Frank Matthias Kammel

Heiße Kufen. Schlittenfahren: Repräsentation, Vergnügen, Sport

Der Band stellt Schlitten und Schlittendarstellungen aus den reichen Beständen des GNM vor und behandelt die kulturgeschichtliche Bedeutung des Schlittenfahrens vom 16. Jh. bis heute. Hervorgehoben wird die mit den geselligen Vergnügungen von Adeligen und Patriziern verbundene Repräsentation von Herrschaft und Macht. Neben Prachtfahrzeugen werden Schlitten als Transport- und Verkehrsmittel in der Arbeitswelt der Neuzeit thematisiert, ferner Aspekte ihrer Verwendung im kindlichen Spiel und in der winterlichen Freizeitgestaltung. Schlitten und Schlittenfahren stehen darüber hinaus metaphorisch etwa für die Eitelkeit oder die Wechselfälle des Lebens. Die zahlreichen, meist farbigen Abbildungen vermitteln dazu informative, individuell künstlerische und überraschende Einblicke.

Eva Emenlauer-Blömers, Andreas Bienert, James R. Hemsley (Hrsg.)

Konferenzband EVA Berlin 2018. Elektronische Medien & Kunst, Kultur und Historie
25. Berliner Veranstaltung der internationalen EVA-Serie Electronic Media and Visual Arts

EVA Berlin, Band 25

Die 25. EVA Berlin Konferenz [Electronic Media & Visual Arts] fokussiert den Spannungsbogen zwischen materiellem Kulturerbe und virtueller Repräsentanz. «Digitale Zwilling» verändern die Praxis des Kuratierens, der wissenschaftlichen Dokumentation und der Vermittlung. Sie begründen breitere Zugänge zu den Sammlungsbeständen und innovative Verfahren der Visualisierung und Narration. Als E-Installations oder Streamingdienste sichern sie den performativen Künsten Dauer und ermöglichen originale Klangerlebnisse in der digitalen Konzerthalle.

Kristina Hagen

Architektur als Argument
Frühneuzeitliche Klosterhöfe der Abtei St. Blasien im Dienste herrschaftlicher Verwaltung und institutioneller Rangansprüche

Schlossartige Höfe des 16.-18. Jahrhunderts dienten dem vorderösterreichischen Benediktinerkloster St. Blasien als Verwaltungsmittelpunkte seines großen Fernbesitzes: In Stadthöfen, ländlichen Amtshäusern und Propsteien wurden Abgaben – Naturalerträge und Geld – gesammelt, gelagert, verkauft oder weiterverteilt. Hier war Raum für öffentliche Zusammenkünfte sowie Verwalter, Quartier nehmende Äbte, Konventsmitglieder und Gäste. Die Bauten mussten somit neben sehr praktischen Aufgaben auch repräsentativen Ansprüchen gerecht werden.
Die Studie untersucht daher neben der Funktion den Beitrag der Gebäude zur Definition des herrschaftlichen Territoriums und inwieweit Form und Stil als rhetorische Mittel zur Abbildung von Rangansprüchen dienen sollten.
Vergleiche mit zeitgleichen Höfen des Damenstifts Säckingen und der weltlichen Herren von Schönau runden die Untersuchung ab.

Sandra König

Albinmüller 1871–1941
Raumkunst zwischen Jugendstil, Neoklassizismus und Werkbund

Albinmüller (d. i . Albin Müller, 1871–1941), Mitglied des Deutschen Werkbunds und der Darmstädter Künstlerkolonie, entwarf eine Vielzahl an Raumausstattungen sowie Gebrauchs- und Ziergeräten, welche hier erstmals übergreifend in ihrer Gesamtheit betrachtet werden. Ebenso wird die Lehrtätigkeit an der Magdeburger Kunstgewerbeschule (1900–1906) und den Großherzoglichen Lehrateliers in Darmstadt (1907–1911) behandelt. Albinmüller war überzeugt, dass eine moderne, zeitgemäße Formgebung „ohne Zutat überlieferter Formen“ möglich sei. Seine Entwürfe wurden u. a. auf den Weltausstel-lungen in St. Louis 1904 und Brüssel 1910 sowie der III. Deutschen Kunstgewerbe-Ausstellung in Dresden 1906 prämiert.

Andreas Bienert, Eva Emenlauer-Blömers, James R. Hemsley (Hrsg.)

Konferenzband EVA Berlin 2017. Elektronische Medien & Kunst, Kultur und Historie
24. Berliner Veranstaltung der internationalen EVA-Serie Electronic Media and Visual Arts

EVA Berlin, Band 24

Die digitale Transformation des Kulturerbes ist ein generativer und co-kreativer Prozess. Längst geht es nicht mehr um die reproduktive Digitalisierung von Sammlungsobjekten, sondern um die Prägung authentischer Erlebnisäquivalente. Telepräsenztechnologien und dreidimensionale Visualisierungen ermöglichen ein virtuelles Reenactment der Sammlungen in Dokumentation und Vermittlung. Nicht als digitaler Zwilling, sondern als dokumentarisch und funktional angereichertes digitales Unikat verlässt das Objekt den Raum des Museums und entfaltet als Virtual-, Smart- und Shared-Heritage seine eigene, auratische Wirksamkeit im Internet der Dinge, in den sozialen Netzwerken, auf Gaming Plattformen oder in Forschung und Wissenschaft. Neben dem breiteren Zugang zum kulturellen Erbe stehen neue Zirkulationsformen des Wissens und die Ausdifferenzierung öffentlicher Medienumgebungen auf der digitalen Agenda der GLAM Institutionen.
Die 24. Berliner EVA Konferenz 2017 ist das Forum, auf dem diese Themen entwickelt werden - an der Schnittstelle zwischen Gedächtnisinstitutionen, Technologieentwicklern, Informations-wissenschaftlern und öffentlichen Verwaltungen.

Katharina Frank

Die biblischen Historiengemälde der Cranach-Werkstatt
Christus und die Ehebrecherin als lehrreiche ›Historie‹ im Zeitalter der Reformation

Stuttgarter Akademieschriften, Band 2

Eines der bekanntesten Bildsujets Lucas Cranachs d. Ä. und seiner Söhne ist die Erzählung aus dem Johannesevangelium über Christus und die Ehebrecherin. Ab den 1530er Jahren wurde die biblische ›Historie‹ in der Wittenberger Werkstatt in zahlreichen Varianten gemalt. Die bildrhetorische Wirkung der Gemälde soll den Betrachter belehren, erfreuen und bewegen.
Die medienhistorische Studie untersucht den Bildgebrauch dieser Werke in der Reformationszeit. Die Historiengemälde sind nicht nur als Ausdruck der lutherischen Gnadenlehre zu verstehen, sondern auch als Tugendspiegel fürstlicher Milde und Exempel weiser Rechtsprechung – zugleich fordern sie die Gläubigen zur inneren Einkehr auf.

Romana Sammern, Julia Saviello (Hrsg.)

Schönheit ― Der Körper als Kunstprodukt
Kommentierte Quellentexte von Cicero bis Goya

Spätestens seit der berühmten Anekdote vom Bild der schönen Helena gilt körperliche Schönheit als ein Kunstprodukt. Für sein Bildnis der Helena soll der griechische Maler Zeuxis die fünf hervorragendsten Jungfrauen ausgewählt und von jedem Modell den jeweils schönsten Körperteil gemalt haben.
Nach dieser Vorstellung ist vollkommene Schönheit erst durch einen künstlichen Eingriff zu erzielen; das gilt sowohl für den lebendigen Körper als auch für sein künstlerisches Abbild. Kunst und Körperpflege stehen damit in einem spannungsvollen Wechselverhältnis. Denn die Grundlagen und Mittel zur Erzeugung und Steigerung von körperlicher Schönheit, die in beiden Bereichen zur Verfügung stehen, über- schneiden, ergänzen und beeinflussen sich. Das Buch beleuchtet dieses Wechselverhältnis anhand ausgewählter Grundlagentexte in deutscher Übersetzung, ergänzt um fundierte Kommentare zum historischen Kontext.

Piotr Kuroczyński, Peter Bell, Lisa Dieckmann (Hrsg.)

Computing Art Reader
Einführung in die digitale Kunstgeschichte

Computing in Art and Architecture, Band 1

Der Arbeitskreis Digitale Kunstgeschichte versteht sich als Netzwerk, das digitale Methoden im Fach Kunstgeschichte stärkt und gleichsam bildwissenschaftliche Forschung weitreichender in den Digital Humanities etabliert. Dazu richtet sich das Engagement des Arbeitskreises und seiner Mitglieder nicht nur auf die Weiterentwicklung digitaler Infrastrukturen und Werkzeuge, sondern auch auf die methodenkritische Vermittlung vielfältiger Ansätze digitaler Kunstgeschichte in der Lehre.
Der Computing Art Reader — Einführung in die digitale Kunstgeschichte stellt einen Schritt zur Umsetzung dieser Aufgaben dar. Studierende und Lehrende der Kunstgeschichte und der Digital Humanities erhalten einen ersten Überblick über die verschiedenen Inhalte und Institutionen der digitalen Kunstgeschichte; festgehalten durch einige der Akteurinnen und Akteure selbst. Die Texte bilden ein Mosaik aus theoretischen Essays, praxisnahen Projektbeschreibungen, Überblicken über Forschungszweige und kontroversen Positionstexten, in denen konkrete Technologien, aktuelle Diskurse und zukünftige Ziele des Teilgebiets ersichtlich werden.

Hans-Rudolf Meier, Daniela Spiegel (Hrsg.)

Kulturreformer. Rassenideologe. Hochschuldirektor
Der lange Schatten des Paul Schultze-Naumburg

Paul Schultze-Naumburg (1869–1949), Mitbegründer des Werkbundes und des Deutschen Bundes Heimatschutz, gehört zu den schillerndsten Vertretern der deutschen Kulturgeschichte des frühen 20. Jahrhunderts. Als Maler, Publizist, Unternehmer, Architekt und Kulturpolitiker erreichte er eine große Popularität, nach dem Ersten Weltkrieg radikalisierte er sich jedoch zum völkischen Rassisten und wurde früh Mitglied der NSDAP.

Von 1930 bis 1940 leitete Paul Schultze-Naumburg die „Staatlichen Hochschulen für Baukunst, bildende Künste und Handwerk“ in Weimar. Der Zielvorgabe folgend, die ehemalige Bauhaus-Stätte auf den Kurs der neuen Machthaber zu bringen, entwickelte Schultze-Naumburg ein explizit antimodernes, an Heimatschutz orientierter Handwerklichkeit ausgerichtetes Konzept.

Im vorliegenden Band werden Persönlichkeit, Werk und Wirken Paul Schultze-Naumburgs sowie das Profil der Weimarer Hochschule unter seinem Direktorat beleuchtet. Nicht zuletzt werden Wirkung und Nachleben dieser widersprüchlichen, bis heute schwierigen und daher wenig beforschten Persönlichkeit diskutiert. Vorgelegt werden die Ergebnisse eines vom Bauhaus-Institut für Geschichte und Theorie der Architektur und Planung organisierten wissenschaftlichen Symposiums, das vom 3. bis 4. Dezember 2015 an der Bauhaus-Universität Weimar stattfand.

Jacob Birken

Die kalifornische Institution
Fernwestliche Weltbilder um 1906

Dissertationen der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe, Band 1

Im April 1906 schießt Arnold Genthe in San Francisco eine Reihe von Aufnahmen der durch Erdbeben und Feuer zerstörten Küstenstadt. Seine Bilder sind als Dokumentationen der Katastrophe bis heute bekannt, Genthe selbst fast vergessen – die verträumt verwaschenen Portraits und Tanzbilder, die den Großteil seines Werks stellten und ihn über die USA hinaus berühmt machten, entsprachen kaum den Prinzipien der nachfolgenden künstlerischen Avantgarden. Ausgehend von Genthes bekanntesten Aufnahmen der Katastrophe möchte dieses Buch die ästhetischen, medienphilosophischen und gesellschaftspolitischen Konflikte nachzeichnen, die die Weltbilder des ‚Fernen Westens‘ um die Jahrhundertwende prägten.