Sigrid Ruby

Mit Macht verbunden
Bilder der Favoritin im Frankreich der Renaissance

Die Mätressen der französischen Könige prägen unser Bild vom Leben am frühneuzeitlichen Fürstenhof – ein Leben voll Glamour, Affären und Intrigen, animiert von schönen Frauen, die viel Macht und Einfluss hatten. In dieser kunsthistorischen Studie geht es um die kritische Überprüfung und Präzisierung dieser populären Vorstellung. Untersucht werden medial verschiedene Artefakte aus dem Bereich der Bildkünste, der Architektur und der Literatur, die zur Zeit der französischen Renaissance für die bzw. anlässlich der königlichen Favoritin entstanden und sie als ein besonders facettenreiches Phänomen höfischer Kultur konturieren.

Im Zentrum stehen zwei historische Frauenfiguren, Anne de Pisseleu (1508-1580?) und Diane de Poitiers (1500-1566). Die für sie geschaffenen oder auf sie zu beziehenden Bilder, Architekturen und Schriften evozieren komplexe Rollenentwürfe der Favoritin am Hof der Valois-Könige Franz I. respektive Heinrich II. Diese Entwürfe, die auch von der steten Konkurrenz der Frauen mit den männlichen Günstlingen des Monarchen zeugen, sind weniger als historische Vorstufen oder -bilder des dann unter Ludwig XIV. und im Zeitalter der Absolutismus institutionalisierten Mätressenwesens anzusehen. Vielmehr veranschaulichen sie epochen- und milieuspezifische Möglichkeiten weiblicher Machtkonstitution unter Rückgriff auf die Künste.

Henry Keazor (Hrsg.)

Film - Plakat - Kunst
Dietrich Lehmann und der Heidelberger Filmclub der 50er Jahre

In den 50er Jahren schuf der Medizinstudent Dietrich Lehmann (1929-2014) handgemalte Filmplakate für den studentischen Filmclub Heidelberg, dessen Wirken über Heidelberg hinaus eine beachtliche Strahlkraft in das bundesrepublikanische Nachkriegsdeutschland hatte. Der die gleichnamige Ausstellung des Universitätsmuseums Heidelberg begleitende Katalog ordnet die Plakatschöpfungen Lehmanns innerhalb der Entwicklungsgeschichte des Filmplakats ein und setzt sich in Beiträgen mit der Geschichte des Heidelberger Filmclubs wie der Filmclubs in Deutschland generell auseinander. Darüber hinaus werden Hintergründe zur nationalen und lokalen Kinogeschichte beleuchtet und die Persönlichkeit Dietrich Lehmanns vorgestellt.

Mehr zur Ausstellung, die noch bis zum 15. April 2018 im Universitätsmuseum Heidelberg zu sehen ist, erfahren Sie  hier.

 

Michael Falser, Wilfried Lipp (Hrsg.)

Eine Zukunft für unsere Vergangenheit
Zum 40. Jubiläum des Europäischen Denkmalschutzjahres (1975–2015)

Unter dem Motto Eine Zukunft für unsere Vergangenheit war das Europäische Denkmalschutzjahr von 1975 die bisher bedeutendste und erfolgreichste Kampagne zur Bewahrung und Emporwertung des architektonischen Erbes in Europa. In der Anerkennung der Bedeutung städtebaulicher Ensembles, in der Bedachtnahme auf die Pluralität der Denkmalkategorien, im partiellen Engagement der Bürger und in legalen bzw. administrativen Weichenstellungen fand dieses Jahr nachhaltigen Niederschlag. Programmatik und Ideen von 1975 sind nach wie vor virulent und fordern eine Neuinterpretation unter den Bedingungen der Gegenwart heraus. Zum 40. Jubiläum 2015 stellt diese Publikation mit über 40 internationalen Beiträgen über Europa hinaus die erste umfassende Würdigung der europäischen Kampagne von 1975 dar.

Birgit Franz, Gerhard Vinken (Hrsg.)

Das Digitale und die Denkmalpflege
Bestandserfassung – Denkmalvermittlung – Datenarchivierung – Rekonstruktion verlorener Objekte

Veröffentlichungen des Arbeitskreises Theorie und Lehre der Denkmalpflege e.V., Band 26

Die „digitale Revolution“ ist längst in vollem Gange. Für die Denkmalpflege haben digitale Anwendungen neue Perspektiven geöffnet, etwa in der interaktiven Visualisierung verlorener Zustände, im Monitoring bedrohter Stätten und Artefakte oder in der komplexen Vernetzung heterogener Wissensbestände. Deutlicher werden inzwischen auch Grenzen und ungelöste Probleme im Einsatz digitaler Technologien, etwa was die Nachhaltigkeit der rapide wachsenden Datenmengen betrifft.
Doch haben wir es in Bezug auf die Digitalisierung nicht in erster Linie mit einer nur „technischen“ Neuerung zu tun. So wird das Bemühen um das digitale Erbe, mit dem Auftrag zur Dokumentation, Erforschung und Publizierung von Kulturgütern, nicht nur die Institution Museum transformieren. Zu beobachten ist auch, dass sich mit der neuen Fülle an digital erzeugten Bildern die wissenschaftlichen Standards verändern. Ein weiterer unterschätzter Aspekt der digitalen Revolution ist eine Umschichtung der Aufmerksamkeiten auf dem „Markt“ der Wissenschaften.
Die wohl auffälligste Folge des digitalen Versprechens einer genauen und verlustfreien Reproduktion des Verlorenen ist, dass bei jeder spektakulären Zerstörung von bekannten Monumenten reflexhaft die Forderung nach einer Rekonstruktion aufkommt. Deutlich wird hier, dass dem Digitalen eine innere Affinität zur Rekonstruktion innewohnt, insofern seine Leistungsfähigkeit in der Übersetzung aller Informationen in einen binären Code, in der angeblich verlustfreien Speicherung und Kopie beruht. Im digitalen Zeitalter wird die Unterscheidung von Original und Kopie so an Relevanz verlieren – auch zu dem Preis einer totalen Manipulierbarkeit der Daten, wie der Realität. (Gerhard Vinken)

Marius Lausch

Sprechende Bilder
Architektur, Glasmalerei und Ikonographie der Kathedrale Saint-Étienne in Auxerre

Es brauchte mehrere Generationen, um die Kathedrale Saint-Étienne von Auxerre zu vollenden, und dennoch weist der Bau eine bemerkenswerte Einheitlichkeit auf. Neben der Architektur verdienen vor allem die zahlreichen Bilderzyklen der Glasmalerei und die Skulpturen Beachtung. Diese „sprechenden Bilder“ sind nicht nur dekorative Elemente, sondern integrale Bestandteile der Bischofskirche. Nur im Zusammenspiel aller einzelnen Werke vermittelt die Kathedrale Saint-Étienne einen realistischen Eindruck von der Komplexität mittelalterlicher Sakralbauten und der Religiosität einer urbanen Gesellschaft des 13. Jahrhunderts.

Daniel Hess, Dagmar Hirschfelder (Hrsg.)

Renaissance · Barock · Aufklärung
Kunst und Kultur vom 16. bis zum 18. Jahrhundert

Die Schausammlungen des Germanischen Nationalmuseums, Band 3

Der Band begleitet die im Germanischen Nationalmuseum 2010 neu eröffnete Dauerausstellung zur Kunst und Kulturgeschichte des 16. bis 18. Jh. im deutschen Sprachraum. Die Schausammlung erschließt mit rund 1.000 Exponaten in 33 Räumen zentrale Themen der Frühen Neuzeit, wie Sammeln und Repräsentieren, Antikenrezeption und Naturstudium, die Wechselwirkung von Kunst und Religion oder das sich wandelnde Bild vom Menschen. Zu diesen Leitthemen bietet die Publikation vertiefende Beiträge und einen wissenschaftlichen Katalog aller ausgestellten Objekte. Auf der Basis aktueller Forschung werden Gemälde und Skulpturen, darunter Meisterwerke von Albrecht Dürer, Peter Vischer, Lucas Cranach oder Franz Xaver Messerschmidt, wie auch Glasgemälde, graphische Blätter und illustrierte Bücher, Kunsthandwerk, Textilien, Schmuck, Medaillen, Möbel und Musikinstrumente in ihrem künstlerischen und historischen Kontext verortet. Von den rund 1.000 Exponaten sind in dem attraktiv gestalteten Band rund zwei Drittel in herausragender Qualität farbig abgebildet.

Doris H. Lehmann (Hrsg.)

Vom Streit zum Bild
Bildpolemik und andere Waffen der Künstler

Wie stritten bildende Künstler und wie setzten sie dabei ihre Werke als Waffen ein? Ausgehend von dieser Frage zeigt der Sammelband des DFG-Projekts „Streitstrategien bildender Künstler in der Neuzeit“ exemplarisch, wie Maler, Graphiker und Bildhauer ihre Bilderfindungen im Kontext ihrer Auseinandersetzungen mit anderen Künstlern, Kritikern und Auftraggebern als eigenständiges Medium der Kommunikation, der Selbstpositionierung und -inszenierung einsetzten. Die Beiträge basieren auf den Vorträgen und Diskussionen der vom 4. bis 5. Dezember 2015 an der Universität Bonn veranstalteten internationalen Tagung „Vom Streit zum Bild – Bildpolemik und andere Waffen der Künstler“. Jenseits der bereits intensiv erforschten Aspekte Paragone, Agon, Aemulatio und der Künstler als Verbrecher widmet sich dieser Sammelband damit dem Phänomen des Künstlerstreits unter Berücksichtigung des durch die persönlichen Auseinandersetzungen freigesetzten kreativen Potentials, seiner bildsprachlichen Traditionen und Innovationen. Das behandelte Spektrum von Fallstudien umfasst im Schwerpunkt Beispiele des 16. Jahrhunderts und reicht bis in die Gegenwart.

Elisabeth Tietmeyer (Hrsg.)

Glances into Fugitive Lives

Schriftenreihe des Museums Europäischer Kulturen, Band 19

The starting point of this publication is the presentation daHEIM: Glances into Fugitive Lives realized in Berlin by the Museum Europäischer Kulturen with the artist barbara caveng and the initiative KUNSTASYL in 2016/17. Against the background of the situation of immigrants fleeing to Europe since 2015, it highlights the experiences and dreams of its protagonists from a residential hostel in the Berlin district of Spandau. Biographical examples of people who have migrated within, to and from Europe in the last two centuries are brought into comparison with current fates. This demonstrates that flight is not a new phenomenon, but has always been with us - at various times and in various places. Twelve authors from Europe, North and South America describe individual migration experiences, looking back as far as the 19th century from 2016. Over and beyond this, European migration movements are placed in global contexts, and forms of institutional migration remembrance presented.

2nd edition 2017.

Elisabeth Tietmeyer (Hrsg.)

Einsichten in flüchtige Leben

Schriftenreihe des Museums Europäischer Kulturen, Band 19

Ausgangspunkt der Publikation ist die Präsentation daHEIM: Einsichten in flüchtige Leben, die das Museum Europäischer Kulturen 2016/17 in Zusammenarbeit mit der Künstlerin barbara caveng und der Initiative KUNSTASYL in Berlin realisiert hat. Vor dem Hintergrund der Situation von Zuwander_innen durch Flucht in Europa seit 2015 stellt sie Erfahrungen und Träume der Protagonist_innen aus einem Wohnheim in Berlin-Spandau dar. Mit biografischen Beispielen von Menschen, die in den letzten beiden Jahrhunderten in, nach und aus Europa migriert sind, werden die aktuellen Schicksale verglichen. Dies zeigt, dass Flucht kein neues Phänomen ist; es hat sie immer gegeben - zu unterschiedlichen Zeiten, an unterschiedlichen Orten. Zwölf Autor_innen aus Europa, Nord- und Südamerika beschreiben individuelle Migrationserfahrungen von 2016 rückblickend bis ins 19. Jahrhundert. Darüber hinaus werden europäische Wanderungsbewegungen in globale Zusammenhänge gestellt und Formen der institutionellen Erinnerung an Migration präsentiert.

2. Auflage 2017.

Thomas W. Gaehtgens, Markus A. Castor, Frédéric Bussmann, Christophe Henry (Hrsg.)

Versailles et l'Europe
L’appartement monarchique et princier, architecture, décor, cérémonial

Passages online, Band 1

Der vorliegende Band untersucht den Einfluss eines der brillantesten Repräsentationsleistungen der Frühen Neuzeit auf die europäischen Höfe des 17. und 18. Jahrhunderts. Das Versailler Schloss, ein „Showroom“, der die französischen Luxusgüter über die Grenzen hinaus bekannt und zum begehrten Gut machte, zog die Blicke aller Regenten der Zeit auf sich. Doch wenngleich von Künstlern und Kunsthandwerkern, die sich an den europäischen Höfen niederließen, zahlreiche Formen und Ideen übernommen wurden, darf die Beharrlichkeit der lokalen Traditionen dennoch nicht unterschätzt werden.

Beginnend mit einer Analyse des Versailler Appartements nach Form und Funktion wird das in Frankreich entwickelte Modell in seiner Bedeutung für die Konzepte des Appartements der europäischen Höfe betrachtet. Die Beiträge analysieren das Zusammenspiel von Architektur, Dekor und Zeremoniell und die besondere Bedeutung des Appartements für die höfische Repräsentation. Die räumliche Disposition tritt als komplexes Verweissystem hervor, das die Inszenierung der Macht und die Zugänglichkeit des Regenten bestimmte. Die Logik der Ausstattungssysteme erschließt sich nur in interdisziplinärer Betrachtung, die auch die sozialen und politisch--historischen Bedingungen berücksichtigt. Bereits vorhandene Traditionen der europäischen Häuser werden in diesem Prozess zwischen Übernahmen und Transformationen neu konfiguriert.

Der erste Teil widmet sich dem in Frankreich entwickelten Modell des Appartements und versucht die komplexe Entwicklung in Versailles bis 1701 nachzuvollziehen, in der die Chambre de Parade zum Herzstück des Schlosses wurde. Im zweiten Teil beleuchten die Fallstudien zu Residenzen der deutschsprachigen Länder den komplexen Austausch und die Vielfalt der heterogenen Lösungen. Mit Beiträgen zu einigen wesentlichen europäischen Höfen in England, Holland, Schweden, Polen, Spanien und Italien schließt die Studie ab.