Zitationsvorschlag

Kettner, Matthias: Die künstliche und die natürliche Intelligenz der Gesellschaft, in Held, Benjamin und Oorschot, Frederike van (Hrsg.): Digitalisierung: Neue Technik – neue Ethik: Interdisziplinäre Auseinandersetzung mit den Folgen der digitalen Transformation, Heidelberg: heiBOOKS, 2021 (FEST Forschung, Band 1), S. 189–217. https://doi.org/10.11588/heibooks.945.c12682

Identifier (Buch)

ISBN 978-3-948083-46-5 (PDF)
ISBN 978-3-948083-47-2 (Softcover)

Veröffentlicht

17.11.2021

Autor/innen

Matthias Kettner

Die künstliche und die natürliche Intelligenz der Gesellschaft

Abstract Drei eigensinnige Intelligenzdiskurse sind zu unterscheiden: Der philosophische
über vernünftige Wesen als Intelligenzen, der psychologische, der die Ausprägung von Intelligenz an
Menschen und Tieren untersucht, und der informationstechnische Diskurs über maschinelle Intelligenz
(Künstliche Intelligenz [KI]), dessen trivialisierende populärwissenschaftliche und propagandistische
Weiterungen in massenmedialer Verbreitung den Ton angeben. Ich werfe einen skeptischen Blick auf das technokulturelle Großprojekt der KI und dessen Rolle im Kulturprozess der Digitalisierung. Im zweiten Teil des Aufsatzes diskutiere ich drei Eskalationsstufen dieses Großprojekts als drei » Spiele «, ausgehend von Alan Turings klassischem Text Computing Machinery and Intelligence (1950): Im » Imitation Game « geht es um Simulation, im » Delegation Game « geht es um Assistenz und Überschreibung, im » Submission Game « geht es – exemplarisch bei transhumanistischen KI-Enthusiasten – um die Ablösung des Menschen durch etwas Besseres.  In seinen extremen Zügen erscheint das Submission-Game als KI-Faschismus. Im letzten Teil beschreibe ich die demokratische Regierungsweise politischer Gemeinwesen als unverzichtbare Gestalt von institutionell organisierter natürlicher Intelligenz der Gesellschaft. Als das maßgebliche Bezugsproblem wird der ethisch gebotene Vorrang der natürlichen vor der künstlichen Intelligenz dargestellt.