Digitalisierung: Neue Technik – neue Ethik
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Schlette, Magnus: Digitale Selbstwirksamkeit Zum Entwicklungspotenzial der neuen Medien für die demokratische Öffentlichkeit, in: Held, Benjamin und Oorschot, Frederike van (Hrsg.): Digitalisierung: Neue Technik – neue Ethik: Interdisziplinäre Auseinandersetzung mit den Folgen der digitalen Transformation, Heidelberg: heiBOOKS, 2021 (FEST Forschung, Band 1). https://doi.org/10.11588/heibooks.945.c12678

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Identifikatoren (Buch)
ISBN 978-3-948083-46-5 (PDF)
ISBN 978-3-948083-47-2 (Softcover)

Veröffentlicht am 17.11.2021.


Magnus Schlette

Digitale Selbstwirksamkeit Zum Entwicklungspotenzial der neuen Medien für die demokratische Öffentlichkeit

Abstract Eine der zentralen ethischen und demokratietheoretischen Fragen, die sich für die Gegenwart
stellen, lautet, welche Bedeutung die technologische Entwicklung der digitalen Medien für die Mobilisierung des bürgerschaftlichen Engagements zur Nutzung politischer Gestaltungsmöglichkeiten in unserer Gesellschaft besitzt. Mit anderen Worten: Welche Bedeutung hat der Medienwandel für die Demokratie als Lebensform ? Diese Frage stellt sich vor dem Hintergrund einer Krise der Öffentlichkeit, die sich in der Gegenwart unter anderem in wachsender Politikverdrossenheit bekundet. In dieser Situation regt der Aufsatz zu einer historischen Reflexion des Öffentlichkeitsbegriffs im demokratietheoretischen Diskurs zu der ältesten westlichen Demokratie an. Sowohl Alexis de Tocqueville, der große französische Analytiker der noch vergleichsweise jungen amerikanischen Demokratie, als auch John Dewey, der bedeutendste US-amerikanische politische Intellektuelle der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts, wurden unter seinen  jeweiligenhistorischen Bedingungen mit Phänomenen der Politikverdrossenheit und der Gefährdung der repräsentativen Demokratie durch eine unartikulierte Öffentlichkeit konfrontiert. Und sowohl Tocqueville als auch Dewey setzten auf die ihrer Zeit technologisch verfügbaren Medien, um das bürgerschaftliche Engagement zu befördern. Nach einer exemplarischen Auseinandersetzung mit den Öffentlichkeitsbegriffen Tocquevilles und Deweys stellt der Aufsatz die US-amerikanische politische Gegenwartsphilosophin Danielle Allen in die Tradition Tocquevilles und Deweys, indem er zeigt, dass sie die bereits für Tocquevilles und Deweys Interesse an der Bewahrung der Demokratie entscheidende Problemdiagnose aufgreift: Die  Bürger:innen müssen dazu in der Lage sein, Erfahrungen politischer Selbstwirksamkeit zu machen, um eine Bindung an die und Verpflichtung gegenüber der Demokratie zu entwickeln. Die Öffentlichkeit ist der Ort dieser Selbstwirksamkeit, öffentliche Selbstwirksamkeit eine Erfahrung politischer Freiheit. Und Allen
argumentiert für eine grundsätzlich neue Konzeptualisierung politischer Öffentlichkeit, um dem Potential der digitalen Medien für die Gestaltung der Demokratie gerecht werden zu können.