertaler durch einen asymmetrischen Werkzeugtyp, sog. Keilmesser, ergänzt. Morphologische Merkmale und die Interpretation als Werkzeug im Langzeitgebrauch bieten ein einzigartiges Archiv für das Verhalten später Neandertaler.
Analysiert wurden Funde aus Buhlen, Balver Höhle und Ramioul. Eine multidisziplinäre Kombination aus Funktionsanalyse und kontrollierten Experimenten ermöglichte eine Evaluierung veröffentlichter Interpretationen und führte zu einer umfassenden Herangehensweise, die verschiedene Methoden und Analysemaßstäbe einsetzt und neue Perspektiven auf Keilmesser öffnet.

Stephanie Huysecom-Haxhi, Antonella Pautasso (Hrsg.)

«Craft Economy» and Terracotta Figurines. Approaching Systems of Production through Coroplastic Studies
Panel 3.14

Archaeology and Economy in the Ancient World – Proceedings of the 19th International Congress of Classical Archaeology, Cologne/Bonn 2018, Band 16

Koroplastische Studien haben sich in den letzten Jahren insbesondere aufgrund einer anderen Wahrnehmung von Terrakotta-Figuren entwickelt, die nicht mehr als dekorative Objekte, sondern als privilegierte Zeugnisse handwerklicher, soziokultureller und religiöser Praktiken der Gesellschaften, in denen sie hergestellt und verwendet wurden, angesehen werden.

Dieser Band widmet sich insbesondere den handwerklichen Praktiken sowie den Prozessen und Beweggründen, die zur Herstellung und weiten Verbreitung von Terrakotta-Figuren in der Antike führten. Die hier vorgestellten Studien, die noch nicht abgeschlossen sind, basieren im Wesentlichen auf einer eingehenden Beobachtung der Objekte, die oft die einzigen gefundenen und bisher verwertbaren Überreste sind, da  bisher nur wenige Werkstätten mit allen für die Herstellung dieser Artefakte notwendigen Werkzeugen und Strukturen erkannt und untersucht wurden. Das Objekt, ob es sich um Formen oder Figuren handelt, steht daher im Mittelpunkt der koroplastischen Studien.

Verschiedene koroplastische Sets aus verschiedenen Kontexten in verschiedenen geographischen Gebieten werden hier vorgestellt, mit dem Ziel, Informationen zu verschiedenen Problemen bezüglich der Herstellungstechniken, der Produktionsprozesse und der Werkstatt-faciès zu vergleichen. Zwei Hauptbereiche wurden untersucht: erstens das technische Fachwissen und die charakteristische Handarbeit der Handwerker und zweitens die Rekonstruktion der Aktivitäten innerhalb der Werkstätten, deren Funktionsweise und faciès von Fall zu Fall unterschiedlich sein können. Die in diesem Band gesammelten Beiträge liefern somit einige interessante Erkenntnisse, die für künftige Forschungen in dieser wachsenden wissenschaftlichen Disziplin hilfreich sein können.

Petra Linscheid

Die frühbyzantinischen Textilien des Römisch-Germanischen Zentralmuseums

Kataloge Vor- und Frühgeschichtlicher Altertümer, Band 48

Textilfunde aus Ägypten sind unsere wichtigste Quelle zur Erforschung frühbyzantinischer Kleidung und Ausstattungstextilien. Das Römisch-Germanische Zentralmuseum besitzt über 200 meist fragmentarische, aber auch zahlreiche vollständige Textilien dieser Zeit.
Als wissenschaftlicher Bestandskatalog werden sie hier mit ausführlichen einleitenden Kapiteln und einem detaillierten Katalogteil vorgelegt. Besondere Beachtung finden dabei Herstellungstechnik und Funktionsbestimmung der Stücke. Das Wissen um Aussehen und Verwendung der verschiedenen Tuniken, Manteltücher, Kopfbedeckungen sowie Decken, Polsterstoffe, Behänge und textilen Gerätschaften machen diese Objekte über die Textilkunde hinaus zu archäologisch und historisch relevanten Zeugnissen.

 

Alexandra Pesch

Die Kraft der Tiere
Völkerwanderungszeitliche Goldhalskragen und die Grundsätze germanischer Kunst

Kataloge Vor- und Frühgeschichtlicher Altertümer, Band 47

Winzige goldene Tierfiguren, Mischwesen, menschliche und göttliche Gestalten: Um 450 n. Chr. kursierte in Nordeuropa eine ausgefeilte Bildersprache. Die Dechiffrierung dieses Codes gestattet tiefe Einblicke in eine vielfach rätselhafte Vergangenheit.
Als exquisite Schmuckstücke von höchster Qualität bilden die drei schwedischen Goldhalskragen in technischer und ikonographischer Hinsicht die Spitzenprodukte ihrer Zeit. Obwohl sie schon im 19. Jahrhundert gefunden worden sind und seitdem Forscher wie Laien gleichermaßen fasziniert haben, ist dies die erste große wissenschaftliche Monographie mit herausragendem Abbildungsmaterial über diese »Reichskleinodien«. Das Augenmerk liegt auf Fragen zu ihrer Herstellung, ihren Trägern und ihrem Zweck. Vor allem aber wird die Bedeutung der vielen Hundert figürlichen Miniaturen erläutert und damit der Zugang zu den Vorstellungswelten der Germanen in vorchristlicher Zeit erschlossen.

Sebastian Olschok

Der »Wirtschaftskomplex« im Deir Anba Hadra (Assuan / Ägypten)
Lebensmittelverarbeitung in einem oberägyptischen Kloster

Byzanz zwischen Orient und Okzident, Band 26

Das koptische Kloster Deir Anba Hadra liegt gegenüber der südägyptischen Stadt Assuan am Westufer des Nils. Dieses größte und am besten erhaltene Kloster der Region wird seit 2013 durch ein interdisziplinäres Projekt im Rahmen einer DAI-Konzession erforscht. Der »Wirtschaftskomplex« auf der Oberen Terrasse wurde im Rahmen dieses Projektes bauhistorisch und archäologisch untersucht. In der Auswertung wurden 16 Bau­phasen erkannt, die mit verschiedenen Funktionen in Verbin­dung gebracht werden können, und es ist möglich, diesen Gebäudekomplex als Standort für Lebensmittelproduktion zu identifizieren. Hier wurden Brot, Rizinusöl, Wein und Garum hergestellt.
Durch die bauhistorischen Untersuchungen wurde festgestellt, dass der Kern des Komplexes ursprünglich als Oratorium für die Stundengebete der Mönche errichtet wurde. Durch den Anbau meh­rerer Funktionsräume wurde er nach dem 6./7. Jahrhundert großflächig umgestaltet. Durch diese Umgestaltung konnte eine Bäckerei eingerichtet werden, deren Kapazitäten nach und nach erweitert wurden. Mit der Errichtung eines Kollerganges konnte im nördlichen Teil des Gebäudekomplexes Rizinusöl hergestellt werden. Weiter nördlich wurde eine Weinkelter angesetzt; zwei Tanks in der direkten Umgebung der Kelter dienten wahrscheinlich der Her­stellung von Garum. Neben dem bewussten Abbau einzelner Mauern belegen Feuerstellen und Futtertröge eine Verwendung ver­schiedener Bereiche auch nach dem Ende der Nutzung des Deir Anba Hadra als Kloster.
Die im Deir Anba Hadra identifizierten Produktionsanla­gen wurden mit Installationen im (spät-)antiken Mittelmeer­raum verglichen. Durch diese Gegenüberstellungen können nicht nur technische Details erklärt werden, sondern vielmehr auch Produktionsprozesse.