Sigrid Böge

Orthogonale Gruppen und der Satz von Minkowski-Siegel
Vorlesung Wintersemester 2016–2017

Dieses Manuskript ist aus einer Vorlesung entstanden, die ich im Wintersemester 2016/17 in Heidelberg gehalten habe. Der Reiz für mich bestand darin, wirklich im Einzelnen und mit allen Formeln in Evidenz zu setzen, daß die Siegel-Minkowski'sche Formel in der großen Arbeit von Siegel aus dem Jahre 1935 äquivalent ist zu der Aussage, daß die Tamagawazahl der orthogonalen Gruppe (zunächst zu einer positiv definiten quadratischen Form) gleich 2 ist. Jeder weiß das, aber niemand hat das im Einzelnen vorgerechnet. Außerdem kann man die Formeln benutzen, um Darstellungen von Zahlen durch Formen zu betrachten. Den Ansatz dazu habe ich dem Buch von M. Kneser entnommen. Außerdem werden die Minkowski'schen Ungleichungen in orthogonalen Gruppen bewiesen und Siegelbereiche beschrieben.

Gerd Uwe Auffarth (Hrsg.), Frank Krogmann

Die Zukunft im Blick
150 Jahre Universitäts-Augenklinik Heidelberg

2018 blicken wir auf eine in diesem Buch sehr unterhaltsam dargestellte 150-jährige Geschichte der Universitäts-Augenklinik zurück, lernen die Menschen kennen, die die Klinik geprägt haben, sowie ihre akademischen Ehren und Verwicklungen. Die jeweiligen gesellschaftlichen Entwicklungen werden aufgezeigt, z. B. von der Einführung des Frauenstudiums („unerhört“) bis zu den ersten Assistenzärztinnen, wie ein Ordinarius berufen wird und wie viel Reichsmark ein „geheimer Hofrat“ verdiente.

Dieses Buch ist daher nicht nur für Mediziner, sondern für alle historisch Interessierten lesenswert.

Sara Springfeld

Modi di cantar sonetti
Italienische Sonettvertonungen bis ins 17. Jahrhundert

Das Sonett gilt als eine der beständigsten Formen der europäischen Lyrik. In den fast 800 Jahren seiner Geschichte forderte es nicht nur Dichter, sondern auch Komponisten immer wieder zu einer künstlerischen Auseinandersetzung heraus. Die vielfältigen Möglichkeiten einer Vertonung, aber auch die Probleme, die bei einer musikalischen Bearbeitung der asymmetrischen Strophenform des Sonetts auftreten konnten, werden in dieser Arbeit in den Fokus genommen. Gegenstand sind italienische Sonette von Francesco Petrarca bis Giambattista Marino, die vor allem im 16. und 17. Jahrhundert zu beliebten Textvorlagen in der Frottola, im Madrigal und im begleiteten Sologesang avancierten.

Carsten Wergin, Corinna Erckenbrecht

Der Ruf des Schneckenhorns
Hermann Klaatsch (1863 – 1916). Ein Heidelberger Wissenschaftler in Nordwestaustralien

Diese Publikation präsentiert bisher nicht analysiertes Material des Heidelberger Wissenschaftlers Hermann Klaatsch (1863-1916) über geistiges und materielles Erbe indigener Gruppen in Nordwestaustralien. Von 1904 bis 1907 betrieb Klaatsch ethnografisch-kulturwissenschaftliche Forschung in Australien und legte umfangreiche Sammlungen an. Die Auswertung vor allem seiner produktivsten Zeit 1905/1906 in Nordwestaustralien bietet neue ideengeschichtliche Ansätze zur Verbreitung und zum Einfluss deutscher Wissenschaftstradition, Verstehenskultur und Forschungsethik. Das Buch leistet damit einen aktuellen Beitrag zur Provenienz-, Repatriierungs- und Kulturerbeforschung in einer globalisierten Welt.

Immo Appenzeller, Dirk Dubbers, Hans-Georg Siebig, Albrecht Winnacker (Hrsg.)

Heidelberger Physiker berichten - Rückblicke auf Forschung in der Physik und Astronomie
Band 5: Vielfalt der Physik

Mit diesem Band endet die Reihe "Heidelberger Physiker berichten" vorläufig. Mit einer Fortsetzung in einigen Jahren kann aber gerechnet werden, wenn ein neuer Kreis von Emeriti nachgewachsen ist. Der vorhergehende Band 4 hatte den Fokus auf wichtigen Anwendungen, die aus der Physik hervorgegangen sind. Der vorliegende Band 5 hingegen dokumentiert noch einmal die volle Breite der in Heidelberg betriebenen Physik: von den allergrößten Dimensionen im Kosmos zu den allerkleinsten Skalen der Elementarteilchen, von den höchsten Energien machtvoller Beschleuniger zu den niedrigsten Energien ultrakalter Neutronen, von den (nur scheinbar) einfachen Systemen des Nukleons zu den höchst komplexen Systemen der Umwelt und des menschlichen Gehirns.

Immo Appenzeller, Dirk Dubbers, Hans-Georg Siebig, Albrecht Winnacker (Hrsg.)

Heidelberger Physiker berichten - Rückblicke auf Forschung in der Physik und Astronomie
Band 4: Von den Grundlagen zur Anwendung

Auch in diesem Band 4, dem nach derzeitiger Planung vorletzten der Reihe „Heidelberger Physiker berichten“, blicken Heidelberger Hochschullehrer der Physik und, in diesem Band, auch der Physikalischen Chemie auf ihren wissenschaftlichen Lebensweg und die Entwicklung ihres Fachgebietes zurück. Eine besondere Note erhält dieser Band durch den bereits im Titel angesprochenen Bezug zur Anwendung, die in der Heidelberger Physiktradition eher eine Randstellung einnimmt. Der Untertitel des Bandes weist einerseits auf eine persönliche fachliche Entwicklung des jeweiligen Vortragenden hin, kennzeichnet aber auch eine allgemeine Tendenz von Grundlagenforschung, sich zur Anwendung hin zu öffnen. In den vorliegenden Texten erfolgt diese Annäherung auf methodischer Basis, sie ergibt sich also aus der Möglichkeit, hochentwickelte Methoden der Laserspektroskopie, der modernen Optik oder der Spinresonanz auf praktische Fragestellungen oft interdisziplinären Charakters anzuwenden, in Biologie und Medizin, in Verfahrenstechnik und Materialwissenschaften. Gerade auch der interdisziplinäre Charakter der vorgestellten Forschung ist bezeichnend für einen Trend unserer heutigen Wissenschaft.

 

Lukas Ruprecht Herbert

Die akademische Gerichtsbarkeit der Universität Heidelberg
Rechtsprechung, Statuten und Gerichtsorganisation von der Gründung der Universität 1386 bis zum Ende der eigenständigen Gerichtsbarkeit 1867

Von der Gründung der Universität bis ins ausgehende 19. Jahrhundert existierte in Heidelberg eine akademische Gerichtsbarkeit. Bekanntestes Relikt ist heute der Karzer, das Studentengefängnis. Allerdings waren der akademischen Gerichtsbarkeit  nicht nur Studenten unterworfen, sondern auch Professoren, Hausangestellte von Universitätsmitgliedern und bestimmte Handwerker. Zuständig für alle Rechtsgebiete, waren die Fälle, die vor dem akademischen Gericht verhandelt wurden, vielfältig und die Kompetenzen durchaus weitreichend. Mindestens in einem Fall verhängte das Gericht die Todesstrafe.

Anne Jürgens

Russischsprachige Bevölkerung in Osteuropa – von der Titularnation zur Minderheit
Demokratische Transformation und gesellschaftliche Integration im Baltikum und in der Ukraine

Die russischsprachige Bevölkerung lebt heute als eine relativ große Gruppe in den Ländern des postsowjetischen Raums. Ihre gesellschaftliche Position geht zurück auf ihre Rolle im demokratischen Transformationsprozess und beruht auf den Entscheidungen der neuen politischen Eliten. Obwohl keineswegs homogen und weder als politische noch soziale Einheit aktiv, wird sie häufig als Minderheit wahrgenommen und zum Teil gesetzlich und sozioökonomisch benachteiligt. Diesem Problem widmet sich die vorliegende Arbeit und analysiert die Entwicklung im Baltikum, insbesondere in Estland, und in der Ukraine. Die Ukraine-Krise des Jahres 2014 wird dabei in Form eines exemplarischen Exkurses thematisiert.

Lajos Berkes, Laura Willer (Hrsg.)

Christen und Muslime am Nil
Zusammenleben im früharabischen Ägypten. Begleitheft zur Ausstellung im Universitätsmuseum Heidelberg vom 28. April bis 16. Juli 2017

Universitätsmuseum Heidelberg – Kataloge, Band 13

Mit der arabischen Eroberung Ägyptens änderte sich zunächst wenig für die einheimische Bevölkerung.

Die Ausstellung "Christen und Muslime am Nil" (28. April - 16. Juli 2017) im Universitätsmuseum Heidelberg zeigte anhand griechischer, koptischer und arabischer Papyri und archäologischer Objekte Veränderungen und Kontinuitäten innerhalb der früharabischen Zeit Ägyptens im Vergleich zur ausgehenden byzantinischen Epoche. Untersucht wurden unter anderem Gemeinsamkeiten und Unterschiede bei Glaube und Jenseitsvorstellungen, das Alltagsleben mit seinen Aspekten Ernährung und Kleidung sowie Veränderungen in den Verwaltungsstrukturen.

Immo Appenzeller, Dirk Dubbers, Hans-Georg Siebig, Albrecht Winnacker (Hrsg.)

Heidelberger Physiker berichten: Rückblicke auf Forschung in der Physik und Astronomie
Band 2: Grundlegende Beiträge zur Physik der Atomkerne und der Sternatmosphären

Mit diesem Band 2 werden die Berichte ehemaliger Heidelberger Hochschullehrer der Physik und Astronomie über ihre wissenschaftliche Arbeit und die Geschichte ihres Fachgebietes fortgesetzt. Alle Beiträge beruhen wieder auf autobiographischen Vorträgen, die für den vorliegenden Band in den Jahren 2006 bis 2008 im Rahmen einer Ringvorlesung präsentiert wurden. Sie berichten über die Entwicklung der Physik in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und behandeln insbesondere Fortschritte in unserem Verständnis der Physik der Atomkerne sowie den Neubeginn der Astrophysik an der Heidelberger Universität. Neben wissenschaftlichen Inhalten liefern sie Einsichten in das jeweilige Umfeld und die Wege, die zu den wissenschaftlichen Erkenntnissen führten, wobei die Texte vieles von der Lebendigkeit des mündlichen Vortrags und der Authentizität persönlicher Erinnerung widerspiegeln.

Jonas Kratzke, Vincent Heuveline (Hrsg.)

E-Science-Tage 2017
Forschungsdaten managen

Abstract:

Die Möglichkeiten des digitalen Forschens beflügeln gleichsam Methodik, Vernetzung und Erkenntnisgewinn in der Wissenschaft. Moderne Informationssysteme fördern insbesondere die Entwicklung innovativer Forschungsmethoden, unterstützen virtuelle Kollaboration und erhöhen den Wert von Daten für den Forschungsprozess. Der vorliegende Tagungsband zu den E-Science-Tagen 2017 gibt einen Einblick in aktuelle Entwicklungen für das Management von Forschungsdaten. Vorgestellt werden zukunftsweisende fachspezifische Ansätze neben innovativen institutionellen Lösungen für die Handhabung, die Publikation und die Archivierung von Forschungsdaten.

Keywords: Forschungsdaten; Forschungsdatenmanagement; E-Science; Digitalisierung; Proceedings

Johann Lauer

„Methodenstreit“ und Politikwissenschaft
Der methodologische Glaubenskrieg am Beginn des 21. Jahrhunderts zwischen szientistischem Establishment und phronetischen Perestroikans

Im Fokus dieser Monographie steht der als „Methodenstreit“ in die politikwissenschaftliche Literatur eingegangene Disput. Seine Anfänge liegen im 19. Jahrhundert, zu Beginn des 21. Jahrhunderts kann man von einem "methodologischen Glaubenskrieg" innerhalb der Politikwissenschaft sprechen.

Zunächst erfolgt eine Ad-fontes-Rekonstruktion anhand von Methodenbüchern und Klassikern der Naturalisten, Positivisten oder Szientisten. Dabei wird dargelegt, warum es nicht um den Mainstream, sondern um das Establishment geht. Danach wird die Gegenposition anhand der phronetischen Perestroikans, die die letzte große Rebellion gegen das Establishment unternahmen, paradigmatisch vorgestellt.

Die Begrenztheit angewandter Methodologien wird ausführlich herausgearbeitet, sowohl der szientistischen (normativen Rationalwahltheorie) als auch der phronetischen (angewandten Klugheit). Weiterhin wird die Notwendigkeit einer genuin praktischen (normativen, pragmatischen und technischen) komplementär zu einer empirischen (deskriptiven, explanativen und prognostischen) Methodologie begründet.

Immo Appenzeller, Dirk Dubbers, Hans-Georg Siebig, Albrecht Winnacker (Hrsg.)

Heidelberger Physiker berichten - Rückblicke auf Forschung in der Physik und Astronomie
Band 3: Mikrokosmos und Makrokosmos

In dem zunächst auf vier Bände angelegten Werk "Heidelberger Physiker berichten" blicken ehemalige Heidelberger Hochschullehrer der Physik und Astronomie auf ihren wissenschaftlichen Lebensweg und die Geschichte ihres Fachgebietes zurück. Die Basis für den vorliegenden Band bilden autobiographische Vorträge, die im Rahmen einer Ringvorlesung in den Jahren 2015 und 2016 präsentiert wurden. Schwerpunkt war dabei die Entwicklung der Physik im letzten Drittel des zwanzigsten und am Beginn des 21. Jahrhunderts. In dieser Periode wurden die traditionellen Arbeitsgebiete der Heidelberger Physiker weiter ausgebaut, daneben aber auch wichtige aktuelle Forschungsthemen vermehrt auch aus der Anwendung neu aufgenommen. Neben wissenschaftlichen Inhalten liefern die Beiträge Einsichten in das jeweilige Umfeld und die Wege, die zu den wissenschaftlichen Erkenntnissen führten, wobei die Texte die Lebendigkeit des mündlichen Vortrags und die Authentizität persönlicher Erinnerung widerspiegeln.

Ivan Ćurković

The Vocal Duets of G. F. Handel and His Italian Contemporaries (c. 1706-1724)

Im Vergleich mit den Duetten seiner Zeitgenossen zeichnen sich jene Georg Friedrich Händels durch eine größere musikalische und dramaturgische Vielfalt aus. In der musikwissenschaftlichen Forschung wurde diese Diversität bisher noch nicht systematisch in ihren verschiedenen Kontexten betrachtet. Die vorliegende Arbeit untersucht sie in zwei Gattungstraditionen, jener des Kammerduetts und jener des sogenannten „dramatischen Duetts“ (als Teil einer Oper, einer Kantate oder einer Serenata). Die Untersuchung konzentriert sich auf das Londoner Umfeld des Komponisten in den Jahren 1706 bis 1724 mit dem Ziel herauszufinden, inwiefern sich Händels Behandlung der Duette von den Beiträgen seiner italienischen Zeitgenossen, die entweder in London zeitgleich mit ihm tätig waren (wie G. Bononcini) oder deren Werke parallel aufgeführt wurden, unterscheidet.

Johannes Sturm

Der Violoncellist Johann Rudolph Zumsteeg und sein Werk
Sichtweisen der württembergischen Hofmusik im ausgehenden 18. Jahrhundert

Johann Rudolph Zumsteeg (1760–1802) war einer der wichtigsten Persönlichkeiten der höfischen Musik unter Karl Eugen von Württemberg. Für eine eingehende Untersuchung seines Wirkens wurde neben Zumsteeg ebenfalls dessen Netzwerk erschlossen, darunter sein Cellolehrer Agostino Poli, der Dichter und Musiker Christian Friedrich Daniel Schubart sowie Friedrich Schiller.

Am Beispiel der Cellomusik werden weitere unbekannte biographische Aspekte Zumsteegs anhand seines Umfeldes erläutert, die zusammen die spannende Geschichte der württembergischen Hofmusik im 18. Jahrhundert repräsentieren.

Walter Rings

Die altlothringische Übersetzung der Ezechielhomilien Gregors I. des Großen (Codex Bernensis 79)
Edition und Analyse

Gegen Ende des 12. Jahrhunderts wurden im Raum Metz die Ezechielhomilien Gregors I. des Großen ins Altfranzösische, genauer: Altlothringische übersetzt. Damit liegt eines der äußerst raren literarischen Zeugnisse des Altlothringischen vor. Die hier vorgelegte Edition verfolgt vor allem linguistische Ziele: Mit ihrem ausführlichen Glossar, den Grammatikkapiteln und den Scripta-Untersuchungen möchte sie einen Beitrag zur noch sehr lückenhaften Erforschung des Altlothringischen leisten. Daneben versuchen Exkurse zu Ezechiel, zu Gregor und zum mehrfachen Schriftsinn, die Homilien und ihren Autor auch in ihren geschichtlichen Kontext zu situieren und die Auslegungsmethode Gregors zu erhellen.

Stephan Kirste

Theorie der Körperschaft des öffentlichen Rechts
Verwaltungshistorische, organisationstheoretische und verwaltungsorganisationsrechtliche Aspekte

Die Untersuchung legt eine organisationstheoretisch und verwaltungshistorisch untermauerte Theorie der Körperschaft des öffentlichen Rechts als einer Form von Verwaltungsorganisation vor. Die Körperschaft des öffentlichen Rechts unterscheidet sich von anderen juristischen Personen des öffentlichen Rechts nicht durch die Art der Aufgaben oder die Form ihrer Erledigung (Selbstverwaltung als eigenverantwortliche Aufgabenwahrnehmung), sondern durch die Ausdifferenzierung ihrer Organisationsstrukturen (Selbstverwaltung durch Mitgliederpartizipation) aufgrund der Einbeziehung gesellschaftlicher Potentiale zur Selbstorganisation in die öffentliche Verwaltung. Von dieser Grundstruktur aus können sowohl die Möglichkeiten der Körperschaft zur Bürgeraktivierung als auch die Vielfalt ihrer Erscheinungsformen systematisiert werden.

Die vorliegende Arbeit wurde als Habilitationsschrift an der Juristischen Fakultät der Universität Heidelberg angenommen

Sabine Richling, Martin Baumann, Vincent Heuveline (Hrsg.)

Proceedings of the 3rd bwHPC-Symposium
Heidelberg 2016

Das bwHPC-Symposium ist eine jährliche Veranstaltung im Rahmen des Umsetzungskonzeptes für das Hochleistungsrechnen in Baden-Württemberg (bwHPC). Der Schwerpunkt liegt auf der Präsentation des Fortschritts und der Ergebnisse von wissenschaftlichen Rechenprojekten. Darüber hinaus bietet die Veranstaltung auch die Gelegenheit für einen aktiven Dialog zwischen den Nutzerinnen und Nutzern, den bwHPC-Dienstbetreibern und den bwHPC-Unterstützungsteams. Der vorliegende Tagungsband umfasst Beträge von Vorträgen und Postern des 3. bwHPC-Symposiums, das am 12. Oktober 2016 in Heidelberg stattfand.

Eva Ferro, Tino Licht, Kirsten Wallenwein (Hrsg.)

Artefakte früher Mainzer Schriftkultur

Universitätsmuseum Heidelberg – Kataloge, Band 12

Die markante frühmittelalterliche Überlieferung von Mainz bietet trotz hoher Verluste genügend Material, um alte Quantität und Qualität zu erkennen. Ausgehend von ihren Überresten, den Authentiken, hatte das Teilprojekt A08 am SFB 933 «Materiale Textkulturen» die Idee einer kleinen Ausstellung. Das Vorhaben hat Unterstützung durch das Dommuseum erfahren und ist zur Sonderausstellung «In Gold geschrieben» angewachsen, zu der ein umfangreicher Katalog erschienen ist. Auf Grundlage der dortigen Beiträge dokumentiert dieses Themenheft Artefaktbeschreibungen, die Materialien bis zur späten Karolingerzeit betreffen. Die Auswahl bietet einen virtuellen Rundgang durch die frühe Mainzer Schriftkultur.

Ute Hennige, Ulambayar Badarch, Andreas Eickhorst, Manfred Cierpka

gesund – beschützt – geborgen
Frühe Hilfen für Familien – ein Projekt zur psychosozialen Prävention für junge Eltern in schwierigen Lebenslagen in Ulaanbaatar/Mongolei (2013-2017)

Wie lassen sich junge Mütter und Väter in Gesellschaften im Umbruch in der kritischen Lebensphase des Übergangs in die Elternschaft unterstützen, wenn das  Erlernen und Aktivieren elterlicher Kompetenzen durch Anschauung und Tun im Alltagskontext nicht mehr gewährleistet ist?

Grundlage des Projekts gesund – beschützt – geborgen bildete das von Manfred Cierpka und seinem Team entwickelte Präventionsprogramm Das Baby verstehen. In einer explorativen Studie in der Mongolei wurden die Bedingungen für den Transfer sowie die Akzeptanz des Programms bei jungen Eltern in der Hauptstadt Ulaanbaatar untersucht.

Markus Blatt, Bernd Flemisch, Oliver Sander (Hrsg.)

Proceedings of the 3rd Dune User Meeting (2015)
Archive of Numerical Software - Special Issue 2017

Dune, die "Distributed and Unified Numerics Environment", befindet sich seit über einem Jahrzehnt in fortlaufender Entwicklung. An dieser Entwicklung beteiligen sich mehrere europäische Forschungseinrichtungen, und über die Jahre hinweg ist eine beträchtliche Nutzergemeinschaft entstanden. Das dritte Dune-Anwendertreffen wurde 2015 in Heidelberg veranstaltet und hatte zum Ziel, persönliche Kontakte sowohl unter den Nutzern als auch zwischen Nutzern und Entwicklern herzustellen und zu pflegen. Zehn Vorträge des Treffens wurden zu Beiträgen für diesen Tagungsbericht weiterentwickelt, der auch als Sonderausgabe Vol 5, No 1 (2017) der Zeitschrift "Archive of Numerical Software" erschienen ist.

Ana-Sofia Uhl

Sprache – Essen – Identität
Selbstvergewisserung und kulturelle Transformation in der US-kubanischen Gegenwartsliteratur

Die Calle Ocho in Miamis Stadtteil Little Havana steht für viele US-KubanerInnen symbolisch als „home away from our homeland“ (Pérez Firmat). Im Kontext von Migration und Diaspora sind sowohl Sprache als auch Essen wichtige identitätsstiftende Kommunikationsmedien. Medien, die im sozialen wie im materiellen Sinne das Überleben sichern und auffallend häufig in autobiographischen Texten der US-kubanischen Diaspora thematisiert werden. Das vorliegende Buch geht über die Analyse ausgewählter Werke der Frage nach, welche Bedeutung die jeweiligen AutorInnen den Kommunikationssystemen Sprache bzw. Essen für Identitätsbildungs- und -veränderungsprozesse von KubanerInnen in den USA beimessen.

Andreas Reuland

Menschenversuche in der Weimarer Republik

Medizinische Menschenversuche ohne Einwilligung der Probanden waren in der Weimarer Republik die Regel. Versuche aller Art wurden im Rahmen therapeutischer Forschung oder zum Zwecke des allgemeinen Erkenntnisgewinns an Klinikpatienten ohne deren Wissen durchgeführt. Bei den Versuchspersonen handelte es sich meist um leidenserfahrene, autoritäts- und abhängigkeitsgewöhnte, sprach- und mittellose  Patienten.  Als Preis für ihre stationäre Behandlung wurde die freie Verfügbarkeit über ihre Körper für wissenschaftliche Versuche erwartet.

Der Arzt und sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Julius Moses wies gegen Ende der Weimarer Republik auf diese Missstände hin.  Unter der Überschrift „100 Ratten und 20 Kinder! Arbeiterkinder als Experimentierkarnickel“ veröffentlichte er 1928 im „Vorwärts“ eine Anklage gegen die Experimente eines Klinikarztes und brachte damit einen öffentlichen Skandal ins Rollen.  Der Protest auf die entmündigenden Zustände im klinischen Forschungswesen während der Weimarer Republik und Moses’ „Kampf gegen die Experimentierwut“ führten schlussendlich zur Entwicklung von Forschungsrichtlinien.

Unveränderter Nachdruck der Erstausgabe von 2004.

Udo Bayer

Vignettes
The Legacy of Jewish Laupheim

Aus der württembergischen Landgemeinde Laupheim ging eine für ihre Größe ganz überraschende, ja in Deutschland einzigartige Zahl bedeutender jüdischer Persönlichkeiten hervor, die auf unterschiedlichsten Gebieten Herausragendes leisteten. Dazu gehören unter anderem der Begründer der Württembergischen Vereinsbank und Mäzen Kilian von Steiner, der Künstler und Designer Friedrich Adler, der Komponist Moritz Henle, die Ärztin Hertha Nathorff, der Schriftsteller Siegfried Einstein und nicht zuletzt die  Unternehmerfamilie Bergmann, aus der die erfolgreiche Hochspringerin Gretel Bergmann hervorging, deren Leben auch verfilmt wurde. Zum ersten Mal werden von dem anerkannten Laupheim-Experten Udo Bayer eine kompakte historische Überblicksdarstellung der ehemaligen Laupheimer Judengemeinde und Kurzporträts sechs dieser bekannten Persönlichkeiten miteinander vereint.

Nils Steffen, Cord Arendes (Hrsg.)

Geflüchtet, unerwünscht, abgeschoben
Osteuropäische Juden in der Republik Baden (1918–1923)

Rund 10 Millionen Menschen sind nach dem Ersten Weltkrieg in Europa auf der Flucht. Unter ihnen „Ostjuden“, die vor den mörde­rischen Pogromen in ihren osteuropäischen Heimatländern nach Westen fliehen – Sehnsuchtsziel USA. Doch die Vereinigten Staaten schließen ihre Grenzen. Die Fluchtroute über die deutschen Auswandererhäfen Hamburg und Bremen wird zu einer Sackgasse für viele Geflüchtete. Tausende dieser Gestrandeten suchen ihr Glück in Baden.

Sie kommen an in einem Land, das vom Krieg gezeichnet und politisch zerrissen ist. In einem Land, das für die eigene Bevölkerung kaum genug zu essen, Wohnungen und Arbeitsplätze hat. In einem Land, das nach „Schuldigen“ sucht und sie vielfach in der jüdischen Bevölkerung zu finden glaubt. Die neu ankommenden jüdischen Geflüchte­ten sind deshalb vielen unerwünscht.

Studierende der Universität Heidelberg haben in Archiven recherchiert und versucht, Lebens­wege „lästiger Ausländer“ zu rekonstruieren sowie den Umgang der deutschen Gesell­schaft und der Behörden mit den Geflüchteten zu untersuchen. Der Band vereint ihre For­schungsergebnisse und ausgewählte Quellen aus zeitgenössischen Akten, Briefen, Parla­mentsdebatten und Zeitungsartikeln.

Christoph J. Hagemann

Geschichtsfiktion im Dienste territorialer Macht
Die Chronik von den 95 Herrschaften des Leopold von Wien

Im Zentrum dieser Arbeit steht die sogenannte Österreichische Chronik von den 95 Herrschaften des Leopold von Wien, die dieser Ende des 14. Jahrhunderts in volkssprachlicher Prosa für Herzog Albrecht III. verfasste. Ihre Merkwürdigkeit besteht in einer 95 Fürsten zählenden, zu einem großen Teil fiktiven Herrschersukzession, mit der der Verfasser die österreichische Geschichte von der biblischen Patriarchenzeit bis in seine Gegenwart heraufführt. Angesichts der Überlieferung in mehr als 80 teilweise illuminierten Handschriften, Bearbeitungen und einer erheblichen Rezeption fragt man sich: Wie konnte es zu so einem historiographischen Unfall kommen und wieso war er allem Anschein nach auch noch so beliebt?

Immo Appenzeller, Dirk Dubbers, Hans-Georg Siebig, Albrecht Winnacker (Hrsg.)

Heidelberger Physiker berichten: Rückblicke auf Forschung in der Physik und Astronomie
Band 1: Wege zur modernen Physik

In diesem zunächst auf vier Bände angelegten Werk berichten ehemalige Hochschullehrer der angesehenen Heidelberger Fakultät für Physik und Astronomie über ihre wissenschaftliche Arbeit und die Geschichte ihres Fachgebietes. Die Beiträge gehen auf autobiographische Vorträge zurück, die die Physiker in den Jahren 1991 bis 2016 gehalten haben. Vieles von der Lebendigkeit des mündlichen Vortrags und der Authentizität persönlicher Erinnerung ist darin erhalten geblieben. Packend und „aus dem wissenschaftlichen Leben gegriffen“ wird der jeweilige Weg zur wissenschaftlichen Erkenntnis geschildert, eingebunden in ein oft bewegtes Leben und Zeitgeschehen.

So sehr sich Lebenswege und Erfahrungen der Wissenschaftler unterscheiden, so viel Verbindendes kann der Leser darin entdecken. Und er erfährt aus erster Hand, wie Wissenschaft „gemacht“ wurde und auch heute noch, im Zeitalter von Interdisziplinarität und Großforschung, entsteht.

Im vorliegenden ersten Band finden sich Vorträge, welche die Geschichte der Physik um die Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts beschreiben. Die folgenden Bände werden dann über die neueren Entwicklungen berichten.

Sonja Ehret (Hrsg.)

Symposium Echo der Generationen
Heidelberg 2016

Im Symposium Echo der Generationen werden die Ergebnisse des gleichnamigen Projekts mit international bekannten Forschungsarbeiten und Theorien verknüpft. Beziehungen zwischen jungen und sehr alten Menschen sind durch gegenseitiges Verstehen, Symmetrie und Bindung gekennzeichnet, wodurch sich neue und bisher ungeahnte Perspektiven und Türen zwischen den Generationen auftun. Neugier und Attraktion zwischen jungen und sehr alten Menschen zielen nicht nur auf geschichtliche Erfahrungen, sondern auf die Person selbst. In der Podiumsdiskussion werden die zukünftigen Aufgaben einer Gesellschaft für alle Lebensalter diskutiert, in der sich Jung und Alt stetig aktualisieren können.

Anastasia Kozyreva

Phenomenology of Affective Subjectivity
Analyses on the Pre-reflective Unity of Subjective Experience

Seit sich zeitgenössische Philosophie, Psychologie und Neurowissenschaften mit wachsendem Interesse den Problemen des Bewusstseins und der Natur des Selbstbewusstseins widmen, ist ein bemerkenswerter Wandel im Verständnis der Grundlagen von Geist und Subjektivität zu erkennen. Vom alltäglichen als auch wissenschaftlichen Standpunkt aus ist klar, dass Subjektivität nicht länger als eine einheitliche Wesensform betrachtet werden kann, definiert als kognitiv, bewusst oder geistig, und dass sie sich nicht getrennt von ihren körperlichen und affektiven Dimensionen sowie ihrer Interaktion mit der Welt und anderen Lebewesen verstehen lässt. Wie können wir in Anbetracht dieser Veränderungen verstehen, was die Einheit der subjektiven Erfahrung über die Ebene der expliziten Erkenntnis und Selbstreflexion hinaus ausmacht? Was ist es, das die Einheit eines jeden Lebens über das narrative und autobiographische Gedächtnis hinaus darstellt? Die phänomenologische Herangehensweise dieses Buches an die präreflexive Ebene der subjektiven Erfahrung und deren Konnektivität soll diese Fragen beantworten. Sich auf Husserls Analysen der passiven Synthesen sowie der zeitgenössischen philosophischen und psychologischen Forschung beziehend, untersucht dieses Buch, inwiefern Affektivität zum Verstehen der Einheit des Bewusstseins, der Wahrnehmungsorganisation, des Gedächtnisses und des Unbewussten beiträgt. Dementsprechend untersucht der erste Teil des Buches die grundlegenden Bedingungen, die für die einheitliche und kohärente Weise verantwortlich sind, in der subjektive Erfahrung organisiert ist. Der zweite Teil widmet sich der Einheit der assoziativen und affektiven Konnektivität des Bewusstseins. Schließlich untersucht der dritte Teil die präreflexive Ebene der vergangenen Erfahrung und die affektive Dimension des Gedächtnisses.

Elise Wintz

Charles VII et le conseil municipal rouennais
Communication, négociations, légitimité

En octobre 1449, Charles VII et ses hommes étaient aux portes de Rouen, prêts à mettre à siège la ville dont le roi se disait le seigneur légitime puisqu’il se voulait, et avait été sacré, roi de France. Ses prétentions à la couronne, et ainsi au contrôle de Rouen, étaient cependant contestées par son rival, Henri VI, roi d’Angleterre, lui aussi roi de France, un titre hérité de son père, Henri V. Après trente ans sous contrôle Lancastre, comment les Rouennais ont-ils accueilli Charles VII et comment les a-t-il convaincus de sa légitimité royale ? En s’appuyant sur les sources du conseil municipal rouennais, ce livre propose une analyse des relations roi-sujet à Rouen de 1449 à la mort du roi en 1461.