Ivan Ćurković

The Vocal Duets of G. F. Handel and His Italian Contemporaries (c. 1706-1724)

Im Vergleich mit den Duetten seiner Zeitgenossen zeichnen sich jene Georg Friedrich Händels durch eine größere musikalische und dramaturgische Vielfalt aus. In der musikwissenschaftlichen Forschung wurde diese Diversität bisher noch nicht systematisch in ihren verschiedenen Kontexten betrachtet. Die vorliegende Arbeit untersucht sie in zwei Gattungstraditionen, jener des Kammerduetts und jener des sogenannten „dramatischen Duetts“ (als Teil einer Oper, einer Kantate oder einer Serenata). Die Untersuchung konzentriert sich auf das Londoner Umfeld des Komponisten in den Jahren 1706 bis 1724 mit dem Ziel herauszufinden, inwiefern sich Händels Behandlung der Duette von den Beiträgen seiner italienischen Zeitgenossen, die entweder in London zeitgleich mit ihm tätig waren (wie G. Bononcini) oder deren Werke parallel aufgeführt wurden, unterscheidet.

Johannes Sturm

Der Violoncellist Johann Rudolph Zumsteeg und sein Werk
Sichtweisen der württembergischen Hofmusik im ausgehenden 18. Jahrhundert

Johann Rudolph Zumsteeg (1760–1802) war einer der wichtigsten Persönlichkeiten der höfischen Musik unter Karl Eugen von Württemberg. Für eine eingehende Untersuchung seines Wirkens wurde neben Zumsteeg ebenfalls dessen Netzwerk erschlossen, darunter sein Cellolehrer Agostino Poli, der Dichter und Musiker Christian Friedrich Daniel Schubart sowie Friedrich Schiller.

Am Beispiel der Cellomusik werden weitere unbekannte biographische Aspekte Zumsteegs anhand seines Umfeldes erläutert, die zusammen die spannende Geschichte der württembergischen Hofmusik im 18. Jahrhundert repräsentieren.

Walter Rings

Die altlothringische Übersetzung der Ezechielhomilien Gregors I. des Großen (Codex Bernensis 79)
Edition und Analyse

Gegen Ende des 12. Jahrhunderts wurden im Raum Metz die Ezechielhomilien Gregors I. des Großen ins Altfranzösische, genauer: Altlothringische übersetzt. Damit liegt eines der äußerst raren literarischen Zeugnisse des Altlothringischen vor. Die hier vorgelegte Edition verfolgt vor allem linguistische Ziele: Mit ihrem ausführlichen Glossar, den Grammatikkapiteln und den Scripta-Untersuchungen möchte sie einen Beitrag zur noch sehr lückenhaften Erforschung des Altlothringischen leisten. Daneben versuchen Exkurse zu Ezechiel, zu Gregor und zum mehrfachen Schriftsinn, die Homilien und ihren Autor auch in ihren geschichtlichen Kontext zu situieren und die Auslegungsmethode Gregors zu erhellen.

Stephan Kirste

Theorie der Körperschaft des öffentlichen Rechts
Verwaltungshistorische, organisationstheoretische und verwaltungsorganisationsrechtliche Aspekte

Die Untersuchung legt eine organisationstheoretisch und verwaltungshistorisch untermauerte Theorie der Körperschaft des öffentlichen Rechts als einer Form von Verwaltungsorganisation vor. Die Körperschaft des öffentlichen Rechts unterscheidet sich von anderen juristischen Personen des öffentlichen Rechts nicht durch die Art der Aufgaben oder die Form ihrer Erledigung (Selbstverwaltung als eigenverantwortliche Aufgabenwahrnehmung), sondern durch die Ausdifferenzierung ihrer Organisationsstrukturen (Selbstverwaltung durch Mitgliederpartizipation) aufgrund der Einbeziehung gesellschaftlicher Potentiale zur Selbstorganisation in die öffentliche Verwaltung. Von dieser Grundstruktur aus können sowohl die Möglichkeiten der Körperschaft zur Bürgeraktivierung als auch die Vielfalt ihrer Erscheinungsformen systematisiert werden.

Die vorliegende Arbeit wurde als Habilitationsschrift an der Juristischen Fakultät der Universität Heidelberg angenommen

Sabine Richling, Martin Baumann, Vincent Heuveline (Hrsg.)

Proceedings of the 3rd bwHPC-Symposium
Heidelberg 2016

Das bwHPC-Symposium ist eine jährliche Veranstaltung im Rahmen des Umsetzungskonzeptes für das Hochleistungsrechnen in Baden-Württemberg (bwHPC). Der Schwerpunkt liegt auf der Präsentation des Fortschritts und der Ergebnisse von wissenschaftlichen Rechenprojekten. Darüber hinaus bietet die Veranstaltung auch die Gelegenheit für einen aktiven Dialog zwischen den Nutzerinnen und Nutzern, den bwHPC-Dienstbetreibern und den bwHPC-Unterstützungsteams. Der vorliegende Tagungsband umfasst Beträge von Vorträgen und Postern des 3. bwHPC-Symposiums, das am 12. Oktober 2016 in Heidelberg stattfand.

Eva Ferro, Tino Licht, Kirsten Wallenwein (Hrsg.)

Artefakte früher Mainzer Schriftkultur

Universitätsmuseum Heidelberg – Kataloge, Band 12

Die markante frühmittelalterliche Überlieferung von Mainz bietet trotz hoher Verluste genügend Material, um alte Quantität und Qualität zu erkennen. Ausgehend von ihren Überresten, den Authentiken, hatte das Teilprojekt A08 am SFB 933 «Materiale Textkulturen» die Idee einer kleinen Ausstellung. Das Vorhaben hat Unterstützung durch das Dommuseum erfahren und ist zur Sonderausstellung «In Gold geschrieben» angewachsen, zu der ein umfangreicher Katalog erschienen ist. Auf Grundlage der dortigen Beiträge dokumentiert dieses Themenheft Artefaktbeschreibungen, die Materialien bis zur späten Karolingerzeit betreffen. Die Auswahl bietet einen virtuellen Rundgang durch die frühe Mainzer Schriftkultur.

Ute Hennige, Ulambayar Badarch, Andreas Eickhorst, Manfred Cierpka

gesund – beschützt – geborgen
Frühe Hilfen für Familien – ein Projekt zur psychosozialen Prävention für junge Eltern in schwierigen Lebenslagen in Ulaanbaatar/Mongolei (2013-2017)

Wie lassen sich junge Mütter und Väter in Gesellschaften im Umbruch in der kritischen Lebensphase des Übergangs in die Elternschaft unterstützen, wenn das  Erlernen und Aktivieren elterlicher Kompetenzen durch Anschauung und Tun im Alltagskontext nicht mehr gewährleistet ist?

Grundlage des Projekts gesund – beschützt – geborgen bildete das von Manfred Cierpka und seinem Team entwickelte Präventionsprogramm Das Baby verstehen. In einer explorativen Studie in der Mongolei wurden die Bedingungen für den Transfer sowie die Akzeptanz des Programms bei jungen Eltern in der Hauptstadt Ulaanbaatar untersucht.

Markus Blatt, Bernd Flemisch, Oliver Sander (Hrsg.)

Proceedings of the 3rd Dune User Meeting (2015)
Archive of Numerical Software - Special Issue 2017

Dune, die "Distributed and Unified Numerics Environment", befindet sich seit über einem Jahrzehnt in fortlaufender Entwicklung. An dieser Entwicklung beteiligen sich mehrere europäische Forschungseinrichtungen, und über die Jahre hinweg ist eine beträchtliche Nutzergemeinschaft entstanden. Das dritte Dune-Anwendertreffen wurde 2015 in Heidelberg veranstaltet und hatte zum Ziel, persönliche Kontakte sowohl unter den Nutzern als auch zwischen Nutzern und Entwicklern herzustellen und zu pflegen. Zehn Vorträge des Treffens wurden zu Beiträgen für diesen Tagungsbericht weiterentwickelt, der auch als Sonderausgabe Vol 5, No 1 (2017) der Zeitschrift "Archive of Numerical Software" erschienen ist.

Ana-Sofia Uhl

Sprache – Essen – Identität
Selbstvergewisserung und kulturelle Transformation in der US-kubanischen Gegenwartsliteratur

Die Calle Ocho in Miamis Stadtteil Little Havana steht für viele US-KubanerInnen symbolisch als „home away from our homeland“ (Pérez Firmat). Im Kontext von Migration und Diaspora sind sowohl Sprache als auch Essen wichtige identitätsstiftende Kommunikationsmedien. Medien, die im sozialen wie im materiellen Sinne das Überleben sichern und auffallend häufig in autobiographischen Texten der US-kubanischen Diaspora thematisiert werden. Das vorliegende Buch geht über die Analyse ausgewählter Werke der Frage nach, welche Bedeutung die jeweiligen AutorInnen den Kommunikationssystemen Sprache bzw. Essen für Identitätsbildungs- und -veränderungsprozesse von KubanerInnen in den USA beimessen.

Andreas Reuland

Menschenversuche in der Weimarer Republik

Medizinische Menschenversuche ohne Einwilligung der Probanden waren in der Weimarer Republik die Regel. Versuche aller Art wurden im Rahmen therapeutischer Forschung oder zum Zwecke des allgemeinen Erkenntnisgewinns an Klinikpatienten ohne deren Wissen durchgeführt. Bei den Versuchspersonen handelte es sich meist um leidenserfahrene, autoritäts- und abhängigkeitsgewöhnte, sprach- und mittellose  Patienten.  Als Preis für ihre stationäre Behandlung wurde die freie Verfügbarkeit über ihre Körper für wissenschaftliche Versuche erwartet.

Der Arzt und sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Julius Moses wies gegen Ende der Weimarer Republik auf diese Missstände hin.  Unter der Überschrift „100 Ratten und 20 Kinder! Arbeiterkinder als Experimentierkarnickel“ veröffentlichte er 1928 im „Vorwärts“ eine Anklage gegen die Experimente eines Klinikarztes und brachte damit einen öffentlichen Skandal ins Rollen.  Der Protest auf die entmündigenden Zustände im klinischen Forschungswesen während der Weimarer Republik und Moses’ „Kampf gegen die Experimentierwut“ führten schlussendlich zur Entwicklung von Forschungsrichtlinien.

Unveränderter Nachdruck der Erstausgabe von 2004.